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„Planetarische Gemeinschaftsgüter“: Gemeinsam die Schöpfung bewahren

Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung schlagen vor, Teile des Erdsystems zu „Planetarischen Gemeinschaftsgütern“ zu erklären. Wie sinnvoll und machbar ist das?
Die Natur bewahren
Foto: IMAGO/xsamir15042213x (www.imago-images.de) | Wie lassen sich kritische Erdsysteme schützen? Die Idee „Globaler Gemeinschaftsgüter“ könnte helfen.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Studie den Vorschlag unterbreitet, Teile des Erdsystems zu „Planetarischen Gemeinschaftsgütern“ werden zu lassen. Sie knüpfen damit an die Globalen Gemeinschaftsgüter – die Global Commons – an, die wie die Antarktis oder die Hohe See außerhalb staatlicher Souveränitätsansprüche liegen und von der Staatenwelt zum Nutzen aller verwaltet werden.

Die Idee der Planetarischen Gemeinschaftsgüter fokussiert biophysikalische Erdsysteme, die durch menschliche Eingriffe wie dem Klimawandel sogenannte „Kippelemente“ sind, da sie zu weiteren, globalen Verschiebungen führen können. Schmilzt zum Beispiel Eis in Grönland, fließt soviel Süßwasser in den Nordatlantik, dass sich durch Veränderungen der Meeresströme der Südatlantik erwärmt, was wiederum die Eisschmelze am Südpol beschleunigt, die weitere Verwerfungen nach sich zieht.

Global Governance-Strukturen sind nur schwer zu errichten

Das Beispiel Grönlands zeigt, dass die kritischen Erdsysteme – im Gegensatz zu den Global Commons – innerhalb nationaler Hoheitsgebiete liegen. Darum schlägt das Forscherteam des PIK vor, sie zu Planetarischen Gemeinschaftsgütern zu erklären, für deren Schutz und Erhalt ähnliche Regelwerke wie für die Global Commons auszuhandeln wären. Dadurch könnten weitere ökologische Krisen gestoppt bzw. die planetarische Widerstandskraft gestärkt werden. Es steht außer Frage, dass die Etablierung solcher Global Governance-Strukturen alles andere als einfach ist.

Oftmals fällt es den betroffenen Staaten schwer, sich auf internationale Regeln zu verständigen und diese dann auch umzusetzen. Das weiß auch die Potsdamer Forschungsgruppe. Dennoch sollte ihr Vorschlag nicht in der Schublade verschwinden, sondern als ein Baustein gegen den Klimawandel aktiv vorangetrieben werden. Die beste Begründung hierfür liefert kein Geringerer als Papst Franziskus.

„Laudate Deum“ als Aufruf zum globalen Handeln

In seinem Apostolischen Schreiben „Laudate Deum“, das im Oktober 2023 veröffentlicht wurde, fordert er ein entschiedenes Zusammenwirken aller Staaten im Kampf gegen den Klimawandel. Franziskus plädiert für einen Multilateralismus, der einerseits die politischen Akteure nicht aus ihrer Verantwortung entlässt, andererseits aber „von unten“ zu rekonfiguieren sei. Damit meint er, dass sich engagierte Personen, Einrichtungen oder Gruppen aus den unterschiedlichsten Ländern „gegenseitig helfen und begleiten“ und letztlich Druck auf die Politik ausüben sollen, um der Klimakrise entgegen zu wirken (LD Nr. 38). Dem gemeinsamen Agieren der Zivilgesellschaft und dem Einsatz für Initiativen wie jener aus Potsdam schreibt er also eine hohe Bedeutung bei. Dabei macht er unmissverständlich klar, dass es hier nicht um bloßen Aktionismus, sondern um die Sorge für das Schöpfungswerk Gottes geht.

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Da der Mensch – so Franziskus – Teil der von Gott geschaffenen Erde ist, trägt er ihr gegenüber eine besondere Verantwortung, indem er die Gesetze der Natur und das Gleichgewicht unter den Geschöpfen respektiert. Jedes Engagement für Klima- und Umweltschutz ist also ein Beitrag zur „Versöhnung mit der Welt“ (LD Nr. 69), von der Genesis 1,31 berichtet, „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“


Der Autor ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ). Die Kolumne erscheint in Kooperation mit ihr.

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