Glosse: Spielen wir doch Millionenshow!

Zunächst die 100-Euro-Frage: Von wem stammt dieser bedeutungsschwere Satz: „Wir bewegen uns auf dasselbe Ziel zu, nämlich langfristiges nachhaltiges Wachstum.“ Mögliche Antworten: a) von Alexander dem Großen (kurz nach dem Sieg über die Perser), b) von Josef Ackermann (nach Sichtung seines privaten Finanzportfolios), c) von Harald Schmidt (angesichts der Bankenkrise und unter lautem Glucksen), d) von US-Präsident Barack Obama (beim G-20 Gipfel in Toronto). Nein, leider falsch geraten! Die Aussage stammt wirklich von Obama!

Wer einen solchen Satz angesichts der Wirtschafts- und Finanzlage seines Landes fehlerfrei aussprechen kann, ohne in Tränen und/oder Lachen auszubrechen, ist kein gewöhnlicher Politiker mehr. Er ist nicht mehr ganz von dieser Welt, schwebt bereits in anderen Sphären, wo Hoffnungen zu Fakten gerinnen und das Wünschen noch hilft. In Washington spielt man längst nicht mehr Millionen-, sondern Billionenshow: 1,4 Billionen Dollar (die Zahl hat 12 Nullen) an Staatsschulden haben die USA angehäuft. Und weil sich das bewährt hat, will Obama weiter Schulden machen. „Yes, we can!“

Wir gewöhnlichen Irdischen, wir Sparer und Steuerzahler spielen weiter Millionenshow. Welcher Politiker kritisierte seinen aufgeblähten Staatsapparat: „20 machen die Arbeit von acht!“ und forderte als Maxime für seine Beamten: „Die Guten belohnen, die Unfähigen entlassen, die Schlechten bestrafen!“? Mögliche Antworten: a) Angela Merkel, b) Kommissionspräsident Barroso, c) Silvio Berlusconi, d) Kaiser Joseph II. (1741 bis 1790). Ja, richtig geraten! Es war Kaiser Joseph II. – Wir wussten doch, dass das Prinzipien von vorgestern sein müssen. Wenn sich die politischen Gipfelstürmer heute darauf verständigen, Haushaltsdefizite zu verringern, dann ahnen wir, wer da beim Einnehmen (Einkommensteuer), beim Ausgeben (Mehrwertsteuer), beim Haben (Vermögenssteuer) und beim Weitergeben (Erbschaftssteuer) zur Kasse gebeten wird. Spielen wir noch ein wenig Millionenshow! Es könnte unsere letzte Chance sein. Stephan Baier