Glosse: „Heult doch, ihr Memmen!“

Von Stefan Rehder

Es ist ein Skandal. Einer, der Männer eigentlich von der geliebten Couch, auf welcher das starke Geschlecht – mit Bier und Chips bis an die Zähne bewaffnet – so gerne zusieht, wie sich 22 Millionäre 90 Minuten lang um einen Ball streiten, auf die Straße treiben müsste. Denn trotz jahrelanger Bemühungen um eine geschlechtergerechte Sprache kommen die nur grammatikalisch geschlechtsneutralen Gleichstellungsbeauftragten nicht so recht voran. Zwar können Feministinnen heute danach verlangen, dass „man“ ihnen die „Salzstreuerin“ zu ihrem von ihm tölpelhaft verkochten Drei-Minuten-Frühstücksei reicht, ohne Gefahr laufen zu müssen, sich völlig lächerlich zu machen, doch gilt dergleichen auch umgekehrt? Mitnichten! Nicht nur dass „Klugheit“, „Tapferkeit“, „Gerechtigkeit“ und „Mäßigkeit“ – also gleich sämtliche Kardinaltugenden – grammatikalisch nach wie vor allesamt weiblich sind; wer hätte je davon gehört, dass auch irgendwo einmal eine „Ziege zur Gärtnerin“ gemacht worden sei? Doch damit nicht genug. Immer noch gibt es zahlreiche Substantive nur im generischen Femininum und das, obwohl sie Gruppen bezeichnen, der überwiegend oder gar ausschließlich Männer angehören. Was würde „man“ von „frau“ zu hören bekommen, wenn er darauf verwiese, dass „Führungskräfte“ nicht automatisch weiblich sein müssen oder „Burschenschaften“ meistens aus Männern bestehen und auch in der „Garde“ nur selten Frauen dienen? Selbstverständlich: „Heult doch, ihr Memmen!“