Franziskus generell gegen die Todesstrafe

„Gebot ,Du sollst nicht töten‘ hat absoluten Wert und gilt für den Unschuldigen wie den Schuldigen“, sagt der Papst

Rom/Oslo (DT/RV/KAP) Die Todesstrafe ist keine Form der Gerechtigkeit, sondern der Folter, und selbst Verbrecher haben ein Recht auf ihr Leben. Mit solchen Worten wandte sich Papst Franziskus am Dienstagabend in einer Videobotschaft an die Teilnehmer des sechsten Weltkongresses gegen die Todesstrafe, der vom 21. bis 23. Juni in Oslo stattfindet. Etwa 1 300 Teilnehmer aus 80 Ländern und 140 Organisationen sowie rund 200 Diplomaten und Regierungsvertreter nehmen an dem Forum teil, das sich für eine weltweite Abschaffung der Todesstrafe einsetzt.

Wörtlich sagte Papst Franziskus: „Ein Hoffnungszeichen ist es, dass in der öffentlichen Meinung ein wachsender Widerstand gegen die Todesstrafe spürbar ist, auch als Mittel von legitimer sozialer Verteidigung. In der Tat ist die Todesstrafe heutzutage inakzeptabel, egal wie schwerwiegend das Verbrechen der verurteilten Person ist. Sie ist ein Angriff auf die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens und die Würde der menschlichen Person. Und gleichzeitig widerspricht sie Gottes Plänen für die Individuen und die Gesellschaft sowie seiner barmherzigen Gerechtigkeit.“

Verstoß gegen das göttliche Gesetz

Die Todesstrafe unterläuft nach Auffassung des Papstes den rechten Sinn von Strafe, nämlich die Rehabilitierung. Außerdem sei sie ein Verstoß gegen göttliches Gesetz. Das fünfte Gebot, „Du sollst nicht töten“, gelte nicht nur für die Schuldlosen, sondern auch für die Schuldigen, betonte Franziskus. Das außerordentliche Jahr der Barmherzigkeit sei eine günstige Gelegenheit, das Bewusstsein für die Unantastbarkeit menschlichen Lebens besser herauszubilden.

Franziskus meinte überdies in seiner Botschaft: „Heute möchte ich alle dazu ermuntern, nicht nur für die Abschaffung der Todesstrafe zu arbeiten, sondern auch für die Verbesserung der Zustände in Gefängnissen, damit die Menschenwürde der Häftlinge gewahrt wird. ,Gerechtigkeit üben' heißt nicht, Strafe für die eigene Genugtuung zu erwirken, sondern sicherzustellen, dass der Grundsatz jeder Strafe die Rehabilitierung des Täters bedeutet.“ Mehrfach wies Franziskus durch konkrete Gesten auf die besorgniserregenden Zustände in Haftanstalten hin. Die Verbesserung der Haftbedingungen und die Förderung der Wiedereingliederung von Tätern in die Gesellschaft liegen ihm am Herzen.

Immer wieder warb der Papst für die Abschaffung der Todesstrafe, die dem göttlichen Plan für den Einzelnen und die Gesellschaft entgegenstehe. Franziskus hatte sich zuletzt bei einer Juristen-Tagung im Vatikan gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Dabei erklärte er frühere Rechtfertigungsversuche für überholt, die mit der Aussicht auf ein Leben nach dem Tod argumentierten. „Die Zeiten haben sich geändert, und wir können nicht so weitermachen“, so der Papst wörtlich. Man müsse „Gott den Augenblick wählen lassen“. In seiner Botschaft meinte er jetzt: „Diese Frage muss innerhalb des größeren Rahmens einer Strafgesetzgebung behandelt werden, die offen ist für eine Wiedereingliederung von Tätern in die Gesellschaft. Es gibt keine angemessene Strafe ohne Hoffnung! Strafe als Selbstzweck, ohne Raum für Hoffnung zu lassen, ist eine Form der Folter, nicht der Strafe.“