Balkanisches Slowenien?

Das kleine Slowenien ist ein junges, dynamisches, modernes Land. Doch die derzeitige politische Klasse lässt es alt, starrsinnig und balkanisch aussehen. Indem die Regierung in Ljubljana den Beitritt Kroatiens zur NATO und zur Europäischen Union blockiert, um seine rechtlich nicht gedeckten Gebietsansprüche in der Bucht von Piran durchzuboxen, huldigt es den niedrigsten Ressentiments und dient einem überwunden geglaubten Nationalismus, der Südosteuropa schon viel Tod, Leid und Elend gebracht hat.

Auch beim winterlichen Krisentreffen zwischen den Ministerpräsidenten der beiden Länder, Ivo Sanader und Borut Pahor, kam es am Dienstag zu keiner Annäherung. Kroatiens Regierungschef Sanader will in der Streitfrage einen Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofes in Haag, besteht aber zugleich darauf, dass bilaterale Fragen den Annäherungsprozess seines Landes an NATO und EU nicht blockieren dürfen. Sloweniens Ministerpräsident Pahor will in der Streitfrage eine politische Vermittlung und hält an der Beitrittsblockade fest, solange es keine Lösung gibt. Wer immer in diesem Ringen nachgibt, wird innenpolitisch Prügel beziehen, doch wenn keiner nachgibt, werden sich die Nationalismen aufschaukeln und den Christdemokraten Sanader in Kroatien ebenso in Nöte bringen wie den Sozialisten Pahor in Slowenien.

Der Nationalismus, der in Slowenien eben eine Renaissance erlebt, bringt keine Lösung: weder für die Bucht von Piran noch für das traditionell belastete Nachbarschaftsverhältnis zwischen Slowenien und Kroatien. Europäisch dagegen ist die Lösung einfach: Wenn Slowenien den Weg für Kroatiens EU-Beitritt freigibt, liegt die gesamte Adria auf EU-Gebiet. Im grenzenlosen Europa ist der Streit um Seegrenzen bloß graue Theorie ohne praktische Relevanz. sb