Reise & Lebensart

Tradition bewahren

In vielen ehemaligen Klöstern bemühen sich regionale Institutionen und Vereine, mit Klostermärkten in die alten Mauern neues Leben einziehen zu lassen. Von Werner Häußner
Ceramic bells as souvenir from Jerusalem, Israel.
Foto: fotolia.com | In vielen Regionen dienen Klostermärkte dazu, die historischen Stätten mit Leben zu erfüllen und die Tradition vor Ort zu bewahren.

Wenn der weiße Flieder wieder blüht und Wochenend und Sonnenschein in die Natur locken, beginnt auch die Zeit der Klostermärkte. Auf dem Areal einstiger und aktiver Klöster, rund um Kirchen und Konventsgebäude, schlagen Händler und regionale Erzeuger ihre Stände auf. Auch Nonnen und Mönche bieten Produkte aus ihren Klöstern an, denn sie leben von ihrer Hände Arbeit und finanzieren mit ihren Erträgen nicht nur das Leben der Gemeinschaften, sondern oft auch pädagogische, soziale oder kulturelle Projekte.

In vielen Regionen dienen Klostermärkte dazu, die Erinnerung an Klöster wach zu halten, die historischen Stätten mit Leben zu erfüllen, die Tradition vor Ort zu bewahren und in eine lebendige Gemeinschaft zu integrieren. Veranstalter und Besucher identifizieren sich mit der historisch-kulturellen, aber auch der religiösen Tradition und ziehen Verbindungslinien in die Gegenwart. Das Kloster Dalheim im Landkreis Paderborn zum Beispiel ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift, das nach der Säkularisation 1803 als Staatsdomäne landwirtschaftlich genutzt wurde. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erwarb die Klosteranlage, sicherte den historischen Bestand und richtete 2007 das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ein.

Am Wochenende 25. und 26. August findet dort der nach eigenen Angaben mittlerweile größte Klostermarkt Europas statt. Von jeweils 10 bis 18 Uhr zeigen Ordensleute aus rund 40 Abteien, Stiften und Klöstern, was sie herstellen. Die Palette der Produkte reicht von Lebens- und Genussmitteln über Kunst bis hin zu Gegenständen für den liturgischen Gebrauch. Zum Rahmenprogramm gehören Führungen durch Klosteranlage und Ausstellung, eine Klosterwerkstatt für Kinder, geistliche Impulse der Ordensleute in der Kirche und ein ökumenischer Gottesdienst am Samstag. Informationen gibt es auf der Webseite www.lwl.org.

Ein kaum bekanntes Kleinod ist zwischen Neuruppin und Putlitz nahe der A 24 zu besuchen: Das Stift Heiligengrabe, zwischen den historischen Städtchen Wittstock und Pritzwalk gelegen, überrascht nicht nur mit einer imposanten Kirche und einer historisch wie architektonisch bemerkenswerten Heiliggrabkapelle. Sondern das Ensemble umfasst Bauten aus der Renaissance bis zum Klassizismus und zu wilhelminischer Backsteinarchitektur, umstellt von charmanten, sorgsam restaurierten Fachwerkhäusern. Sieben evangelische Stiftsdamen leben mit Äbtissin Dr. Erika Schweizer als Gemeinschaft in Heiligengrabe, das 1740 von Friedrich II. zum Damenstift erhoben wurde.

Am Sonntag, 9. September, findet in Heiligengrabe ein Klostermarkt statt, der um 10 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet wird. Anbieter aus der Region verkaufen lokale Produkte – von Honig über typische Wurst bis zu Schmuck und Kunsthandwerk. Zum „Tag des offenen Denkmals“ werden bei Führungen die architektonischen Kostbarkeiten gezeigt oder ein Spaziergang zu den kürzlich renaturierten Teichen unternommen. Auch das Museum im Ostflügel der Abtei mit einer neu konzipierten Dauerausstellung ist geöffnet. Das Kloster bewirtet seine Gäste mit Kaffee und Kuchen. Informationen über die geistlichen und kulturellen Veranstaltungen in Heiligengrabe bietet die Webseite klosterstift-heiligengrabe.de.

