Helmut Kohl ante portas

Helmut Kohl wird bald achtzig Jahre alt. Und langsam kommt die Medienmaschine ins Rollen. Da kommt der „Stern“ mit einem Sonderheft heraus, da widmet ihm „Die Zeit“ eine Seite – und die liberale Wochenzeitung gibt darin, was honorig ist, zu, dass sie diesen Politiker aus der Pfalz lange Jahre unterschätzt und ihn zu Unrecht in die Ecke des Provinzlers gestellt hatte.

Auch die CDU bereitet sich auf den Geburtstag ihres ehemaligen Fuhrmannes vor. Einige jüngere Politiker der Partei wollen Kohl wieder den Ehrenvorsitz antragen. Ein Unterfangen, das wohl eher zum Scheitern verurteilt ist – von beiden Seiten nämlich. Der frühere Kanzler wird zu stolz sein, nach den Erfahrungen, die er mit seiner Partei im Zusammenhang der Parteispendenaffäre gemacht hat, einen solchen Ehrenvorsitz wieder anzunehmen; und die Partei wird in ihrer Gänze dies auch nicht wollen, weil sie Angst hat, damit in den Geruch zu geraten, Dinge im Nachhinein gutzuheißen, die die Öffentlichkeit nicht gutheißt.

Doch der Ehrenvorsitz ist für einen Politiker wie der von der Statur Helmut Kohls etwas Zweitrangiges. Für ihn ist es wichtig, dass er geschichtlich angemessen eingeordnet wird. Und da ist er der Politiker, ohne den es die Europäische Union, wie sie es heute gibt, nicht geben würde, und ohne den es auch die Deutsche Einheit nicht geben würde, wie sie, je länger sie von der Gegenwart entfernt liegt, umso mehr als ein Wunder anmuten muss. Und das müssen alle Deutschen, auch die früheren Gegner, eingestehen: Man mag den Menschen Kohl nicht mögen, man mag seinen Stil und seine Herkunft nicht mögen, aber man muss ihm den politischen Respekt zollen, der ihm zweifelsohne gebührt.

Diese Republik scheint sich auf diese Übereinkunft verständigen zu können. Diese Republik scheint sich mit einem ihrer wichtigsten Politiker versöhnen zu wollen. Hoffentlich wird es dann auch so sein. Schließlich waren es noch immer die schwierigen, opaken Charaktere, die Deutschland voranbrachten: Willy Brand – oder Helmut Kohl. sei