Fällt das PID-Verbot in der Schweiz?

Eidgenossen sollen über Verfassungsänderung abstimmen – Kritiker befürchten Anstieg „überzähliger“ Embryonen. Von Stefan Rehder

Bern (DT) Am 14. Juni sind die Schweizer aufgerufen, mittels Volksabstimmung über die von Regierung und Parlament gewünschte Aufhebung des Verbots der Präimplantationsdiagnostik (PID) zu befinden. Bei der PID werden im Labor erzeugte Embryonen vor der Übertragung in der Uterus der Frau auf genetische Auffälligkeiten untersucht. Ziel ist es, nur solche Embryonen auf die Frau zu übertragen, die genetisch unauffällig sind. Genetisch auffällige Embryonen werden, wie es im Fachjargon der Reproduktionsmediziner heißt, entweder gleich „verworfen“ oder aber der Forschung zur Verfügung gestellt.

Für die Aufhebung des Verbots müsste sowohl das 2001 in Kraft getretene „Bundesgesetz über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung“, als auch der Artikel 119 der Schweizer Bundesverfassung geändert werden. Dessen letzter Teilsatz lautet bislang: „es dürfen nur so viele menschliche Eizellen außerhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden, als ihr sofort eingepflanzt werden können“. Nach der derzeitigen Praxis sind das maximal drei. Sollte eine Mehrheit der Schweizer bei der Volksabstimmung in vier Wochen für die Änderung der Verfassung votieren, würde der dann revidierte Passus lauten: „es dürfen nur so viele menschliche Eizellen außerhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden, als für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind“. Üblicherweise werden bei einer künstlichen Befruchtung mit anschließender PID zunächst mindestens sieben Embryonen erzeugt. Anschließend wird nur derjenige Embryo in die Gebärmutter verbracht, der keinerlei genetische Auffälligkeiten besitzt und im Vergleich mit den anderen genetisch unauffälligen nach morphologischen Gesichtspunkten die größte Aussicht auf eine erfolgreiche Einnistung bietet. Unter den nicht ausgesonderten Embryonen findet also gewissermaßen auch noch ein Embryonen-Ranking statt. Während die Große Kammer des Schweizer Parlaments, der Nationalrat, ursprünglich überhaupt keine Begrenzung für die Zahl der Embryonen vorsehen wollte, die für die Durchführung einer PID im Labor erzeugt werden, wollte die Kleine Kammer, der Ständerat, diese ursprünglich auf acht begrenzen. Nach dem gefundenen Kompromiss dürften, sollten die Schweizer der von Regierung und Parlament gewünschten Verfassungsänderung zustimmen, Reproduktionsmediziner künftig bis zu zwölf Embryonen erzeugen.

Befürworter des bislang geltenden PID-Verbots in der Schweiz fürchten daher nicht nur einen Paradigmenwechsel hinsichtlicher der Akzeptanz von und des Umgangs mit Menschen mit genetisch vererbbaren Krankheiten, sondern auch einen massiven Anstieg sogenannter „überzähliger Embryonen“. Neben der Schweizerischen Bischofskonferenz lehnen auch der Evangelische Kirchenbund SEK und die Schweizerische Evangelische Allianz SEA, sowie zahlreiche Ärztevereinigungen und Lebensrechtsgruppen eine Änderung der Bundesverfassung ab, darunter die Vereinigung Katholischer Ärzte Schweiz, die Hippokratische Gesellschaft und die Schweizerische Gesellschaft für Bioethik.