Washington/Burlington

Behörde: Krankenschwester zu Hilfe bei Abtreibung gezwungen

Laut dem US-Gesundheitsministerium soll eine Krankenschwester zur Hilfe bei einer Abtreibung gezwungen worden sein. Das Klinikum widerspricht der Darstellung.

Krankenhaus
Eine Krankenschwester im US-Bundesstaat Vermont soll zur Teilnahme an einer Abtreibung gezwungen worden sein. Foto: Sven Hoppe (dpa)

Eine Krankenschwester in den USA soll zur Teilnahme an einer Abtreibung gezwungen worden sein. Zu diesem Urteil gelangte das Bürgerrechtsbüro des US-Gesundheitsministeriums am Mittwoch. Die Klinik im Bundesstaat Vermont habe die Mitarbeiterin demnach gezwungen, an der operativen Beendigung der Schwangerschaft entgegen ihrer „religiösen oder moralischen Einwände“ mitzuwirken. Das Klinikum habe damit gegen Bestimmungen zum Schutz der Gewissensfreiheit von Angestellten im Gesundheitsdienst verstoßen und werde zur Änderung der Hauspolitik aufgefordert. Das Klinikum wies die Vorwürfe und widersprach der Darstellung der Behörde.

Mitarbeitern dachte, es sei eine Fehlgeburt

Die namentlich nicht genannte Krankenschwester hatte die Beschwerde gegen das Universitätsklinikum von Vermont (UVMMC) nach Angaben der Behörde im Mai 2018 eingereicht. Recherchen hätten ergeben, dass die Schwester auf einer Liste mit Mitarbeitern gestanden habe, die aus moralischen Gründen nicht für Abtreibungen eingesetzt werden sollten, hieß es nun im Bericht. Sie und andere Mitarbeiter seien dennoch wiederholt und bewusst zu solchen Operationen eingeteilt worden. Dem betroffenen Personal wurde dabei nicht gesagt, um welche Art von Eingriff es sich handeln würde, so der Bericht weiter. Dieser sei nach Angaben des Ministeriums auf Grundlage von Zeugenaussagen erstellt worden. Die Klinik habe sich demnach der Kooperation verweigert.

Die staatlichen Richtlinien zum Schutz der Gewissensfreiheit von Klinikmitarbeitern existieren bereits seit den 1970er Jahren. Die Abteilung für Gewissens- und Relgionsfreiheit im Büro für Bürgerrechte des Ministeriums wurde erst im vergangenen Jahr eingerichtet. Laut Medienberichten hatte das Bürgerrechtsbüro bislang vor allem mit Verletzungen von Persönlichkeitsrechten zu tun. Vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsident habe es demnach jährlich im Durchschnitt 1,25 Beschwerden über Verletzungen der Gewissensfreiheit gegeben. Mittlerweile sind es nach Angaben des Bürodirektors, Roger Severino, „hunderte“.

Der nun von seiner Behörde beschiedene Fall hatte sich bereits im Jahr 2017 ereignet. Der Arzt, dem ihre moralischen Einwände bekannt gewesen seien, habe ihr erst bei Betreten des Behandlungsraums mitgeteilt, dass sie an einer Abtreibung mitwirken solle, hieß es vom Bürgerrechtsbüro des Ministeriums. Severino berichtete vor Pressevertretern, die Krankenschwester habe gedacht, die schwangere Frau habe eine Fehlgeburt erlitten. Der behandelnde Arzt habe die Ankündigung der Abtreibung mit „Bitte hass‘ mich nicht“ kommentiert. Nach Angaben ihres Anwalts arbeitet die Krankenschwester mittlerweile nicht mehr am Universtitätsklinikum.

Klinikum weist Vorwürfe zurück

Die Klinik selbst weist die Darstellungen der Behörde zurück. Interimspräsident Stephen Leffler zeigte sich gegenüber der „Burlington Free Press“ insbesondere verärgert, dass die Behörde des Ministerium sich lieber an die Medien gewendet hätte, „als sich mit uns zu einem konstruktiven Dialog zu treffen, um unsere Hauspolitik zu verbessern“. Er habe dem Bürgerrechtsbüro demnach über neun Monate hinweg Möglichkeiten zu Treffen angeboten, die aber nie angenommen worden sein.

Auch den Vorwurf, dass die Klinik die Mitarbeiterin zur Teilnahme an dem fraglichen Eingriff gezwungen habe, wies Leffler zurück. Laut dem Krankenhaus wurden die Vorwürfe nach Bekanntwerden umgehend und gründlich untersucht. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Beschwerde nicht den Fakten entspreche. Zu den angeblichen weiteren Fällen könne Leffler nichts sagen, da die Namen der entsprechenden Personen dem Klinikum nicht mitgeteilt worden seien.

Klinikleiter wirft Behörde Erpressung vor

Laut Leffler haben Mitarbeiter des UVMMC die Möglichkeit, bestimmte Tätigkeiten aus religiösen oder moralischen Gründen abzulehnen. In kritischen Situationen könne es dennoch sein, dass sie an solchen Behandlungen teilnehmen müssten. „Wir tun alles in unserer Macht stehende um sicherzustellen, dass Menschen, die das ablehnen wollen es auch können, aber unsere Richtlinien wurden mit dem Ziel des Patientenwohls aufgestellt“, so Leffler. Das Bürgerrechtsbüro des Ministeriums verlange nun, dass Mitarbeiter in jedem Fall ihre Teilnahme an fraglichen Behandlungen verweigern können, „selbst wenn es das Leben des Patienten riskiere“. Das Klinikum sei damit nicht einverstanden.

Weiter warf der Klinikleiter dem Bürgerrechtsbüro Erpressung vor. „Sie haben uns angedroht, 1,6 Millionen Dollar, die für medizinische Leistungen gezahlt wurden, zurückzuholen. Aber wir lassen uns nicht erpressen, um unsere Richtlinien zu ändern.“ Nach Lefflers Angaben würde eine Rückforderung der öffentlichen Gelder nur Menschen treffen, die mit der Angelegenheit nichts zu tun hätten.

DT/kma