Glosse: Grüße aus dem Winterloch

Dass ein Loch da ist, wo etwas nicht ist, wissen wir seit Kurt Tucholsky. Diese Definition dürfte sich der Erfahrung verdanken, die jeder machen kann, der erstens eine Grube gräbt und dann zweitens nicht aufpasst, wo er hintritt. Aus politischer Perspektive sprechen wir von einem Loch, wenn unausgegorene Ideen, Vor- und Ratschläge ohne sonderliche Prüfung an die Öffentlichkeit durchgereicht werden. In der Regel geschieht das im Sommerloch. Das hat dank Andrea Nahles und Phillipp Rösler nun Gesellschaft bekommen durch das Winterloch. Die beiden haben es zum Jahreswechsel sogar bis in die Laufbänder von n-tv geschafft. Andrea Nahles hat das Winterloch dazu genutzt, mit der Forderung nach einer 30-Stunden-Woche für Eltern auf sich aufmerksam zu machen. Dabei hat sie bis vor kurzem noch das Betreuungsgeld, das eine Reduzierung der Erwerbsarbeit für die Eltern flankieren soll, als bildungspolitischen Wahnsinn bezeichnet und mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht. Damals sprach wohl die SPD-Generalsekretärin aus ihr, jetzt die Mutter?

Dass ein Loch, ob Sommer- oder Winter-, für manchen Unsinn offen ist, lässt sich auch an Philipp Rösler zeigen. Ihm gelang mit der Forderung nach (noch) mehr Privatisierung ein schöner PR-Coup. Dabei besticht diese Forderung weniger durch Originalität, sondern angesichts der noch immer spürbaren Finanzkrise mehr durch ihre Dreistigkeit. In beiden Fällen hat die Nachrichtenflaute im Winterloch für ein paar Schlagzeilen gesorgt. Bevor es uns weiter fröstelt, ist es gut, dass das Winterloch schon wieder zu Ende ist. Bernhard Huber