Kolumne

Schluss mit prekärer Beschäftigung!

Immer weniger wissenschaftliches Personal muss immer mehr Studenten betreuen. Darunter leidet die hohe Präzision akademischen Arbeitens.
Nachwuchswissenschaftler stehen auch mental unter hohem Druck.
Foto: Julian Stratenschulte (dpa) | Nachwuchswissenschaftler stehen auch mental unter hohem Druck.

„Exzellente Wissenschaft braucht exzellente Arbeitsbedingungen“: So lautet ein Beschluss der CDU-Sozialausschüsse aus dem Jahr 2021. Nachdrücklich werden darin die prekären Beschäftigungsverhältnisse von Nachwuchswissenschaftlern in und außerhalb der Universität angeprangert. Was wird kritisiert? Da ist die Befristung der Stellen zwischen 6 Monaten und drei Jahren, die eine selbstbestimmte Karriere- und Lebensplanung erschwert: Kaum ist eine Anstellung gefunden, beginnt die Suche nach einer Anschlussfinanzierung aufs Neue.

Teilzeitbeschäftigung als Problem

Die befristeten Arbeitsverträge sind aber nicht das Kernproblem. Schwerer wiegt die Anstellung in Teilzeit: Der extreme Arbeitsaufwand, der sich aus der Vorbereitung für Lehrveranstaltungen und der Betreuung von Studenten ergibt, ist mit dem geringen Stellenumfang kaum zu stemmen. Das Schreiben an einer Doktorarbeit kommt zusätzlich hinzu und ist unvergütet. Um diese dennoch in der Regelzeit abzuschließen, ergibt sich schnell eine Wochenarbeitszeit zwischen 70 und 100 Stunden – nur 19,5 Stunden davon bezahlt. Nicht oder nur anteilig erstattbare Reise- und Übernachtungskosten, um an Tagungen für die eigene Forschung teilzunehmen, kommen hinzu. Wenn man das aufrechnet, liegt man am Ende nicht nur unter dem Mindestlohn; es ist sogar ein Minusgeschäft.

Wissenschaftlichen Nachwuchs unterstützen

Auch mental stehen Nachwuchswissenschaftler unter großem Druck – viele schwanken zwischen struktureller Ausbeutung und Selbstausbeutung. Jungakademiker sind aufgrund des übermäßigen Leistungsdrucks, der hohen Arbeitsverdichtung und der unsicheren Lebensverhältnisse einem doppelt so hohen Risiko ausgesetzt, an einer Depression oder anderen psychischen Problemen zu erkranken – das konnte zuletzt die Psychologin Katia Levecque in einer Studie nachweisen. Das hat nicht nur für die Betroffenen Konsequenzen, sondern auch für Forschung und Lehre an den Universitäten. Immer weniger wissenschaftliches Personal muss immer mehr Studenten betreuen, die hohe Präzision und Gewissenhaftigkeit akademischen Arbeitens leiden darunter.

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Verlust an Attraktivität

Der Wissenschaftsstandort Deutschland verliert dadurch an Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit mit dem Ausland oder der Privatwirtschaft. Und Stereotype, die in Akademikern eine privilegierte Elite sehen, sind Vergangenheit. Was also tun? Der Wettbewerb um die besseren Ideen und die Sicherung guter akademischer Praxis müssen im Mittelpunkt stehen. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz muss umgehend reformiert werden: Die Erstellung von Qualifikationsarbeiten sind kein Privatvergnügen und müssen als genuine Beiträge zur Wissenschaft angesehen und auch so vergütet werden. Das heißt grundsätzlich Vollzeitstellen und Bezahlung nach TVöD sowie Arbeitsverträge von mindestens drei Jahren Laufzeit. Da akademisches Arbeiten von frischen Ideen und Motivation lebt, sind gleichzeitig entfristete Verträge keine zufriedenstellende Lösung.

Der Autor ist katholischer Theologe und Politikwissenschaftler. Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der KSZ in Mönchengladbach.

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Marius Menke Wissenschaft

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