Würzburg

"Es gibt Kultusfreiheit"

Paul Hinder ist als Bischof für die Christen in Vereinigten Arabischen Emiraten, Jemen und Oman zuständig. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen mit christlich-muslimischem Dialog.

Weihbischof Paul Hinder
Der Schweizer Paul Hinder ist seit 2003 Weihbischof des Apostolischen Vikariats Arabien. Foto: KNA

Exzellenz, worin besteht Ihre Arbeit?

Meine Arbeit geschieht genauso wie in einem normalen Bistum. Die Verwaltung ist aber sehr viel kleiner und einfacher als in Deutschland. Wir haben eine schlanke Struktur, weil wir nicht viele Einrichtungen haben. Die primäre Aufgabe ist die Seelsorge an den Gastarbeitern.

Ich bin nämlich nicht für einheimische Christen zuständig, weil es diese hier nicht gibt, sondern ausschließlich für katholische Arbeitskräfte aus dem Ausland. Sie kommen zum großen Teil aus den Philippinen, einem vorherrschend katholischen Land, aber auch aus Südindien. Sie arbeiten in den Emiraten, um Geld für ihre Familien zu Hause zu verdienen.

"Die Gottesdienste müssen wegen
des großen Andrangs in gewissen
Pfarreien im Stundentakt stattfinden"

Die pastorale Versorgung dieser Christen geschieht in insgesamt neun Gemeinden. Knapp 70 Priester und Hilfspriester kümmern sich um sie. Unsere Haupt-Gottesdienste feiern wir nicht nur am Sonntag, sondern auch schon am Freitag und am Samstag wegen der muslimischen Wochenordnung. Die Gottesdienste müssen wegen des großen Andrangs in gewissen Pfarreien im Stundentakt stattfinden. Unsere Gläubigen sind sehr religiös. Deshalb haben wir mit der Finanzierung unserer Arbeit keine Probleme. Alles geschieht auf den Kirchengeländen, denn die Regierung erlaubt uns die kirchliche Arbeit nur dort.

Also keine Religionsfreiheit ?

Ich spreche deshalb von Kultusfreiheit. Und da redet uns niemand hinein. Aber außerhalb der Kirchengelände dürfen keine öffentlichen kirchlichen Handlungen vorgenommen werden. Der Islam ist in den Emiraten Staatsreligion.

Anfang Februar dieses Jahres hatten Sie in Abu Dhabi ein Großereignis der ganz besonderen Art, den Besuch von Papst Franziskus. Was bedeutet dieser Besuch für Ihre kirchliche Arbeit?

Man kann seine Bedeutung kaum überschätzen. Zum ersten öffentlichen Gottesdienst außerhalb unseres kirchlichen Bereiches im größten Sportstadium von Abu Dhabi kamen aus allen Emiraten ungefähr 130 000 Gläubige zusammen.

"Der Besuch des Papstes hat
sie in ihrem Glauben gestärkt
und mit Freude erfüllt"

Der Besuch des Papstes hat sie in ihrem Glauben gestärkt und mit Freude erfüllt. Ihnen wurde aber auch gezeigt, dass die Regierung der Emirate ihnen, den katholischen Gläubigen, wohlwollend gegenübersteht und sie nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als Menschen in ihrer religiösen und kulturellen Eigenart akzeptiert.

Das Jahr 2019 wurde zudem vom Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Zayed, zum Jahr der Toleranz erklärt. Das Toleranzprojekt spielt schon seit seit einigen Jahren eine sehr große Rolle. Es geht dabei um das friedliche und respektvolle Zusammenleben aller Menschen in Land, in dem Menschen mit über 200 Nationalitäten leben.

Welche Bedeutung hat die katholisch-muslimische Erklärung, die während des Besuches unterzeichnet wurde?

"Fanatismus und Extremismus
missbrauchen Religion"

Ich halte es für sehr wichtig. Der höchste Repräsentant der römisch-katholischen Kirche und eine herausragende Stimme des sunnitischen Islams, Papst Franziskus und der Groß-Imam der islamischen al Azhar Universität in Kairo, al Tayyeb, haben die wichtigsten Gemeinsamkeiten ihrer Religionen herausgearbeitet. Es geht um die Verehrung Gottes als Schöpfer aller Menschen und um die Friedensorientierung ihres Glaubens, in deutlicher Absage an jegliche Gewalt. Fanatismus und Extremismus missbrauchen Religion.

Das sind sehr deutliche Aussagen. Allerdings bedürfen sie der Umsetzung. Und hier engagiert sich insbesondere die Regierung von Abu Dhabi. Sie versteht ihr Emirat seit einigen Jahren als Leuchtturm weltweiter Toleranzpolitik. Zu diesem Zweck bedient sie sich jetzt des Dokuments über die menschliche Brüderlichkeit und hat bereits begonnen, es außerhalb der Emirate bekannt zu machen.

Um seine Verbreitung effektiv voranzubringen wurde am 19. August von Kronprinz Mohammed bin Zayed das „Hohe Komitee zur Umsetzung des Dokuments zur menschlichen Brüderlichkeit“ ins Leben gerufen. Papst Franziskus hat sich sehr lobend über die Gründung dieses Komitees geäußert und ich schließe mich diesem Lob an.