Glosse: Endlich: „Doktor für Alle“

Nachdem sich der Medienrummel gelegt hat, wollen wir uns noch einmal in Ruhe mit dem „Doktor“ von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen befassen: Sie darf ihn sich weiterhin an den Hut stecken. Sie hat in ihre „Diss“ zwar jede Menge Fehler eingebaut, sich aber keines Fehlverhaltens schuldig gemacht. Sagt die zuständige Uni. Plagiat hin oder her: Doktor bleibt Doktor. Hauptsache, es liegt keine vorsätzliche Täuschung vor. Selbst wenn die Fehler später publik werden wie jetzt bei unserer Allesministerin, haftet der Doktor an einem wie eine Operationsnarbe. Man muss nur unterscheiden, ob eine Promotion objektiv oder subjektiv mangelhaft ist. Fehler sind gut, Fehlverhalten ist schlecht. Jetzt muss die Bildungselite ihr eigentliches Talent als Schwarmintelligenz nicht mehr länger hinter dicken Unimauern verbergen, sondern kann mit der industriellen Fertigung von Promotionsabschlüssen beginnen. Wir werden die Maßstäbe überdenken müssen, die wir bisher an unsere Exzellenzuniversitäten angelegt haben. Denn das Fleiß-Leistungsverhältnis wird neu austariert werden müssen, weil es künftig nur noch darauf ankommt, ob jemand etwas erreicht, und nicht mehr mit welchen zweifelhaften Methoden. Deshalb bleibt Ursula von der Leyen Frau Doktor – nicht obwohl, sondern weil ihre Promotion fehlerhaft ist. So steht auch die Vernunftlogik vor neuen Herausforderungen. Die gesamtgesellschaftliche Konsequenz, die daraus für die „Bildungsrepublik Deutschland“ (Angela Merkel) zu ziehen ist, heißt „Doktor für alle“. Noch nie war Bildung so demokratisch wie heute. Damit hätte das ausgediente Motto „Arbeit für alle“ endlich einen würdigen und zeitgemäßen Nachfolger gefunden. Mit dem Doktor verdient man ja auch mehr als mit Arbeit. Sogar richtig Karriere kann man mit ihm machen, obwohl er auf Visitenkarten bescheiden wenig Platz einnimmt. Bernhard Huber