„Bestürzung und Trauer“

Papst Franziskus sowie Bischöfe aus Deutschland, Frankreich und Spanien kondolieren den Hinterbliebenen der Flugzeugkatastrophe

Mittagsandacht im Berliner Dom für die Toten des Flugzeugabsturzes in Frankreich. In zahlreichen Gottesdiensten wurde am Mittwoch der Opfer gedacht. Foto: dpa
Mittagsandacht im Berliner Dom für die Toten des Flugzeugabsturzes in Frankreich. In zahlreichen Gottesdiensten wurde am... Foto: dpa

Düsseldorf/Rom (DT/mee/KNA/KAP) Tief bestürzt hat Papst Franziskus auf die Flugzeugkatastrophe im Süden Frankreichs reagiert. Den Familien der zahlreichen Opfer, darunter auch Kinder, versichere er seine Nähe, hieß es am Dienstagabend in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an den Bischof von Digne, Jean-Philippe Nault. Franziskus bete für die Toten und vertraue sie der Barmherzigkeit Gottes an, „damit er sie in seinem Reich des Friedens und des Lichts aufnehme“. Den Angehörigen sicherte er sein tiefes Mitgefühl zu und dankte auch den Einsatzkräften, die unter schwierigen Bedingungen arbeiteten. Ihnen allen möge der Herr Kraft und Trost geben, schließt das Telegramm.

Die Bischofskonferenzen von Deutschland, Frankreich und Spanien bekundeten ebenfalls ihre Anteilnahme. „Wir gedenken der Opfer dieses Unglücks, das Menschen plötzlich und unerwartet mitten aus dem Leben gerissen hat“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Zugleich würdigte er den „aufopferungsvollen Dienst“ von Einsatzkräften und Notfallseelsorgern. Im Berliner Dom liegt anlässlich des Flugzeugabsturzes ein Kondolenzbuch aus. In der Mittagsandacht am Mittwoch wurde mit einer Fürbitte der Unglücksopfer gedacht.

Die Bischöfe Spaniens riefen „Katholiken und alle Gläubigen“ zum Gebet für die Opfer und ihre Angehörigen auf. In einer Stellungnahme bekundeten sie „Trauer über den Verlust der Menschenleben“ und sprachen den Hinterbliebenen ihr Beileid aus. Der Erzbischof von Barcelona, Luis Martinez Sistach, äußerte die Befürchtung, einige der spanischen Passagiere könnten aus seiner Diözese stammen. Die derzeit im Marienwallfahrtsort Lourdes versammelten Bischöfe Frankreichs kündigten an, für die Opfer zu beten. Beileidsbekundungen gab es auch von der „Konferenz Europäischer Kirchen“ und dem ökumenischen Weltkirchenrat in Genf.

Auch Mediziner und Notfallseelsorger aus Bonn kommen im Betreuungszentrum von Seyne-les Alpes zum Einsatz, wie die Katholische Nachrichtenagentur am Mittwoch berichtet. Die französischen Behörden richteten das Zentrum am Mittwoch ein. Die Bonner Seelsorger können dort Angehörige der deutschen Opfer betreuen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat allen Betroffenen des Flugzeugabsturzes in Frankreich seine Anteilnahme ausgesprochen. „Die Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine erfüllt mich mit Bestürzung und Trauer“, sagte er am Dienstag in Köln. In Gedanken und Gebeten sei er bei den betroffenen Menschen, besonders bei ihren Angehörigen und Freunden. „In ihrer Sorge und Trauer lassen wir sie jetzt nicht allein und helfen, wie und wo wir nur können“, so der Kölner Erzbischof.

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, der im Erzbistum Köln für die Region Düsseldorf zuständig ist, zeigte sich erschüttert über den Flugzeugabsturz. „Der erste Gedanke gilt den Angehörigen und den Opfern dieser Katastrophe“, sagte er dem Kölner Domradio. Man könne nur erahnen, unter welchem Schock die Angehörigen jetzt stehen und was sie in diesen Stunden durchmachen. „Ich stehe an ihrer Seite und bete für sie.“

Diakon Reiner Fleischmann, Diözesanbeauftragter der Notfallseelsorge in Regensburg und stellvertretender Bundeskoordinator für Krisenintervention beim Malteser Hilfsdienst, meint im Gespräch mit dieser Zeitung: „Nach einem solch belastenden Ereignis kann es bei den Betroffenen zu körperlichen und psychischen Auffälligkeiten kommen.“ Angehörige würden oft nur langsam wahrnehmen, was wirklich geschehen ist. „Dadurch, dass es eine relativ große Gruppe von Betroffenen gibt, wird das Miteinander-Leiden möglich. Dabei kann man sich gegenseitig stützen. So schlimm die Situation ist, das Miteinander-Leiden hat etwas Stärkendes.“ Gegenüber der „Tagespost“ meint der Notfallseelsorger weiter: „Man stülpt das theologische Wissen und den Glauben, den man hat, den Menschen nicht über. Man bietet es an. Manche sind dafür dankbar und andere brauchen andere Angebote.“

Der katholische Flughafenseelsorger Heinz Goldkuhle wirbt mit Blick auf das Flugzeugunglück für einen sensiblen Umgang mit den Angehören. Diese bräuchten nun „viel Trost und Verständnis“, sagte er am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Seelsorger könnten keine Toten zum Leben erwecken, „aber man kann für würdige Trauerfeiern sorgen und die Angehörigen begleiten“.

Die deutsche Bundesregierung hat am Mittwoch ihre Sitzung mit einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes begonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete zu Beginn der Sitzung erneut ihr Entsetzen und ihre große Trauer über das Unglück. Die Kanzlerin reiste im Anschluss mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) an den Absturzort. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) waren bereits am Dienstagnachmittag dorthin geflogen. Die Bundesregierung hat Trauerbeflaggung bis Freitag angeordnet. Im Bundestag soll am Donnerstag vor Beginn der Tagesordnung der Opfer des Unglücks gedacht werden. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte, dass vermutlich die Hälfte der 150 Passagiere und Crewmitglieder deutsche Staatsangehörige gewesen seien. Neben Spaniern seien Personen aus den USA, Venezuela und Iran unter den Opfern.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte am Mittwoch Journalisten auf, in ihrer Berichterstattung über den Absturz des Germanwings-Flugzeugs Respekt vor dem Leid der Angehörigen zu zeigen. „Es verbietet sich für Journalisten, die Trauernden zu bedrängen“, erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in Berlin. Die vom Unglück Betroffenen dürften durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden. Zugleich verteidigte er die Berichterstattung aus Haltern am See, der Stadt, aus der 16 Austauschschüler ums Leben kamen, als notwendig. „Es steht außer Frage, dass Journalisten über die Auswirkungen der Katastrophe auf die Kleinstadt und die Schule berichten müssen. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“