Glosse: Weihnachtslieder unerwünscht?

Merkel, Blockflöte und Schulgesetz. Eine Glosse von Stefan Meetschen

An Angela Merkel liegt es nicht. Vor einem Jahr riet die Bundeskanzlerin einigen christdemokratischen Genossen, die Verteidigung der eigenen Leitkultur etwas beherzter anzugehen. Originalton Merkel: „Wie viele christliche Weihnachtslieder kennen wir denn noch und wie viele bringen wir denn unseren Kindern und Enkeln noch bei?“ Ihre Empfehlung auf Grundlage der praktischen Vernunft: „Dann muss man eben mal ein paar Liederzettel kopieren und einen, der noch Blockflöte spielen kann (...) mal bitten.“ Das war gut gemeint, dürfte als Lösung aber mittlerweile ausscheiden. Wo und wann sollen denn die Weihnachtsfeiern stattfinden, in deren Rahmen die Evangelisierungsoffensive im Leitkultur-Gewand stattfindet? In Lüneburg, dies berichtet der NDR, hat sich ein Gymnasium (das Johanneum – Anm. d. Verf.) jetzt dazu bringen lassen, dass die Weihnachtsfeier zum ersten Mal außerhalb der Unterrichtszeit stattfindet, also fakultativ wird. Hintergrund der Verschiebeaktion: „Im vergangenen Jahr hatte sich offenbar eine muslimische Schülerin beschwert, dass die dort gesungenen christlichen Lieder nicht mit ihrem Glauben vereinbar wären.“ Das arme Mädchen. In Deutschland auf eine Schule mit christlicher Tradition gehen und dann zur Weihnachtszeit christliche Lieder hören – kann man sich etwas Schrecklicheres vorstellen? Das Schulgesetz in Niedersachsen offenbar nicht. Es beschützt die Schüler vor zuviel Leitkultur-Druck. Auf religiöse Überzeugungen sei zu achten, zitiert der NDR das Gesetz, auf das sich die Schule beruft. Irgendwie scheint man da etwas missverstanden zu haben. Dialog und Toleranz bedeuten nicht, dass man sich einer anderen Religion unterwirft und die eigene aufgibt.