Gastkommentar: Warum eigentlich nicht?

Warum eigentlich nicht? Diese Frage stellt sich nicht nur Familie Wunderlich, wenn es um die Erlaubnis zum Homeschooling geht. Die beiden Eltern Dirk und Petra sowie ihre vier Kinder wandten sich diese Woche an die „Große Kammer“ und somit höchste Instanz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Zu Beginn des Jahres hatten sie ein negatives Urteil erhalten: Die deutschen Behörden hätten das grundlegende Recht der Wunderlichs auf Privatsphäre und Familienleben im Jahr 2013 nicht verletzt.

Damals standen mehr als 30 Polizisten und Sozialarbeiter mit Rammbock bewaffnet vor der Tür der hessischen Familie. Die Eltern wollten ihre Kinder zu Hause unterrichten, was in Deutschland illegal ist. Eine echte Ausnahme in Europa. So gut wie alle anderen Länder erlauben es. Die Kinder wurden gegen ihren Willen für mehrere Wochen in ein Heim gebracht. Rasch war jedoch klar, dass sie gesundheitlich und schulisch anderen in ihrem Alter in nichts nachstanden. Mit der Bildungsleistung der Schule nicht einverstanden, nahm die christliche Familie die Ausbildung ihrer Kinder selbst in die Hand. Damit verstieß sie gegen das deutsche Schulgesetz, welches vor einhundert Jahren im Rahmen der Weimarer Verfassung die Bildung für den Staat monopolisierte. Als Reaktion auf das erste Wunderlich Urteil urteilte „Die Welt“ in einem Kommentar, dass es an der Zeit sei, dieses Monopol zu überdenken. Auch Goethe wäre zu Hause unterrichtet worden.

Der englische Anwalt, der die Wunderlichs vor dem Menschenrechtsgerichtshof vertritt, sieht internationales Recht klar aufseiten seiner Klienten. Eltern hätten das Recht, die Bildung ihrer Kinder zu lenken, so Robert Clarke. Er hoffe, dass dies auch das europäische Höchstgericht letzten Endes bestätigten wird.

Der Autor leitet die Öffentlichkeitsarbeit der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International in Wien.