Palma de Mallorca

Still ruht der Bierkönig

Ab dem 1. Juli können die Deutschen wieder regulär auf ihre Lieblingsinsel reisen.

Santa Eulalia
Die Kirche Santa Eulalia auf Mallorca. Foto: Einig

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein: Mallorcas Madonnen und Wallfahrtsorte gelten seit langem als Geheimtipp für alle, die abseits der Pilgerströme Erholung in traumhafter mediterraner Landschaft suchen. Selbst die sonst so quirlige Hauptstadt Palma verspricht ihren Gästen in diesem Sommer mehr Beschaulichkeit, als in einer normalen Urlaubssaison denkbar wäre: Beim Anblick der geschlossenen Amüsiertempel der Partymeile erzählen betagte Einheimische mit einem Anflug von Nostalgie von vergangenen Zeiten, als sich ausländische Touristen vorwiegend für Familienausflüge, Flora, Fauna und die Kulturschätze auf den Balearen interessierten und zivilisiert das milde Klima genossen. Wer auf Mallorca pilgern will, sollte auf jeden Fall einen Rundgang durch die Hauptstadt Palma einplanen. Morgens herrscht im Bischofsgarten an der Carrer de Sant Perec Nolasc unweit der Kathedrale himmlische Ruhe. Unter Granatapfel- und Zitronenbäumen verliert der Spruch von der Morgenstund, die Gold im Mund hat, jedwede Betulichkeit: Für das Erlebnis des Licht- und Schattenspiels in der Morgensonne lohnt es sich, zeitig am Morgen aufzustehen.

Sehenswerte Gotteshäuser

Während Führungen durch Palmas Wahrzeichen, die gotische Kathedrale La Seu, vorläufig ausgesetzt bleiben, steht das Gotteshaus Betern täglich offen: an Werktagen von 8.30 Uhr bis 12 Uhr und von 18 bis 20 Uhr sowie Sonntags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr. Im schlicht gehaltenen Innenraum dominieren die gut sechzig Buntglasfenster sowie der Baldachin in Form einer Dornenkrone über dem Altar. Er wird dem katalanischen Architekten Antoní Gaudí (1852–26) zugeschrieben, vollendet hat ihn jedoch ein Schüler des Meisters. International ist im kosmopolitischen Palma auch die Liturgie: An Festtagen finden Eucharistiefeiern in mehreren Sprachen statt. Musikalisch fügt sich das Gotteshaus in die bedeutenden europäischen Orgelkathedralen ein. Alljährlich zieht im Oktober ein internationales Orgelfestival Musikfreunde an. Darüber hinaus füllt zweimal im Jahr – am 2. Februar und am 11. November – die Aussicht auf ein Lichtspektakel das Gotteshaus: Bei Sonnenschein spiegelt sich die große Rosette auf der Fassade unterhalb der Fensterrose zu einer leuchtend bunten Acht.

Weitere sehenswerte Kirchen Palmas – darunter Santa Eulalia und Sant Miquel mit dem in Pandemiezeiten besonders verehrten Gnadenbild der Muttergottes aus dem 17. Jahrhundert – liegen auf der Ramon-Llull-Route. Der in Palma geborene Theologe und Philosoph (1232–1316) bekehrte sich, nachdem ihn eine Predigt über den heiligen Franz von Assisi erschüttert hatte. Sein Grab befindet sich in der Basilica de Sant Francesc. Die Faszination für den mittelalterlichen Gelehrten verbindet Mallorca und Deutschland: Llulls lateinische Schriften werden im Raimundus-Lullus-Institut an der Universität Freiburg ediert, während die Universität der Balearen mit dem Llull-Lehrstuhl die Forschung vor Ort betreibt. In der Diözesanbibliothek von Palma werden mehrere gut erhaltene Handschriften Llulls aufbewahrt, darunter das „Llibre de contemplació en Déu“ und „El Arbre de filosofia d?amor“. Auskunft erteilt die Diözesanbibliothek derzeit nach vorheriger Anmeldung von Montag bis Freitag, zwischen 8 und 15 Uhr Ausleihe eingeschränkt möglich (Mailkontakt: bibliotecadiocesana@bisbatdemallorca.com).

