Glosse: Dr. hc. zu Guttenberg

Von Johannes Seibel

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin – da klingt der Name von Veronika Saß, der Tochter Edmund Stoibers, fast schon ein wenig zu unspektakulär, um in die Ruhmeshalle der Doktoren-Plagiateure aufgenommen zu werden. Wurde sie aber dennoch in dieser Woche. Also wieder eine(r), die dabei erwischt wurden, es mit der wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht nicht ganz genau genommen zu haben.

Da wir selbst nicht promoviert sind, können wir das Ganze auch etwas entspannter sehen als diejenigen mit dem „Dr.“ vorm Namen. Wir tragen unseren akademischen Ehrentitel nur hinter dem Namen, und das nicht öffentlich. Magister Artium, M.A. – mich auch.

Nun, felix austria, du glückliches Österreich, du hast es besser, ist man versucht zu sagen. Dort ist man weniger umständehalber schon einmal die Frau oder Herr Professor, auch wenn es zum habilitieren nicht gereicht hat. Das ist dann in Österreich umgangssprachlich zuweilen eher ein Ehrentitel, nicht ein deutscher Leistungsnachweis jahrzehntelanger Fakultätenbuckelei mit Stempel und summa cum laude.

Vielleicht aber führt auch das Stichwort Ehren und Ehrenmann und Ehrenwort in die richtige Richtung: Ließe sich denn der Rechtsfrieden in den deutschen Landen nicht wiederherstellen, indem man die überforderten zu Guttenberg, Koch-Mehrin und – nun ja, wenn' sein muss, auch die Saß – kurzerhand zu Doktoren/innen ehrenhalber ernennt? Dr. hc. Karl-Theodor zu Guttenberg oder Dr. hc. Silvana Koch-Mehrin, oder Dr. hc. Veronika Saß. Da wüsste jeder auf den ersten Blick, dass man den Herrn und die zwei Damen nicht so ernst nehmen braucht, ohne sie sogleich staatstragend an den Pranger stellen zu müssen. Das hätte was von Lebensart.