Familie ist mehr denn je bedroht

Europas Bischöfe beschäftigen sich bei ihrer Vollversammlung mit der demographischen Frage und den Bedrohungen des Lebens

Zagreb/Berlin (DT/KNA) Zu mehr Engagement bei der Förderung der Familie ruft der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) auf. Es brauche nicht nur dringend konkrete politische Maßnahmen und Gesetze zugunsten von Familien, erklärte der CCEE-Vorsitzende und ungarische Primas, Kardinal Peter Erdö, am Donnerstag in Zagreb. Nötig sei vor allem anderen eine neue „Begeisterung“ für die Familie als der Keimzelle der Gesellschaft.

Bei der seit Donnerstag tagenden Vollversammlung des Bischofsrates zeigte sich Kardinal Erdö „ernstlich besorgt“ über die Bedrohungen des Lebens vor allem in seinen verletzlichsten Stadien, an seinem Anfang und an seinem Ende.

„Wir müssen das Phänomen zur Kenntnis nehmen, dass in unseren Tagen sogar das Konzept von Familie überhaupt zur Diskussion steht“, so der Kardinal wörtlich. Dabei sei der Zustand der Familie ein Indikator für den Zustand einer ganzen Gesellschaft. In einer egoistischen und relativistischen Gesellschaft, die sich nur am „Feeling“ und am momentanen materiellen Wohlergehen orientiert, sei die Familie heute mehr denn je bedroht, warnte der Erzbischof von Esztergom-Budapest.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Beratungen der Episkopatsvorsitzenden steht das Thema „Demografie und Familie in Europa“. Zum demografischen Problem in Europa sagte Kardinal Erdö, dem Rückgang der Geburtenrate und der „fortschreitenden Überalterung der Bevölkerung“ in vielen Ländern Europas müsse man durch eine Politik begegnen, die den echten Bedürfnissen von Familien und Müttern entspreche und ihnen überhaupt erst ermögliche, Kinder zu haben. Das moderne urbane Leben stehe einer großen Familie als ein echtes Hindernis entgegen. Die materiellen Probleme von Paaren und Familien seien durch die internationale Wirtschaftskrise vielfach noch verschärft worden.

Die Vorsitzenden der europäischen Bischofskonferenzen tagen noch bis Sonntag in Zagreb. An den Beratungen nehmen zwölf Kardinäle teil. Deutschland ist mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sowie mit seinem Stellvertreter, dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, vertreten. Aus Österreich nimmt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn teil. Kroatiens Staatspräsident Ivo Josipovic empfing die Teilnehmer am Freitag. Ministerpräsidentin Jadranka Kosor begrüßte sie bereits am Donnerstag.

Die deutsche Bundesregierung hat am Freitag eine Gleichstellung eingetragener Partnerschaften mit Ehen beim Einkommensteuerrecht abgelehnt. Das betrifft auch das Ehegattensplitting. Das Bundesverfassungsgericht habe zwar eine Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und Ehen im Erbschaftssteuerrecht verlangt. Dieses Urteil lasse sich aber nicht auf das Einkommensteuerrecht anwenden, erklärte die Regierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion, wie die Bundestags-Pressestelle am Freitag in Berlin mitteilte.

Nach dem Urteil sei eine unterschiedliche Behandlung von Lebenspartnerschaften und Ehen auch im Steuerrecht unter Berufung auf den besonderen grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie bei Vorliegen „hinreichend gewichtiger Differenzierungsgründe“ auch weiterhin verfassungsrechtlich zulässig, so die Regierung. Beim Ehegattensplitting könnte die Förderung der Ehe gerade mit Blick auf ihre „bleibende Bedeutung als typische Grundlage der Familie mit Kindern“ ein solcher Differenzierungsgrund sein. Die Regierung verwies auch auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wonach 90 Prozent des Volumens beim Splitting auf Ehepaare mit Kindern entfalle. Nach jüngsten Angaben der Statistiker gibt es in Deutschland 18,3 Millionen Ehepaare. Die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften beträgt 19 000.