Glosse: Freundschaft mit einem Privatier

Lang hat es gedauert. Nun hat auch Barack Obama seine eigene Facebook-Seite. Unter „President Obama“ sieht man den 44. US-Präsidenten, wie er entspannt an der Reling eines Schiffes lehnt. Die Botschaft ist klar: Bald bin ich Privatier, was soll ich mich da noch groß um die Politik kümmern? Stattdessen sieht man eine digitale Rückschau auf die größten Lebensleistungen: die gelungene Geburt in Honolulu am 4. August 1961, die erfolgreiche Hochzeit mit Michelle am 3. Oktober 1992 in Chicago, die unvergessliche Amtseinführung als Senator von Illinois am 3. Januar 2005, die Maßstäbe setzende Amtseinführung als US-Präsident am 20. Januar 2009 und schließlich der unübertroffene Amtseid zur zweiten Kadenz am 20. Januar 2013. Welcher US-Präsident kann ähnliche Erfolge nachweisen? In seinem ersten Posting sieht man Obama, wie er lässig durch den Park des Weißen Hauses läuft und sich ein paar besorgte Gedanken zum Klimawandel macht. Dazu drückt der 54-jährige Obama die Hoffnung aus, dass er mit den Facebook-Benutzern „wirkliche Gespräche“ über die wichtigsten Themen führen kann, welche Amerika betreffen. Bei Facebook könne man „direkt“ von ihm etwas hören und mit ihm „eigene Gedanken und Geschichten“ teilen. Ist das nicht schön? Einziger Wermutstropfen: Freundschaftsanfragen sind bei „President Obama“ nicht möglich – nur „gefällt mir“ kann man klicken. Aber ganz realistisch gefragt: Welcher berufstätige Amerikaner hätte auch schon die Zeit, sich den Luxus einer solchen Freundschaft zu leisten? Stefan Meetschen