Glosse: Möglich, aber sinnlos

Von Bernhard Huber

Seit die OECD unter dem Tarnnamen PISA einen auf Bildungspolitik macht und unsere Bildungslandschaft als Missionsgebiet versteht, vertreibt uns eine Bildungsstudie nach der andern die Langeweile. Eines der immer gleichen Ergebnisse lautet dabei: Wir haben zu wenige Akademiker. Stimmt das? Wenn wir alleine die große Anzahl nicht nur der Bildungs-, sondern sämtlicher Studien mit dem dafür nötigen Personal mit akademischem Hintergrund in Beziehung setzen, regen sich Zweifel. Aus diesem Blickwinkel spricht sogar einiges für die gegenteilige These, dass es zu viele Akademiker gibt. Sicher ist, dass sie, ob zu wenige oder nicht, die Öffentlichkeit ganz schön auf Trab halten. An jeder neuen, den Duft von Schlagzeile verströmenden Studie arbeiten sich die Medien eilig ab. Vom Bildschirmtext über die Print- und Online-Ausgaben der Zeitungen bis in den Talk-Show-Olymp des Fernsehens werden ständig irgendwelche neuen Studien präsentiert.

So war zu erfahren, dass zu flexible Arbeitszeiten und lange Anfahrtswege zum Arbeitsplatz krank machen können. Das Überraschende an dieser Erkenntnis ist nicht, dass sie neu wäre. Das ist sie nicht. In nichtwissenschaftlichen Kreisen zu Hause oder an den Stammtischen ist ein solcher Zusammenhang lange bekannt. Überraschend hingegen ist, dass sie nun mit wissenschaftlichem Pomp und ebensolcher Gloria bestätigt worden ist. Ist sie aber deshalb überflüssig und somit ein Indiz dafür, dass es zu viele Akademiker gibt? Das wäre ein vorschnelles Urteil, das dem Akademiker die Existenzberechtigung abspräche. Doch damit wäre nichts gewonnen, weil an seiner Stelle nur andere das lukrative Geschäft mit den Studien betreiben würden. Da erinnern wir uns lieber an Loriots denkwürdigen Satz über die Hunderasse Mops und folgern: Ein Leben ohne Studien wäre möglich, aber sinnlos.