Der Druck auf die Synode steigt

Manche wünschen, dass die Amazonas-Bischöfe mit den „viri probati“ einem anderen Priesterbild den Weg bereiten. Von Guido Horst

Noch ist das Arbeitspapier, das sogenannte „Instrumentum laboris“, zur kommenden Sondersynode über das Amazonasgebiet nicht erschienen. Es soll im Juni kommen. Aber schon wissen manche, welche Ergebnisse die Versammlung der Bischöfe dieser mehrere Länder umfassenden Region bringen wird. So geht der deutsche Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck davon aus, dass die Synode zu einer „Zäsur“ in der katholischen Kirche führen wird. „Nichts wird mehr sein wie vorher“, wenn der Amazonas-Gipfel vorüber sei, orakelte er vor einer Woche in Essen und nannte gleich mehrere Sollbruchstellen, bei denen die Synodalen aus Amazonien einen Richtungsschwenk der Kirche einleiten werden: So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche sei zu überdenken. Diese Einschätzungen decken sich mit manchen anderen Rufen nach Veränderung, die vor allem deutsche Bischöfe von sich geben, nachdem sie zuerst die Missbrauchsstudie und zuletzt die Prognosen über Kirchenmitglieder und Kirchensteuereinnahmen im fernen Jahr 2060 in Panik versetzt haben. Doch ist das nicht alles zu deutsch gedacht? So als würde der Rhein diesmal nicht in den Tiber, sondern in den Amazonas fließen?

Auch südlich der Alpen wird vermutet, dass die Sondersynode im Oktober den Weg freimachen könnte für die Priesterweihe von „viri probati“, also von älteren, bewährten Männern, die verheiratet sind. Das ist noch Spekulation. Aber immerhin hat der brasilianische Kardinal Claudio Hummes, intimer Freund von Papst Franziskus, vor wenigen Wochen erst gegenüber einer brasilianischen Tageszeitung angekündigt, die Amazonassynode werde auch über die Priesterweihe verheirateter Diakone sprechen. Und genau diesen 84-jährigen Kardinal hat Franziskus jetzt als Generalrelator der Sonderversammlung berufen. Hummes war es auch, der 2006, von Benedikt XVI. zum Präfekten der Klerus-Kongregation ernannt, kurz vor seinem Abflug nach Rom laut und öffentlich über die Abschaffung des Zölibats nachdachte – wozu man dann in Rom nichts mehr von ihm hörte.

Nach der kürzlichen Einlassung von Hummes befragt, ob die Gläubigen im Amazonas-Gebiet verheiratete Priester wünschen, schrieb ein Spiritaner-Missionar, „Tagespost“-Leser und mitten im Amazonasbecken wirkend, als Antwort an diese Zeitung: „Nach meinem Wissen und meiner Einschätzung lautet die kurze und klare Antwort: Nein! Die einfachen Gläubigen in der mir hier seit vierzig Jahren bekannten Region verlangen nicht nach verheirateten Priestern“. Aber er fügte auch an: „Mir scheint, dass diese Frage auch bei Bischöfen und Theologen von ganz anderen Motiven gesteuert und bewusst langfristig zur Aushebelung des Pflichtzölibates benutzt wird.“

Und genau das ist das Problem. Die Amazonassynode läuft Gefahr, von Anfang an unter dem hohen Erwartungsdruck zu stehen, auf ihr ginge es vor allem um die „viri probati“. Und damit um das Ende der generellen Zölibatsregel. Wie es sich auch Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück vorstellen kann. Der einzige Satz, der in dem im Juni 2018 im Vatikan vorgestellten Vorbereitungsdokument zur Synode, das damals an die Bischöfe des Amazonasgebiets versandt wurde, den Priestermangel in der Region thematisiert, nennt die „viri probati“ nicht. Aber dort heißt es: „Es ist ferner notwendig, den indigenen und einheimischen Klerus zu fördern. Und schließlich muss man neue Wege planen, um dem Volk Gottes einen besseren und häufigeren Zugang zur Eucharistie zu erschließen, die das Zentrum des christlichen Lebens ist.“ Doch aus diesem „Ferner liefen“ könnte die zentrale Frage der Amazonassynode werden. Im Sinne vieler Amazonas-Bischöfe wäre das nicht. Aber der mediale Druck auf das Treffen wird – wie beim Kinderschutz-Gipfel im Februar im Vatikan – außerordentlich sein.