Brockmann hält an Kandidatur fest

ZdK-Vertreter verschärfen Konfrontationskurs gegenüber Bischöfen – Zollitsch rügt Papier zur Judenmission

Ulm (DT/KNA) Der Konflikt um die Wahl des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) spitzt sich weiter zu. Nach Ansicht von Vizepräsident Heinz-Wilhelm Brockmann hat die Auseinandersetzung das Ansehen der katholischen Kirche stark beschädigt. Im Interview der Ulmer „Südwest Presse“ (Mittwoch) sagte der 61-jährige hessische Bildungsstaatssekretär, er stehe bei einer auf Herbst verschobenen Wahl weiter für das Amt des ZdK-Präsidenten zur Verfügung. Für die eigentlich am Freitag geplante Wahl hatte Brockmann seine Kandidatur allerdings zurückgezogen. Brockmann war der einzige Kandidat für die Nachfolge von ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer. Er erhielt bei der Sitzung des Ständigen Rates der Bischöfe in Würzburg nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Da die Bestätigung eines gewählten Präsidenten durch die Bischofskonferenz laut Satzung erforderlich ist, hatte das ZdK, wie auch in der Vergangenheit üblich, vorab um Zustimmung der Bischöfe gebeten. Brockmann betonte, es müsse auch im Interesse der Bischofskonferenz sein, eine politisch starke und in der Öffentlichkeit überzeugende Laienvertretung zu haben. „Diese Vertretung muss so auftreten können, dass andere ihr glauben und sie nicht in einer Abhängigkeit erscheint, in der jedes politische Engagement unglaubwürdig ist.“

Unterdessen hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, das ZdK wegen einer Erklärung zur Judenmission gerügt (Seite 4). Zollitsch, nannte die im März veröffentlichte Erklärung des ZdK-Gesprächskreises „Juden und Christen“ mit dem Titel „Nein zur Judenmission“ am Dienstag in Bonn „wegen ihrer theologischen Defizite enttäuschend“. Der Gesprächskreis verteidigte sein Papier gegen die Kritik. Man habe nie den Anspruch erhoben, dass die Stellungnahme ein umfassender theologischer Traktat oder ein amtliches Dokument der Kirche sei, erklärte der Vorsitzende, der Theologe Hanspeter Heinz. In dem Papier hatte sich der aus Juden und Katholiken bestehende Gesprächskreis deutlich gegen jede Form der Judenmission ausgesprochen. Zollitsch sagte dazu, die Erklärung stoße bei den Bischöfen insgesamt auf Ablehnung. Das Papier werde dem Christusbekenntnis der Kirche in seiner Fülle nicht gerecht und stelle die Sendung der Kirche verkürzt dar. Außerdem sei die Stellungnahme geeignet, „der falschen Auffassung Vorschub zu leisten, als könne der Gesprächskreis autoritativ und mit kirchlicher Verbindlichkeit ein theologisches Thema behandeln, dessen Klärung dem kirchlichen Amt vorbehalten ist“.

Mit Blick auf die jüngsten Vorgänge werden im ZdK nach einem Zeitungsbericht Forderungen laut, die Wahl des Präsidenten künftig nicht mehr von der Zustimmung der Bischöfe abhängig zu machen. Die Sperrminorität der Bischöfe, die die Wahl eines neuen ZdK-Präsidenten mit Zwei-Drittel-Mehrheit bestätigen müssen, sei „nicht zeitgemäß“, sagte ZdK-Mitglied Karin Kortmann (SPD) der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag). „Das ZdK kann das nicht hinnehmen, dies ist mit einem selbstbewussten Laienkatholizismus nicht vereinbar“, sagte Kortmann, die Staatssekretärin im Entwicklungsministerium ist. Auch der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, sprach sich dem Bericht zufolge erneut gegen einen solchen Schritt aus. „Im ZdK-Statut ist nicht festgelegt, dass die Bischofskonferenz einen Kandidaten zur Wahl zulässt, sondern dass sie die Wahl bestätigt“, sagte er.