Glosse: Verantwortung im Konjunktiv

Von Stephan Baier

Eine einzelne Beamtin hat mit riskanten Investments mindestens 340 Millionen Euro an Steuergeldern verzockt. Nein, die Rede ist nicht von Kasachstan. Auch nicht von Griechenland, wo solche Summen derzeit weniger auffallen würden. Es geht um das schöne Salzburg, wo zwischen den Glühweinstandln anstelle der Adventsstimmung derzeit der Volkszorn hochkocht. Aber eben gemütlicher Salzburger Volkszorn. Weit und breit kein „arabischer Frühling“ an der Salzach. Freilich, wer in feinen Loden gehüllt im Schatten des Domes nach dem dritten Punsch das Wort „Derivatgeschäfte“ noch aussprechen kann, ereifert sich nun über ebendiese. Rund 300 solche Derivatgeschäfte habe die Beamtin ohne jegliche Genehmigung gemacht, heißt es jetzt.

Auch die Wahrnehmung der „politischen Verantwortung“ funktioniert im Salzburger Land eher gemütlich: Der Finanzlandesrat fühlt sich berufen, die Sache „aufzuklären“ – statt zurückzutreten. Die Landeshauptfrau (Ministerpräsidentin) entschuldigt sich mit tränenerstickter Stimme beim Bürger – dafür, „dass der Eindruck entstanden ist, dass wir, die Regierung, dieses Land in die größten Turbulenzen gebracht hätten“. Im Konjunktiv! Und ohne Aussage, ob dieser „Eindruck“ richtig ist. „Unerträglich“ scheinen ihr die Wahlkampftöne anderer Parteien. Bei diesem Schwarzer-Peter-Spiel will die spekulationsfreudige Beamtin mithalten: Sie verklagt das Land auf Wiedereinstellung! 340 Millionen an Steuergeldern verzocken und dann achselzuckend auf seine Rechte pochen: Die Frau sollte in die Politik gehen!