Dialogzentrum neu geordnet

Wien (sb) Das bisher von Saudi-Arabien finanzierte, in Wien angesiedelte „Internationale König Abdullah Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) darf seine Arbeit fortführen. Darauf einigten sich am Freitagabend in Wien die Gründerstaaten Österreich, Spanien und Saudi-Arabien sowie der Heilige Stuhl, der seit der Gründung des Dialogzentrums im Herbst 2012 offiziellen Beobachterstatus hat. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte das KAICIID im Januar wegen dessen Schweigen zu Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien massiv kritisiert und Österreichs Beteiligung daran in Frage gestellt. Saudi-Arabien hatte daraufhin Genf als alternativen Standort sondiert und dem Vernehmen nach sogar den Abzug der OPEC aus Wien erwogen. Mit dem nun erreichten Kompromiss setzte sich der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) durch, der für eine Neuaufstellung des KAICIID plädiert hatte. Das nach dem verstorbenen saudischen König benannte Dialogzentrum soll künftig in seiner Arbeit auch das Verhältnis zwischen dem interreligiösen Dialog und den Menschenrechtsfragen thematisieren, wofür ein eigener Experte verpflichtet werden soll. Neben den drei Gründerstaaten und dem Heiligen Stuhl sollen künftig weitere Staaten führend eingebunden werden, um eine größere Vielfalt zu gewährleisten. Der am Freitag verabschiedete Aktionsplan für das Dialogzentrum sieht weiter vor, dass der Vorstand, dem Vertreter der fünf größten Weltreligionen angehören, über die Menschenrechtepolitik des KAICIID beraten wird. Insbesondere soll der Zusammenhang zwischen Religionsfreiheit und Menschenrechten in den Mittelpunkt gerückt werden. Das KAICIID soll sich auch um einen Beobachterstatus bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen bemühen.

Kritik kommt von den Grünen, die von einer PR-Offensive sprechen. „Die völlige finanzielle Abhängigkeit vom wahhabitischen Königreich Saudi-Arabien bleibt bestehen“, meinte die grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun. Die kirchenfeindliche „Initiative Religion ist Privatsache“ spricht von einem „beschämenden Kniefall vor einem saudisch-vatikanischen Diktat“. Das KAICIID bleibe „eine PR-Einrichtung des saudischen Königshauses“.