Die Ideologin

Wie sehr Cecile Richards als Symbolfigur der Abtreibungs-Lobby gilt. Von Sebastian Sasse

Cecile Richards

Die Einschätzung amerikanischer Politik fällt Beobachtern aus Deutschland schwer. Es gibt in den USA Rechte und Linke, Konservative und Liberale. Aber doch scheinen die Begriffe etwas anderes zu bedeuten als in Deutschland. Die parteipolitischen Kategorien, die hier gelten, können nicht eins zu eins auf die Vereinigten Staaten übertragen werden. Vor allem deswegen wurde der letzte Präsidentschaftswahlkampf hierzulande vor allem als Polarisierung wahrgenommen. Tatsächlich prallten hier aber nur zwei politische Lager aufeinander, die sich nicht scheuten, ihre Gegensätze deutlich zu benennen und sich dabei nichts schenkten. Dies zeigt sich vor allem an der Frage des Lebensschutzes.

Wenn man wissen will, wie das Hillary Clinton-Lager hier tickt und warum auf der anderen Seite das Trump-Lager auf dessen Exponenten so aggressiv reagiert, lohnt der Blick auf Cecile Richards, die Präsidentin von Planned Parenthood, einer der wichtigsten Lobbyvereinigungen für Abtreibung in den USA. Die 60-Jährige stammt aus einer Art Demokraten-Dynastie. Ihre Mutter Ann, in den 90er Jahren Gouverneurin von Texas, war eine politische Vorkämpferin des Feminismus. Vater David, Rechtsanwalt, war ebenfalls politisch aktiv. Cecile Richards ist in gewisser Weise die Personifikation dessen, was für Republikaner das links-liberale Establishment ausmacht.

Nichts zeigt dies deutlicher als ihr Engagement für die sogenannte „Pro Choice“-Bewegung, also jene Aktivisten, die für die Wahlfreiheit von Frauen bei Abtreibungen eintreten. Als Präsidentin von Planned Parenthood stand sie seit 2006 einer Organisation vor, die für alles das steht, wogegen die amerikanische Lebensschutzbewegung kämpft. Der Verein bietet in rund 650 Kliniken in den USA, so wie er sagt, medizinische Dienstleistungen an. Dazu zählen auch Abtreibungen.

Wie sehr Richards als Symbolfigur der Abtreibungs-Lobby gilt, zeigten die Reaktionen als nun bekannt wurde, dass sie plane, ihr Amt aufzugeben. Sofort reagierten Lebensschützer in den Sozialen Netzwerken: Über 3,8 Millionen Ungeborene, twitterten sie ihre Schätzungen, seien in Richards Amtszeit abgetrieben worden.

Wenn Cecile Richards nun tatsächlich ihr Amt aufgeben sollte, dann steht dahinter sicherlich kein Wechsel ihrer Grundhaltung. Eher schon will sie vielleicht einfach nicht mehr so sehr im Fokus ihrer Gegner stehen. Zuletzt wurde Planned Parenthood vorgeworfen, mit fetalem Gewebe zu handeln. Diese Vorwürfe, obwohl oft von den Republikanern im Wahlkampf wiederholt, konnten allerdings bis jetzt nie bewiesen werden.