Gemütlichkeit tut gut

Die Fageralm, Skigebiet für Anfänger und Familien. Von Gabi Dräger

Neben einem Panoramablick zeichnen breite Pisten und urige Unterkünfte das Skigebiet Fageralm im Salzburger Land aus. Foto: Tourismusverband Forstau
Neben einem Panoramablick zeichnen breite Pisten und urige Unterkünfte das Skigebiet Fageralm im Salzburger Land aus. Foto: Tourismusverband Forstau

Für Skifans gibt es nichts Schöneres als auf knirschendem Naturschnee zu schwingen. Die Voraussetzungen dazu garantiert das kleine Skigebiet Fageralm, zwischen Schladming und Radstadt – mitten in der Region Ski Amadé. Denn über der Fageralm bleiben die Wolken hängen und schneien ab, nur die Talabfahrt wird künstlich beschneit. Mit einfachen Sesselliften gelangt man zum Vorderfager. Von dort aus führen zwei Schlepplifte weiter zum Hinterfager, dem zweiten Teil des Skigebiets. Neben einer Abfahrt, wo sich die Geschwindigkeit messen lässt, gibt es hier Abfahrten zum Genießen. Ganz oben, in 1 885 Metern Höhe, ist ein Fotostopp an der Goliath Schaukel dann geradezu Pflicht. Dem Skifahrer bietet sich ein Fernblick über die verschneite Bergkulisse bis hin zum Dachsteinmassiv. Wer mag, kann mit einem großen Fernrohr nach Gämsen suchen. Die Fageralm ist ein überschaubares geschlossenes Skigebiet. Hier kann keiner verloren gehen, was für Familien mit Kindern sehr entspannend ist.

Auf zur Abfahrt Nummer fünf auf dem Hinterfager! Die Piste ist leer, ein Gefühl von Freiheit macht sich breit, das Kurvenziehen geht fast von allein. Im ganzen Skigebiet gibt es nur breite rote und blaue Pisten, eine schwarze Piste sucht man hier vergebens. Bei den Tiefschneeabfahrten durch den Wald jubeln „Powder Genießer“, Boarder kommen im Boardercross-Park auf ihre Kosten.

Dann wird es Zeit, die Hütten zu testen. Die „Zefferer Alm“ liegt direkt an der Abfahrt Nummer fünf. An den aufgereihten Liegestühlen vor der Alm kommt man nur schwer vorbei. Die windgeschützte Terrasse ist ideal für eine Jausenpause. Hilde und Ernstl Forstner schwingen hier das Zepter. Die Gaststube ist klein und rustikal, Schilder mit vielen frechen Sprüchen hängen an der Wand über der Theke. Hilde serviert ein Tiroler Gröstl. Sie selbst hat auch immer einen flotten Spruch parat. Nur ein paar Meter weiter steht der große Alpengasthof „Trinkeralm“. Die Sonnenterrasse lädt zum Relaxen ein. Ripperl ist die Spezialität der „Trinkeralm“ und der Germknödel ist nicht zu verachten. Auf einem kleinen Hügel, gleich oberhalb der „Trinkeralm“, steht im tiefen Schnee eine kleine Kapelle wie verzaubert.

Weiterfahrt an der Zeitmessstrecke entlang bis zur „Aualm“. Die Einrichtung ist rustikal und die Küche ist sehr ambitioniert. Bei Gabi und Hansi Buchsteiner kommen Steaks, gefüllte Rinderrouladen und Rindsgulasch auf den Tisch. Das Fleisch kommt aus dem eigenen Bauernbetrieb – das schmeckt man.

Dann geht es zurück zum Vorderfager. Kindern wird es absolut nicht langweilig, denn nun laden der „Indianerpfad“, „Tiere vom Fagerwald“ und die „Wikinger-Route“ zu spannenden Expeditionen ein. Über Muggel und Wellen geht es zu verschiedenen handgeschnitzten Figuren. An der „Speedy Schussstrecke“ gilt es die Schnelligkeit zu messen. Da strahlt der Skizwerg, wenn er schon schneller als seine Mutter gefahren ist.

Die oberste Hütte auf dem Vorderfager ist die „Premhütte“. Sie ist mit 470 Jahren Europas älteste bewirtschaftete Skihütte. Für Susi und Luis Neureuther stehen an erster Stelle Gemütlichkeit und an zweiter Stelle Kasnocken, die Spezialität des Hauses und nirgends so gut wie hier. „Bei Luis und Susi bist du richtig, wenn die Gemütlichkeit dir wichtig ist“, sagt Luis stolz.

Nur ein paar Schwünge weiter steht die „Lechneralm“. Helga und Hans Helpferer legen Wert auf Tradition. Ein alter Kaskessel, ein Butterfass und der zur Lampe umfunktionierte Futtertrog bezeugen, dass die Alm 300 bis 400 Jahre alt ist. Nach Kasnocken und Kaspressknödelsuppe gibt es hier eine „beschwipste Marille“.

Die unterste Hütte auf der Vorderfager ist die „Unterberghütte“ von Elisabeth Vierthaler. Bei ihr kehren die Kinderskikurse ein. Es gibt Kindermenüs mit kleinen Überraschungen anbei. Die Spezialitäten sind Blunzengröstl und Spinattascherl. Alles wird selbst gemacht und die Produkte kommen aus der Landwirtschaft des Bruders.

Nach einem ereignisreichen Skitag mit Einkehrschwüngen geht es auf der roten Piste zurück ins Tal. Da werden nochmals Glücksgefühle wach. An den steilen Passagen können weniger Geübte auf leichte Umfahrungen ausweichen.

An der Mittelstation kommt man an der „Heideggalm“ vorbei. Das Besondere bei Elvira Buchsteiner ist der Backhendltag. Außerdem sammelt sie im Sommer Blaubeeren, um im Winter leckere Kuchen daraus zu machen. Auch die selbst gesammelten Pilze bietet sie in verschiedenen Gerichten an.

Die letzte Einkehrmöglichkeit ist der Gasthof „Unterreith“ an der Talstation, wo man auf der Terrasse noch die letzten Sonnenstrahlen nach dem Skifahren mitnehmen kann.

Ebenfalls im Tal, im „Hurra Kinderland“, macht den kleinen Anfängern der Skikurs mit Übungslift, Zauberteppich, Skikarussell und lustigen Märchen- und Comicfiguren Spaß. Aufgrund des umfangreichen Angebots für Anfänger hat das Skigebiet sogar den Gütesiegel „welcome beginners“ erhalten. Das gilt natürlich auch für Erwachsene. Das blaue Pistenparadies ist ideal für Späteinsteiger. Wer bereits bremsen kann und den Pflugbogen beherrscht, darf am nächsten Tag mit hinauf zur Fager-alm.

Wenn sich der Vollmond nicht hinter den Wolken versteckt, dann ist die Zeit für die Tourengeher gekommen. Im Mondlicht steigen sie nach dem Tagesskibetrieb viermal bis zur „Trinkeralm“ auf. Zurück ins Tal geht es dann auf der vom Mond und Stirnlampe beleuchteten breiten Piste.