Im Blickpunkt: Der Preis der Harmonie

Selten sind sich die deutschen Bischöfe so einig gewesen wie in ihrer distanzierten Haltung gegenüber der Pius-Bruderschaft. Die Sehnsucht des gastgebenden Hamburger Hirten nach einem gemeinsamen Schreiben an alle deutschen Gemeinden geisterte zwar wie ein Irrlicht durch die Medien. Der Mehrheit der Bischöfe schien aber klar zu sein, dass niemand sie am selbstständigen Denken und Handeln hindert. Insgesamt gelang es Erzbischof Zollitsch, ein unaufgeregtes Gesprächsklima zu wahren. Die Abschlusserklärung (Seite 4) ist nicht nur als eine rote Karte an Schismatiker von rechts zu verstehen, sondern auch als eine gelbe Karte an Spalter von links. Inwieweit die Initiatoren der „Petition Vaticanum 2“ dauerhaft in ihre Schranken gewiesen werden, hängt von der Durchsetzungsfähigkeit einzelner Bischöfe ab, die bereit sind, den Preis der Harmonie zu zahlen – auch auf die Gefahr hin, als Störenfriede zu gelten, denn nicht wenige deutsche Mitraträger sympathisieren zumindest teilweise mit dem Text. Es sprach für sich, dass der Sekretär der Bischofskonferenz bereit war, die Unterstützer einer Petition, deren Unterzeichner bisher weder durch renommierte Publikationen noch herausragende Leistungen für die Kirche aufgefallen sind, persönlich zu empfangen. Der Inhalt der Petition hätte es jedenfalls nahegelegt, sich mit Hinweis auf die besetzte Portiersloge dringenderen Fragen zuzuwenden.

Schließlich bleibt nach dem Hamburger Treffen ungeklärt, wann die Übersetzung von „Pro multis“ in den deutschen Messbüchern korrigiert und ob der jüngste Beschluss des Ständigen Rats zu „Donum vitae“ umgesetzt wird. Auch zur Vakanz im Bistum Trier hüllten sich die Hirten in Schweigen. Andererseits setzte der Vorsitzende der Bischofskonferenz vorsichtige Akzente, die sich wohltuend vom Stil seines Vorgängers abhoben. Als Erzbischof Zollitsch den Berliner Bürgermeister Wowereit mit Blick auf „Pro Reli“ ermahnte, die „fast ideologisch anmutende Trickserei“ aufzugeben und „die Grundlagen politischer Seriosität“ nicht zu verlassen, grenzte er sich von einem Meister kirchlicher Ergebenheitsadressen an Berufspolitiker ab. Auch wäre es vor Zollitschs Amtsantritt undenkbar gewesen, dass sich ein Bischof während einer Vollversammlung neben Lehmann in einer gesellschaftspolitischen Frage hätte profilieren dürfen. Die Berichte über die Stellungnahmen des Münchner Erzbischofs Marx zur Finanzkrise in dieser Woche zeigen jedoch: In Spiegelsälen den Solistenpart zu spielen und den Mitbrüdern vor den Medien Statistenrollen zuzuweisen, ist Zollitschs Sache nicht – und das ist gut so. Regina Einig