Gastkommentar: Menschliches Leben ist unverfügbar

Von Bernd-M. Wehner

„Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“. So lautet in diesem Jahr das Motto der „Woche für das Leben“. Treffender könnte die Thematik kaum ausgedrückt werden. Einerseits mindern fortschreitende medizinisch-technische Möglichkeiten zum Beispiel die Risiken bei Schwangerschaften, andererseits bringen die Ausweitungen der genetischen Testmethoden die Eltern in immer schwierigere Entscheidungssituationen. Stichworte wie Reproduktionsmedizin, Präimplantations- oder Pränataldiagnostik zeigen die Bandbreite der medizinischen Möglichkeiten. Gleichzeitig werden die ethischen Herausforderungen für alle Beteiligten immer komplizierter. Damit stellt sich immer dringlicher die Frage: Darf der Mensch alles, was machbar ist oder gibt es hier natürliche beziehungsweise ethische Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen? Christlich ausgedrückt: Darf der Mensch sich zum Herrn über Leben und Tod machen? Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat dies in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22.11.2011 treffend formuliert, wenn er feststellte: „Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört (...).“ Die entscheidende Frage bei all diesen Techniken und Verfahren, die mit Selektion und selektiver Vernichtung menschlichen Lebens verbunden sein muss, lautet daher: Wird hier das Recht auf Leben geschützt oder wird es – aus welchen Gründen auch immer – zur Disposition gestellt?

Menschenwürde und insbesondere ihre Verletzung müssen von daher Prüfstein allen reproduktionsmedizinischen Fortschritts sein. Für den KKV gilt: Menschliches Leben ist unverfügbar und muss ohne Wenn und Aber vom Beginn der Befruchtung bis zum natürlichen Ende geschützt werden. Die Tatsache, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat, gibt ihm eine unantastbare Würde und zwar unabhängig von seinem Entwicklungs-, Gesundheits- oder Vernunftzustand. Damit stehen dem Menschen unbedingte Rechte und Pflichten zu, die ihm weder durch politische Entscheidungen noch durch ökonomische Zwänge abgesprochen werden können. Besser kann der Schutz des Menschen nicht begründet werden.

Der Autor ist Bundesvorsitzender des Verbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV)