Anglikaner: Neue Strukturen?

Jerusalem/London (DT/KNA) Um eine Spaltung der anglikanischen Weltgemeinschaft abzuwenden, fordern konservative Anglikaner neue Strukturen in ihrer Kirche. Laut Medienberichten vom Freitag wollen die Bischöfe, die zurzeit in Jerusalem bei einer Konferenz zur Zukunft der anglikanischen Weltkirche (GAFCON) tagen, eine orthodoxe „Bewegung“ innerhalb der Kirche etablieren. Das sei notwendig, um „linientreuen Anglikanern“ in solchen Kirchenprovinzen zu helfen, die sich von den „traditionellen Lehren der Bibel“ abgewandt hätten, wird der kenianische Erzbischof Benjamin Nzimbi zitiert. Die neue Bewegung soll nach Angaben der Londoner Tageszeitung „The Times“ (Freitag) ihre eigenen Bischöfe, Priester und Priesterseminare bekommen. Von einem Schisma, einer förmlichen Kirchenspaltung, distanzieren sich die GAFCON-Bischöfe, darunter viele aus Afrika und Asien. Die Parallelstrukturen könnten ähnlich funktionieren wie die sogenannten fliegenden Bischöfe in den USA. Sie versorgen jene Anglikaner, die nicht von einem liberalen Pfarrer, Bischof oder einer Bischöfin betreut werden wollen. Die Mehrheit der rund 300 GAFCON-Bischöfe will die Ende Juli in England stattfindende Lambeth-Konferenz, das oberste Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, boykottieren. Die GAFCON-Teilnehmer werfen dem Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, fehlende Führungsqualitäten vor, weil er es versäumt habe, die „Abtrünnigen“ in der Kirche zu disziplinieren. Der Streit zwischen dem konservativen und dem liberalen Flügel der Kirche entfachte sich 2003 an der Ernennung des Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire. In der Debatte um die Kirchenführung rückte das Thema Homosexualität zuletzt zunehmend in den Hintergrund.