Hier werden Sie geholfen!

Wenn 007 nicht hilft, probieren wir mal 112

Von Stephan Baier

Gegen Magenbeschwerden oder Raucherhusten hilft sie nicht. Auch nicht gegen Regen und Hagel. Wer sich über das Wetter, lahmende Fußballer oder nichtssagende Politikerreden beschweren möchte, muss sich einen anderen Kummerkasten suchen. Schulnoten, pubertierende Kinder und entnervte Lehrer fallen nicht in ihre Kompetenz. Und wem im Urlaub die Strände zu schmutzig und die Essensportionen zu klein, die Sehenswürdigkeiten zu jung und die Hotelzimmer zu alt scheinen, ruft hier vergebens an. Abgesehen davon ist die gebührenfreie europäische Notrufnummer eine prima Idee. Weil „gut Ding“, wie das Sprichwort lehrt, Weile braucht, hat sich die EU-Kommission entschlossen, die 1991 eingeführte Notrufnummer jetzt bekannt zu machen. Nach 17 Jahren und 16 diesbezüglichen Vertragsverletzungsverfahren gegen 15 Mitgliedstaaten scheint die Zeit dafür reif. Zumindest fast:

In einem Land funktioniert die Nummer nicht; in sechs Ländern können die mobil Anrufenden nicht lokalisiert werden; neun Länder geben der Kommission keine Auskunft darüber, wie schnell Anrufe beantwortet werden und zehn Staaten liefern keine Angaben, ob Anrufe in fremden Sprachen – oder nur in der Landessprache – beantwortet werden.

Da bleibt der Kommission nur noch ein Notruf bei 112. Zur Sicherheit im Urlaubsland Großbritannien, denn auch die EU-Kommission spricht nurmehr Englisch, wie man der Internetseite über „112“ entnehmen kann. Dort werden jene, die nicht Englisch verstehen, in englischer Sprache darauf hingewiesen, dass es bald Informationen in anderen Sprachen geben wird. Wie würde Verona (nicht die Stadt, sondern die Dame mit der schrillen Stimme und dem mittellosen Ehemann) sagen: 112, hier werden Sie geholfen! Übrigens: Gegen Ehemänner hilft auch kein Notruf.