Glosse: Zielgruppe Hund

Von Bernhard Huber

Als soziales Wesen gehört jeder Mensch einer, meistens mehreren Zielgruppen an. Die Zielgruppe ist ein Personenkreis, der von einem anderen Personenkreis in zweckgebundener Absicht ins Visier genommen wird. Die Zahl solcher Zielgruppen tendiert gegen unendlich, weil sie ganz nach Bedarf herbeidefiniert werden können. Die größte denkbare Zielgruppe ist die Menschheit, die Weltverbesserer gerne ihren Plänen zugrunde legen. Wesentlich präziser werden Zielgruppen umrissen, wenn ökonomische Motive ins Spiel kommen, insbesondere beim Fernsehen. Als Ex-RTL-Chef Helmut Thoma in der Gründungsphase seines TV-Senders nicht wusste, mit welchem Programm er aufwarten sollte, zauberte er als Zielgruppe kurzerhand die 14- bis 49-Jährigen aus dem Hut. Die Folge waren innovative Show-Formate, in denen mal die Torten flogen, mal die Fetzen. Genau darauf hat die Werbewirtschaft gewartet. Sie zögerte und knauserte nicht mit lukrativen Aufträgen, was zur Folge hatte, dass alle anderen TV-Sender ihre Programme ebenfalls auf die 14- bis 49-Jährigen ausrichteten, die somit für alles, was gesendet wird, die Letztverantwortung tragen. Schon längst müssen sogar schon die Babys als Zielscheiben fürs Fernsehen herhalten. Eigens für sie wurden die „Teletubbies“ entwickelt. Nur noch den Senioren verwehrt man die Erschließung als TV-Zielgruppe. Nun werden ihnen auch noch die Hunde vorgezogen. Wer's nicht glaubt, klicke auf www.dogtv.com. Hunde, die zuvor nur einen Bildbrei wahrgenommen haben, können nun dank digitaler Technik das Geschehen auf der Mattscheibe entschlüsseln. Von ihrer Intelligenz her, daran besteht unter Experten kein Zweifel, sind sie nicht weniger in der Lage als ihre Herrchen, dem Dargebotenen zu folgen. Allerdings werden sich die Vierbeiner gedulden müssen, bis eine hundegerechte Fernbedienung auf den Markt kommt. Ein kostenpflichtiges Zuschauerbellefon wird jedoch demnächst freigeschaltet.