155 Fälle von Suizid-Beihilfe

Mainz (DT/KNA/dpa) Im Jahr 2013 hat es in Deutschland nach Recherchen des ARD-Magazins „Report Mainz“ mindestens 155 Fälle von begleiteten Suiziden bei Schwerstkranken gegeben. Nach einer Mitteilung des Senders beruht die Zahl auf Angaben von zwölf Sterbehelfern in Deutschland, die überwiegend anonym tätig seien. „Report Main“ zitiert in einem am Dienstagabend ausgestrahlten Beitrag unter anderem einen pensionierten Schulleiter, der nach eigenem Bekunden seit 2005 jährlich vier bis fünf Menschen zum Tod verholfen hat, meist durch die Besorgung eines Medikamentencocktails. Vergangene Woche hatte der Gründer des Vereins „SterbeHilfe Deutschland“, der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch, erklärt, sein Verein habe im vergangenen Jahr 40 Menschen beim Suizid geholfen. Der Münchener Medizinrechtler Wolfgang Putz bezeichnete diese Form des assistierten Suizides als „absolut legal“. Putz, der ein Grundsatzurteil vor dem Bundesgerichtshof zum Patientenverfügungsrecht durchgefochten hatte, sagte dem Magazin, der zitierte Pädagoge handle „vollkommen rechtmäßig“, wenn er nur freiverantwortlichen Patienten helfe. „Es kommt einzig und allein darauf an, ob der Patient, der den Suizid begehen möchte, freiverantwortlich ist und wohlüberlegt handelt“, sagte Putz. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will diese Form der organisierten Sterbehilfe unter Strafe stellen. Gröhe steht damit in einer Reihe mit Unionsvertretern und dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Dagegen lehnt der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki die Pläne ab. „Es ist für mich von zentraler Bedeutung, dass Menschen das Recht haben, ihrem Leben unter Umständen selbstbestimmt ein Ende zu setzen“, sagte Kubicki der Tageszeitung „Die Welt“ (Donnerstag). Der Staat dürfe sich nicht anmaßen, den Bürgern eine solche Selbstbestimmung durch ein Gesetz zu verbieten. Kubicki stellte sich hinter den Gesetzentwurf der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), wonach kommerzielle Suizid-Begleitung verboten werden, andere Formen der Beihilfe aber straffrei bleiben sollen. Der Vorstoß war in der vergangenen Legislaturperiode von der Union nicht mitgetragen worden.

Themen & Autoren

Kirche