Christ sein ist lebensgefährlich

Die Europäische Union lässt die Verfolgten und Bedrohten im Irak weitgehend im Stich. Anders ist der Beschluss der EU-Innen- und Justizminister, keine gemeinsame Aktion zur Aufnahme von irakischen Flüchtlingen zu unternehmen, sondern der irakischen Regierung Gelegenheit zu geben, die Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen, wohl kaum zu deuten. Erstaunlich, wie naiv insbesondere der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble den Propagandamärchen des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki auf den Leim ging.

Aus verständlichen Interessen versuchen die Regierungen in Bagdad und Washington zu suggerieren, die Sicherheitslage im Irak werde immer besser. Doch die soziale Lage ist katastrophal. Es mangelt an Trinkwasser, Strom und Medikamenten. Statt dem Recht regiert die Gewalt, derer sich Regierungstruppen, Besatzer und Milizen maßlos und willkürlich bedienen. Zu den Wehrloses-ten und Schwächsten gehört die christliche Minderheit. Abgesehen vom kurdischen Norden, wo ethnische statt religiöser Spannungen herrschen, sind die Christen in der Heimat Abrahams heute unsäglichem Terror ausgesetzt: Gewalttaten, Entführungen, Erpressungen und Demütigungen sind an der Tagesordnung.

Die Besatzer erwogen bereits, die Christen des Landes in Niniveh zusammen zu führen, doch die im Irak verbliebenen Gläubigen wollen sich nicht in ein christliches Reservat sperren lassen. Faktisch ist das Christentum in diesem Land der Bibel heute in seinem Überleben bedroht. Dass Maliki die meist gut ausgebildeten Christen gerne im Lande halten würde, ist richtig und verständlich. Doch solange er ihre Sicherheit nicht garantieren kann, kann keinem irakischen Christen eine Heimkehr zugemutet werden. sb