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Sankt Wolfgang: Beliebter Heiliger im Salzkammergut

Sankt Wolfgang ist ein beliebter Heiliger im Salzkammergut. Sein 1.100. Geburtstag wird 2024 vor allem in und um Sankt Wolfgang gefeiert.
"Dormitio, der Tod Mariens im Kreise der Apostel",  Flügelaltar des Tiroler Künstlers Michael Pache
Foto: Andreas Drouve | Im Inneren der Kirche fasziniert der gotische Flügelaltar des Tiroler Künstlers Michael Pacher. Das 1481 fertiggestellte Werk zeigt unter anderem auch die Dormitio, der Tod Mariens im Kreise der Apostel.

Der Heilige auf einer Briefmarke. Der Heilige als Gedenkmünze. Ein Wolfgang-Wein. Ein Wolfgang-Bier. Der Heilige gar in Fruchtgummiform zu seinem Todestag am 31. Oktober, was sich mit Halloween deckt. Das Gedenken zum 1 100. Geburtstag Wolfgangs wird im Laufe des Jahres 2024 in Österreich einiges in Bewegung bringen, vor allem am Wolfgangsee, wo auch die Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang steht. „Das Wolfgangjahr soll auch hier gelebt werden“, blickt Arno Perfaller voraus, der Kulturreferent der Marktgemeinde Sankt Wolfgang. Im Mai und Juni wird es ein „Mystical“ auf der Seebühne geben und im Sommer eine Reihe internationaler Kirchenkonzerte.

Sankt Wolfgang
Foto: Imago / Imagebroker | Direkt am Wolfgangsee liegt die Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang im gleichnamigen Städtchen. Die Gegend ist nicht nur Pilgerziel, sondern auch Touristenmagnet.

Legenden ranken sich um Wolfgang

Es war eine kurze, aber prägnante Phase im Leben des heiligen Wolfgang, der auf das Salzkammergut entfiel. Wolfgang wurde 968 zum Priester und 972 zum Bischof von Regensburg geweiht, hatte stets die Armen und Kranken und in seinem kirchlichen Umfeld Wissenschaft und Unterricht im Blick. Was danach geschah, skizziert Autor Peter Pfarl in seinem Büchlein über die Pfarr- und Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang: „Den nächsten Wendepunkt im Leben des Bischofs brachte der Bürgerkrieg zwischen Heinrich II., dem Zänker, Herzog von Bayern, und seinem Cousin, Kaiser Otto II.

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Nach der Eroberung der Stadt Regensburg im Jahr 976 durch den Kaiser zog sich Wolfgang in das Benediktinerkloster Mondsee zurück, das damals dem Bistum Regensburg unterstand. Diese Episode seines Lebens dauerte gut ein Jahr und ist mit vielen Legenden ausgeschmückt. Zuerst soll Wolfgang als Einsiedler auf dem Falkenstein in Einsamkeit und Gebet verweilt haben. In der Folge gründete er am Ufer des Abersees (wie der Wolfgangsee damals hieß) eine Kirche. Diese Kirche bekam, so wie der gesamte Ort, später den Namen Sankt Wolfgang.“

Der Falkenstein ist Szenario dreier Legendenstoffe, die sich um Wolfgang ranken. Eine der Geschichten verbürgt, dass Wolfgang von einem einzigen Klosterbruder begleitet wurde, dem das entbehrungsreiche Dasein zusetzte. Eines Tages klagte dieser über Durst. Da nahm Wolfgang seinen Stab und schlug gegen einen Felsen, worauf eine Quelle entsprang, der bis heute heilende Kräfte zugeschrieben werden.

Vom Satan verschont geblieben

Auf dem Falkenstein war Wolfgang dem Teufel ein Dorn im Auge. Dieser wollte den Heiligen zermalmen, indem er die Felsmassen zusammenschob. Doch Wolfgang stemmte sich mit den Händen und dem Kopf dagegen und betete, vom Satan verschont zu bleiben – mit Erfolg. Dies gab den Anstoß, sich eine andere, sicherere Bleibe suchen. Kirchenführerin Michaela Ellmauer zeichnet die Legende vom berühmten „Hacklwurf“ nach. Der zufolge ergriff Wolfgang sein Handbeil und schleuderte es vom Berg aus in die Tiefe. Dort, wo die Hacke niederfiel, wollte er eine Kirche erbauen, gelobte er, und musste einige Zeit suchen, bis er sie wiederfand. „Damals war hier alles unbesiedelt, wilde Natur“, hält Ellmauer den Besuchern vor Augen.