Ein bedeutendes fränkisches Urkloster und Keimzelle der Christianisierung Frankens ist das Kloster Heidenheim südlich von Gunzenhausen in Mittelfranken. Das benediktinische Doppelkloster mit den Heiligen Wunibald und Walburga als Abt und Äbtissin wurde 1537 in der Reformation aufgelöst; die romanisch-gotische Kirche dient der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche. Unter dem Stichwort „Neues Leben in alten Mauern“ soll heute ein Begegnungs-, Bildungs- und Dokumentationszentrum an die alte Klostertradition anknüpfen.

Ein traditioneller Termin für Freunde von Klostermärkten ist der Altöttinger Klostermarkt auf dem Kapellplatz des bayerischen Marienwallfahrtsortes. Mehr als vierzig Stände erwarten die Besucher im Schatten des Heiligtums. Die beteiligten Klöster und Ordensgemeinschaften verkaufen dort nicht nur Waren, sondern knüpfen neue Kontakte, schließen neue oder beleben alte Freundschaften. Von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. Juli 2018 wird „Gutes für Leib und Seele“ geboten. Information demnächst im Netz auf www.altoettinger-klostermarkt.de.

Vom Süden in den Norden: 30 Kilometer westlich von Schwerin liegt nahe der Grenze zu Schleswig-Holstein das Städtchen Zarrentin. Von dem um 1250 gegründeten Zisterzienserinnenkloster stehen heute noch die Kirche mit ihrem wuchtigen Feldsteinchor und der Ostflügel der spätmittelalterlichen Klostergebäude. Knapp 100 Aussteller zeigen beim Klostermarkt „Kunst & Werk“ von Goldschmiedearbeiten über Porzellan- und Glasmalerei bis hin zu Keramik und Textilkunst ein vielfältiges Angebot. Der Markt findet stets am letzten Wochenende im August statt, im Jahr 2018 am 25. und 26. August. Information: www.zarrentin.de.

Auf eine wechselhafte Geschichte kann der Klosterhof in Mönchpfiffel, südlich von Sangerhausen am Kyffhäuser gelegen, zurückblicken: Schon 786 erwähnt, taucht Mönchpfiffel 1205 als Klosterhof der Zisterzienser von Walkenried urkundlich wieder auf. Über die Grafen von Mansfeld und den Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach wird der Hof Thüringisches Staatsgut und in der DDR-Zeit eine LPG. Seit 1995 bemüht sich eine Genossenschaft, die gut erhaltenen historischen Gebäude mit neuem Leben zu erfüllen. Dazu wurde im letzten Jahr ein Klostermarkt veranstaltet, der so erfolgreich war, dass sich die Veranstalter entschlossen, den Markt fest im Kalender zu verankern. Am Sonntag, 9. September, gibt es wieder Kunst und Kulinarik und dazu ein Programm mit Musik, Kutschfahrten, Besichtigungen in historischen Gebäuden zum „Tag des offenen Denkmals“ und Leckereien im Gasthof „Zum Ochsenstall“. Das frühere Mutterkloster Walkenried veranstaltet seinen Klostermarkt mittlerweile zum elften Mal am Wochenende 22./23. September. Information: www.moenchpfiffel.de, www.kloster-walkenried.de.

Wer einen Urlaub mit dem Besuch eines Klostermarktes verbinden will, wird zum Beispiel in der Schweiz fündig: Im Kanton Wallis, zwischen Montreux und Martigny, liegt die Abtei Saint-Maurice. Sie gilt als ältestes Kloster des Abendlandes, das bis heute ununterbrochen besteht. Von 21. bis 23. September 2018 wird rund um das Kloster der Augustiner-Chorherren ein „marché monastique“ veranstaltet, bei der rund 130 Ordensleute und Laien eine breite Palette von Produkten anbieten. Höhepunkte sind unter anderem ein Bibelspiel für Kinder, eine Bar mit Weinen aus klösterlicher Produktion und ein Probierbereich für Klosterbiere. Eine Webseite auf Französisch informiert über den einzigartigen, größten Klostermarkt der Schweiz: www.marchemonastique.ch; Infos auch auf www.saint-maurice.ch.

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