Glosse: NRW entdeckt das EVA-Prinzip

Von Stefan Rehder

Nein. Das ist keine Glosse über Eva Herman. Heute geht es an dieser Stelle ausnahmsweise politisch korrekt zu. Daher kein Wort über politisch unkorrekte Familienmodelle, in denen Frauen aus Liebe unentgeltlich einen mittelständischen Familienbetrieb leiten, ihren erwerbstätigen Männern den Rücken stärken, sie glauben lassen, das Ruder in der Hand zu haben und obendrein die Hauptlast der Erziehung der gemeinsamen Kinder schultern. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert, auch wenn angesichts des demografischen Wandels niemand weiß, wie kurz dieses ausfallen wird. Von EVA muss dennoch die Rede sein. Denn das erfreut sich unter der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen derzeit wachsender Beliebtheit. Entwickelt hat EVA freilich weder Eva Herman noch die rot-grüne Landesregierung, sondern der Pädagoge Heinz Klippert. Bei ihm steht EVA für „Eigenverantwortliches Arbeiten“. Ursprünglich sollten Lehrer mittels EVA Schülern im Regelunterricht anstelle von Wissen methodische Fertigkeiten wie Eigeninitiative, Zielstrebigkeit, Kommunikations- und Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein vermitteln; all das also, was Kinder in politisch unkorrekten Familienmodellen nebenbei erlernen. Bei EVA soll sich der Lehrer zurücknehmen, statt den Unterricht durch frontale Wissensvermittlung zu dominieren. Inzwischen hat EVA zu einem solch durchschlagenden Erfolg geführt, dass es ganz ohne Lehrer auskommt und das Schulministerium einen Weg gefunden hat, die Unterrichts-Ausfall-Statistik zu frisieren. Wann immer gerade kein Lehrer zu Hand ist, steht jetzt am vielen Schulen einfach EVA auf dem Vertretungsplan. Die Schüler, die trotz des vielen Unterrichtsausfalls nicht auf den Kopf gefallen sind, sondern angesichts der x-ten Rechtschreibreform lediglich orthografisch an Übersicht verloren haben, haben ihre eigene Übersetzung angefertigt: Danach steht EVA für „Eigenlicht vällt's aus“.