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Wolfgangs ursprüngliche Kirche war winzig klein. Ein Nachfolgebau brannte 1429 nieder. Danach entstand jenes Gotteshaus, das sich bis heute aus dem Ortskern abhebt. Kuriosum draußen ist der überdachte Pilgerbrunnen, der aus dem Jahre 1515 datiert und aus Glockenbronze besteht. Ganz oben steht Wolfgang als Kirchenerbauer mit einer Kirche in der Hand. Die Figürchen über der Brunnenschale zeigen, was passiert, wenn man zu viel Wein trinkt. Harndrang. Bauchschmerzen. Diarrhöe. „Nur einer Figur geht es gut: der, die Wasser trinkt“, sagt Führerin Ellmauer und lacht. Das Brunnenwasser könne man trinken, aber es habe nichts mit Wolfgangs Heilquelle zu tun, so Ellmauer. Der Blick vom Pilgerbrunnen schwenkt zu einer verglasten Bildnisnische außen an der Kirche. Einen besonders glücklichen Gesichtsausdruck hat Wolfgang nicht. Michaela Ellmauer interpretiert: „Er war immer besorgt um die Menschen und darauf bedacht, dass die Jugend etwas lernte. Er schaute, dass es seinen Mitmenschen gut ging.“

Fantastisch bemalter Flügelaltar

Im Innern fasziniert sogleich der gotische Flügelaltar, ein Werk des Tiroler Künstlers Michael Pacher. „Er war ein Allroundtalent und verstand es, in die Tiefe zu malen“, so Führerin Ellmauer. Das fantastisch bemalte Schnitzwerk hat eine Werktags-, Sonntags- und Feiertagsseite. Kurios sind die Darstellungen und Details der Feiertagsvariante. Eine der vier Bildtafeln thematisiert das seltene Motiv der Beschneidung Jesu. Und auf der Tafel mit dem Tod Mariens liegt die Gottesmutter in einem blauweißen Tiroler Himmelbett – und ein Apostel daneben trägt einen Zwicker auf der Nase. Der vergoldete Mittelteil des Altars dreht sich um die Krönung Mariens, bei der links am Rand der heilige Wolfgang präsent ist und aufs Neue ein kleines Kirchenmodell vor sich hält.

Inmitten der Kirche tritt man vor ein anderes Meisterwerk: einen Doppelaltar in Barockstil, gesplittet in den Wolfgang- und Sakramentsaltar, geschaffen von Thomas Schwanthaler. Über einem Reliquiar ist eine kleine Gnadenstatue von Sankt Wolfgang eingefasst. Hier schaut er seinen Betrachtern voller Güte und Fürsorge entgegen; des Heiligen Wangen sind extrem rosig.

Erfolgreiche Verchristlichung

Eine Treppe führt hinauf in die Wolfgangkapelle, zu der Peter Pfarl in seinem Kirchenbüchlein ausführt: „Der kleine Raum wurde erst 1713 geschaffen, denn das Wichtigste, das er enthält, den Stein des heiligen Wolfgang, war der Kirche lange Zeit als heidnisch verdächtig. Es handelt sich vermutlich um einen vorchristlichen Kultstein, einen natürlichen Felsen mit tiefen Spalten. Man wagte es nicht, das verehrte Heiligtum zu entfernen, verchristlichte es aber, indem man erzählte, der heilige Einsiedler habe sich aus Buße darauf geworfen.“ Sehenswert ist überdies eine Marmornachbildung von Wolfgangs Eremitage aus dem Jahr 976. Wann genau die Zeit für Wolfgang im Salzkammergut endete, lässt sich nicht mehr ergründen. Fest steht, dass er nach Regensburg zurückkehrte. Laut Legende wollte das von ihm am Abersee erbaute Kirchlein mit ihm ziehen. Doch Wolfgang befahl dem Bauwerk, still zu sehen. Es sei der Wille Gottes, dass sich hier trostbedürftige Menschen einfinden sollten. Dies war der Anfang vom Wallfahrtsziel Sankt Wolfgang.

Vom 23. Mai bis 23. Juni führt die Seebühne des Wolfgangsees elf Mal für jeweils bis zu 1 .000 Besucher „Wolf, das Mystical“ auf. Vom 7. Juli bis zum 25. August finden sieben internationale Kirchenkonzerte in der Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang statt.

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