Die Bibel wird modernisiert

Neue Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift in Fulda vorgestellt – Erste Ausgaben im Dezember erhältlich. Von Regina Einig

Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
Die neue Einheitsübersetzung der Bibel ist moderner und den heutigen Sprachgewohnheiten angepasst. Foto: dpa
Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
Die neue Einheitsübersetzung der Bibel ist moderner und den heutigen Sprachgewohnheiten angepasst. Foto: dpa

Fulda (DT) Die Katholiken im deutschsprachigen Raum bekommen eine neue Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Zum Nikolaustag sollen die ersten Exemplare im Buchhandel erhältlich sein. Wie der Verlag Katholisches Bibelwerk in Fulda mitteilte, umfasst das Angebot ab Anfang 2017 verschiedene Ausgaben in unterschiedlicher Gestaltung und Preiskategorie in einer Startauflage von etwa 100 000 Exemplaren. Die preiswerteste Ausgabe wird weniger als zehn Euro kosten. Gut 35 Jahre nach Erscheinen der bis dato gebräuchlichen Einheitsübersetzung wurde ihre revidierte Fassung am Dienstag während der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellt.

„Die Bibelwissenschaften schlafen nicht“, begründete der emeritierte Erfurter Bischof Joachim Wanke, langjähriger Vorsitzender des Leitungsgremiums für die Revision der Einheitsübersetzung die Entscheidung der Bischofskonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie der Bischöfe von Straßburg, Lüttich und Bozen-Brixen, eine Überarbeitung der Einheitsübersetzung in Angriff zu nehmen. Gleichwohl seien die Änderungen „moderat“ ausgefallen – „unter möglichst weitgehender Wahrung des Textbestands“.

Irritationen hatte im Vorfeld der Buchvorstellung die Neufassung der Jesajastelle zur Jungfrauengeburt hervorgerufen: Hieß es in der bisherigen Einheitsübersetzung bei Jesaja 7,14: „Seht die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären“, so lautet die revidierte Fassung: „Siehe die Jungfrau hat empfangen“. Beim Evangelisten Matthäus 1,23 lautet das Zitat „Die Jungfrau wird ein Kind empfangen“. Auf die neugefasste Jesajastelle angesprochen, erklärte Wanke: „Die Jungfrauengeburt ist da keineswegs fotokopiert mit Blick auf die Zukunft. Vielleicht hat der Prophet an das Königskind gedacht als Verheißungszeichen“. Andere Klangfarben lassen sich bei anderen alttestamentlichen Texten feststellen. Adam hat nun statt einer „Hilfe, die ihm entspricht“, eine „ebenbürtige Hilfe“. Der Gottesname im Buch Exodus 3,14 wird mit „Ich bin, der ich bin“ bezeichnet und nicht mehr mit „Ich bin der ich-bin-da“. Führte der Weg der Frevler im ersten Psalm bisher in den Abgrund, so „verliert“ er sich in der revidierten Übersetzung.

Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Urtexten wird begründet, dass der Apostel Paulus im Römerbrief 16, 7 statt wie bisher zweier Männer namens Andronikus und Junias das Ehepaar Andronikus und Junia grüßen lässt und sie als Apostel bezeichnet. Andere Änderungen sind heutigen Sprachgewohnheiten geschuldet. So wird die griechische Anrede „adelphoi“ (Brüder) in den Apostelbriefen in der neuen Übersetzung, wo auch Frauen angesprochen werden, mit „Brüder und Schwestern“ wiedergegeben. Auch vollbringt Jesus in der neuen Einheitsübersetzung „Machttaten“ statt „Wunder“. Eine stärkere Annäherung an die jüdische Theologie und Frömmigkeit zeigt sich bei der Übersetzung des Namens Gottes, der nach jüdischem Brauch aus Ehrfurcht weder ausgesprochen noch geschrieben werden darf. Statt des hebräischen Begriffs „Jahwe“ verwendet die Einheitsübersetzung nun die Vokabel „HERR“ in Großbuchstaben.

Sprachlich variantenreicher wird die Übersetzung bei der Übertragung von Adjektiven. An die Stelle des einstigen Modewortes „betroffen“ (Matthäus 26, 22, Markus 1, 22, Lukas 2, 48), das heute eher abgedroschen klingt, spricht die überarbeitete Einheitsübersetzung von „traurig“ oder „voll Staunen“. Etwa zwei Jahre nahmen die verschiedenen kirchlichen Prüf- und Genehmigungsverfahren in Anspruch, die Voraussetzung sind für die künftige Verwendung der biblischen Texte der neuen Einheitsübersetzung in der Liturgie. Der Vorsitzende der Liturgiekommission, Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann, kündigte an, man werde nach und nach die liturgischen Bücher mit der neuen biblischen Textfassung ausstatten. Begonnen werden soll mit den Mess-Lektionaren. Mit dem ersten überarbeiteten Messlektionar kann Bischof Hofmann zufolge 2018 zum Lesejahr B gerechnet werden. Mit Blick auf die unterschiedlichen im Gebrauch befindlichen Stundenbücher wie beispielsweise die in benediktinischen Klöstern häufig verwendete Münsterschwarzacher Übersetzung erklärte Bischof Hofmann gegenüber dieser Zeitung: „Solche Eigentraditionen haben ihre Berechtigung. Man soll das, was gewachsen ist, jetzt nicht einfach abschneiden. Auf der anderen Seite ist aber diese revidierte Einheitsübersetzung so gut, dass ich mir denken kann, dass sie neues Interesse in Klöstern finden wird.“ Bei ökumenischen Gottesdiensten gibt es nach wie vor kein festes Prinzip für die Wahl der Bibelübersetzung, so dass die Gastgeber hier Spielräume haben. Nicht beteiligt an der Erarbeitung der neuen Einheitsübersetzung waren evangelische kirchliche Gemeinschaften. Zum Reformationsgedenken 2017 wird auch die Evangelische Kirche in Deutschland eine Neufassung der Lutherbibel vorstellen.