Große Bildungstradition

Palmas Bildungstradition ist vielfältig: Auf den Spuren der Jesuiten führt der Weg in die ehrwürdige Kirche des 1561 gegründeten Gymnasiums Montesión in der Altstadt. In einer Seitenkapelle ruht einer der Schutzheiligen der Insel, der heilige Pförtner und Laienbruder Alfonso Rodríguez (1532–1617). Auf seinen Rat hin soll sich der heilige Petrus Claver entschlossen haben, nach Südamerika in die Mission zu gehen. Ein ideales Ziel für einen Familienausflug ist das Museum der Ordensgründerin Madre Alberta Giménez (1837–1922) in der Carrer de la Puresa. In der Kapelle der Schwestern werden die sterblichen Überreste der Witwe verehrt, für die ein Seligsprechungsverfahren läuft. Im neunzehnten Jahrhundert rief sie eine Volksschule und einen Schulorden – die Religiosas Pureza de María – ins Leben. Nach den Unterrichtsräumen zu schließen, war Madre Alberta ihrer Zeit weit voraus: Neben einer wunderbaren Vogel- und Reptiliensammlung sowie Steinen und Fossilien sind damals hochmoderne technische Errungenschaften wie ein Morsegerät zu bewundern. An einem lauschigen Platz befindet sich ein überdachter Sportplatz mit Barren und Sandgrube. Eine üppige Spielzeugsammlung vom Puzzle bis zum kindgerechten Hochaltar stellt den digitalen Plunder für die Kleinen heute in den Schatten.

Kunsthandwerklich erhielten die Schüler eine gediegene Ausbildung: Vitrinen bewahren filigran bemalte Fächer und bestickte Bilder auf, deren Plattstiche die Motive wie gemalt erscheinen lassen. Das Museum bietet auch Einblicke in das Alltagsleben der Mallorquiner: Im Erdgeschoss befindet sich eine gutbürgerliche Küche im Stil des neunzehnten Jahrhunderts: Unter der Steintreppe wurden Lebensmittel kühl gelagert, ein eigener Brunnen im Innenhof zeugt von gehobener Lebensqualität. Original erhalten sind der urige Brotschrank und die glänzenden Kupferkessel.

Natur und Gnade

Nach einem Gebet am Grab der Madre Alberta fällt es nicht schwer, sich durch die Gnade gestärkt auf das Gebot der Nächstenliebe im Allgemeinen und den Palmesaner Einzelhändler im Besonderen zu besinnen. In unzähligen Schaufenstern schimmert Perlenschmuck in Weiß, Rosa und verschiedenen Grauschattierungen bis Anthrazit. Nicht versäumen sollte man die Perlenläden an der Plaça Santa Eulalia: Was auch immer an tiefsitzender Tristesse oder calvinistischem Erbteil eine deutsche Frauenseele belastet kann hier mit Blick auf die schöne Kirche mit den die Fassade zierenden Bestien überwunden werden. Männer können sich unterdessen im Café stärken für ihren Einsatz als Tütenträger in der Einkaufsstraße Calle Jaume II: Bei „S'Avarca“ gibt es klassische Menorca-Sandalen in unzähligen Farben und bester Qualität, während „Paraguas“ ein hochwertiges Schirm- und Fächersortiment bietet.

Natur und Gnade ergänzen sich in der Fischabteilung der Markthalle Mercat de l'Olivar: In schier unerschöpflichen Variationen werden hier himmlische Tapas zubereitet. Wer Süßes mag, wird in Santa Clara fündig. Die Nonnen verkaufen hausgemachtes Zitronengebäck und Eis. Vom Kloster erreicht man in wenigen Minuten das Eucharistische Zentrum Palmas in der Carrer de Calatrava 10. Rund um die Uhr halten die Missionsschwestern vom Heiligsten Sakrament und der Immakulata gemeinsam mit Laien dort Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Palma kann Balsam für die Seele sein.

Nähere Informationen: www.rutasramonllull.com;  über die „Madonnen von Mallorca“ informiert das Bayerische Pilgerbüro www.pilgerreisen.de.

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