Glosse: Die deutschen Pleitespieler

Von Stefan Meetschen

Es gibt Wichtigeres als Fußball, zugegeben. Gerade in diesen Tagen, in welchen nicht wenige Katholiken irritiert sind und nicht mehr recht wissen, wo sie selbst oder ihre Kirche stehen, wohin die weitere Reise gehen soll. Soviel internes, nach außen getragenes Chaos hat die erste Synodenwoche ausgelöst. Das Zusammenspiel der Kardinäle und Bischöfe wirkt empfindlich gestört. Wohin so etwas führen kann, zeigt uns in diesen Tagen leider die deutsche Nationalmannschaft, die als frisch gekürter Weltmeister bei der EM-Qualifikation bislang unterirdisch spielt. Nur ein Punkt aus den beiden letzten Spielen gegen Polen und Irland. Warum nur? Natürlich – seit dem Rücktritt des langjährigen Kapitäns fehlt ein Spieler, der führt und Ordnung in den Spielverlauf bringt. Durch seine Aura, durch Erfahrung und Übersicht. Als verlängerter Arm des Trainers. Außerdem bemerkt man die schlechte Stimmung unter den Spielern. Man kritisiert sich lautstark auf dem Platz und schiebt dem anderen die Schuld zu. Dann die Schwächen beim Torabschluss. Es geht keine wirkliche Gefahr vom deutschen Spiel aus, man scheint sich dem Gegner mit vielen Versuchen nur anpassen zu wollen. Als würde ein Unentschieden genügen. Bei jedem Spiel geht es aber, wie stets, um den Sieg. Schließlich beginnt nach der Qualifikation das wahre Turnier. Dafür dienen die verschiedenen Talente. Der eine kann dribbeln, der andere flanken. Einer ist kopfballstark und ein anderer ein Weitschuss-Genie. Wer gegen das Team spielt, schießt sich selbst und den Fans ein Eigentor.