Wo der Wal bläst

Brasiliens Bundesstaat Santa Catarina lädt ein. Von Bernd Kregel

Der Wal ist an der Küste im Süden Brasiliens ein gern gesehener Gast für die Touristen. Foto: Kregel
Der Wal ist an der Küste im Süden Brasiliens ein gern gesehener Gast für die Touristen. Foto: Kregel

Die Begegnung gleicht einer zärtlichen Berührung mit ungewissem Ausgang. Neugierig streift der massige Meereskoloss den vergleichsweise zerbrechlich wirkenden Bootsrumpf. Dann bäumt er sich mächtig auf und demonstriert dem staunenden Publikum seine wahre Größe, um wenige Augenblicke später nach sprühendem Aufprall wieder hinabzugleiten unter die bewegte Meeresoberfläche. Wie zum Abschiedsgruß reckt er dabei noch einmal seine zweigezackte Finne senkrecht in die Luft empor.

Ähnlich sportlich wie die Wale vor der Küste des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina verhalten sich auch die Surfer an der nahegelegenen Bucht von „Praia do Rosa“. Bei nicht ungewöhnlichen Serien von sieben eng aufeinander folgenden Wellenbergen beziehen sie – geschmeidig wie Pumas vor dem Sprung – Stellung auf ihren Brettern, bevor nach langer und furioser Verfolgungsjagd die wild schäumenden Brecher über ihnen herniederprasseln.

Zum Strandgeschehen am „Praia do Rosa“ oder der dem Festland vorgelagerten Insel Florianopolis gehören auch Gästehäuser oder Resorts, malerisch gelegen an den steilen Abhängen oberhalb des Sandstrandes. Hier in gepflegter Atmosphäre an einem Glas mit eisgekühltem Caipirinha nippen, ist sicherlich ein geeigneter Versuch, sich dem legendären brasilianischen Lebensgefühl anzunähern – zur für das Land besten Reisezeit im November und Dezember.

Für Besucher aus dem fernen Europa kommt der Abstecher in diese Region einer Wiederentdeckung gleich. Denn bei der heimischen Einwanderungsdebatte wird leicht übersehen, dass Deutschland und andere europäische Nationen im 19. Jahrhundert vor allem Auswanderungsländer waren. „Auf und davon“, sagten sich viele auf der Suche nach einem neuen Zuhause und entdeckten dabei den Reiz des südlichen Brasiliens, der sie dort für immer festhielt.

Die Hauptstadt von Florianopolis, die den gleichen Namen trägt wie die Insel selbst, erbringt noch heute den Beweis für diesen regen Zustrom von außen. Im Zentrum der Altstadt treffen sich im Schatten der doppeltürmigen Kathedrale unterschiedlich aussehende Menschen aus mehr als zwanzig Ländern. Ihr Weg führt sie hinüber zu den Obst- und Gemüseständen des Marktplatzes, um sich dort zu versorgen mit den unglaublich wohlschmeckenden Früchten aus der Umgebung.

Höhepunkt ausgefallener Gastlichkeit in dieser Region ist jedoch das kleine Papageieninselchen „Ilha do Papagaio“. Wie ein riesiger Finger zeigt die Insel Floreanopolis mit ihrer Südspitze auf dieses kleine Eiland zwischen Insel und Festland. Die überschaubare Bucht an der Ostseite der kleinen Insel ist übersät mit Geröllbrocken, zwischen denen sich wohnliche Cabanas verbergen, auf deren offenen Verandas sich in bequemen Hängematten die Zeit trefflich verschaukeln lässt.

Ersonnen hat dieses exotische Refugium der sympathische Renato Sehn, der seine Gäste durch wuchernden Küsten-Regenwald hinaufführt auf die Aussichtspunkte der Insel. Von hier aus schweift der Blick zurück zu einer nahen Inselfestung, von der aus man sich einst gegen einfallende Seeräuber zu schützen wusste. Und vorwärts zum Festland von Santa Catarina, das als nächstes Ziel ins Auge gefasst wird.

Es präsentiert sich als ein fruchtbares, ja wohlhabendes Land, das sich einpasst in das weit aufgefächerte Kaleidoskop brasilianischer Landschaften. Die Straße führt hinauf in die Rio do Rastro-Berge, wo die „Fazenda Curucaca“ in Begleitung von Gaucho Juan einlädt zu einem Ausritt durch das angrenzende idyllische Flusstal.

Und weiter führt der Weg hinauf in das Hochland, wo das „Rio do Rastro Resort“ mit seinen bequemen Holzhütten-Unterkünften als Ausgangspunkt dient für die Erforschung einer grandiosen und oftmals wolkenverhangenen Canyon-Landschaft. Diese hat sich in den vergangenen 150 Millionen Jahren durch Erosion an der Steilkante der Hochebene herausgebildet, jener Bruchstelle, an der sich einst Südamerika und Afrika voneinander getrennt haben müssen. Ein beeindruckendes Beweisstück für die von der Plattentektonik geprägten Veränderungen in der Erdgeschichte.

Nicht einmal zehn Jahre alt ist hingegen das Weingut „Villa Francioni“ in der Nähe des Städtchens Sao Joaquim. Hier in der Höhe von 1 500 Metern entdeckte man das Potenzial des Bodens und wurde sofort aktiv. Heraus kam ein Spitzenwein, der in der Mischung von 80 Prozent Sangiovese, zehn Prozent Merlot und zehn Prozent Cabernet Sauvignon bei tiefroter Farbe eine unglaubliche Geschmacksintensität aufweist.

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