Endlich wieder schmerzfrei sein

Christian Fulghum von der endogap Klinik in Garmisch-Partenkirchen beantwortet Fragen zum Thema GelenkersatzHerr Dr. Fulghum, Studien belegen: Patienten für Knie- und Hüftprothesen werden immer jünger. Wieso?Wann ist der richtige OP-Zeitpunkt?Welches Material ist für ein Implantat am besten geeignet?Wie finde ich eine gute Klinik?

Es liegen erfreulicherweise Langzeitergebnisse vor sowie viele positive Erfahrungsberichte von Betroffenen. Dadurch wissen Patienten und Ärzte heute, dass sich niemand mehr mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität abfinden muss, wenn das Beschwerdebild einen künstlichen Ersatz nahe legt. Hierzu haben zum einen die Langlebigkeit der modernen Implantate sowie eine Verringerung der Operationsrisiken durch gewebeschonende Techniken beigetragen. Auch konnten die Operationszeiten erheblich verkürzt werden – von knapp unter zwei Stunden auf 30 bis 45 Minuten. Zum anderen sind Aufenthalte im Krankenhaus und im Rehabilitationszentrum kürzer und der Betroffene ist schneller wieder körperlich belastbar. All dies sind wichtige Errungenschaften und weisen den operativen Gelenkersatz als optimale Lösung für jüngere und ältere Betroffene aus, die endlich wieder ein beschwerdefreies Leben führen wollen.

Dies kann nur im Einzelfall entschieden werden. Doch die frühere Devise „je später, desto besser“ gilt heute nur noch in Ausnahmefällen. Vielleicht kann man es so sagen: Wenn die Lebensqualität sinkt und der Leidensdruck zunimmt, weil die Belastungs- und Bewegungsschmerzen mit konservativen Maßnahmen immer weniger beherrschbar sind, sollte die Entscheidung für eine Operation nicht mehr lange hinausgezögert werden. Dies gilt umso mehr, wenn bereits Folgeschäden zu befürchten sind. Hinken geht z. B. mit einer Fehlbelastung einher, durch die der gesamte Bewegungsapparat – insbesondere die Wirbelsäule - dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Dies kann nur durch eine eingehende Untersuchung und unter Berücksichtigung der individuellen Krankheitsgeschichte geklärt werden. Gleiches gilt für die Art der Verankerung. Prinzipiell reagieren die Knochen jüngerer Patienten aktiver und schneller auf ein Implantat, sodass meist Prothesen verwendet werden können, die durch direktes Einheilen in den Knochen stabil werden. Bei Knochen, die durch Osteoporose oder rheumatische Erkrankungen verändert sind, kann eine Befestigung von Chrom-Kobalt-Implantaten mit Knochenzement sinnvoll sein; möglich ist auch eine Kombination beider Verankerungsmethoden. Besondere Bedeutung kommt den beweglichen, gegeneinander gleitenden Teilen zu, den „Reibe- oder Gleitpartnern“ einer Prothese: An ihnen treten im Lauf der Jahre zwangsläufig Verschleißerscheinungen auf, die dann die Haltbarkeit einschränken können. Hier haben sich die Kombinationen Metall/Kunststoff und Keramik/Kunststoff bewährt. Ebenso scheinen Metall-Metall- und Keramik-Keramik-Paarungen sowie neue vernetzte Kunststoffe weniger verschleißanfällig zu sein. Welcher Gleitpaarung auf Dauer der Vorzug zu geben ist, bleibt abzuwarten; Langzeitergebnisse stehen noch aus.

Schauen Sie sich verschiedene Kliniken an und achten Sie auf Ihr Bauchgefühl. Man sollte Ihnen zuhören, auf Sie eingehen. Bei einer Klinik, die damit wirbt, die einzige zu sein, die eine bestimmte Methode anwendet oder die sofort einen OP-Termin festlegen will, sollte man vorsichtig sein. Außerdem übernimmt die Krankenkasse in der Regel alle Kosten. Wenn Sie also für die OP draufzahlen müssten, spricht das gegen die Klinik. DT