Selbsterziehung

Von Müttern für Mütter

Ein neues Buch ermutigt Mütter, gelassen mit den eigenen Schwächen umzugehen und eigene Stärken zu fördern.
Manuela Fletschberger und Tatjana Schnegg
Foto: SONNE IM HAUS | Manuela Fletschberger und Tatjana Schnegg geben das Müttermagazin „SONNE IM HAUS“ heraus.

Frau Fletschberger, Frau Schnegg, Sie beide haben kürzlich das Buch „Selbsterziehung für Mütter“ veröffentlicht. Woher stammt die Idee für das Buch?

Seit 2016 geben wir das Müttermagazin „SONNE IM HAUS“ heraus. Mit unserer Zeitschrift möchten wir Müttern in ihrem Alltag und in ihrer Berufung den Rücken stärken. In unserem Magazin geben wir unserem Motto „Von Müttern für Mütter“ jede Menge Platz: Mütter erzählen aus ihrem Familienalltag, sie lassen teilhaben an ihrem Erfahrungsschatz und vermitteln mit ihren Berichten den Leserinnen: „Wir sind gemeinsam unterwegs!“ Unser neuestes Buch ist ein Sammelwerk aus allen in „SONNE IM HAUS“ bisher erschienenen Artikeln der Rubrik „Selbsterziehung“.

Wieso brauchen Mütter „Selbsterziehung“? Sie sind doch erwachsen!

Schnegg: Da haben Sie Recht! Erwachsen sind wir, aber Schwachstellen hat jeder von uns. Das ist Teil unserer menschlichen Natur. Aus unserer eigenen Erfahrung wissen wir, wie oft wir uns im Alltag über unsere Schwächen ärgern. Wir möchten gerne ruhig reagieren, wenn unsere Kinder schon wieder streiten, aber irgendwie klappt das nicht. Wir möchten nicht zum Spielball unserer schlechten Laune werden, weil das dem Familienklima so gar nicht gut tut. Und so weiter. Wir können das einfach so hinnehmen und uns über unsere Schwäche ärgern oder aber wir packen sie mal kräftig beim Schopf, betrachten sie von allen Seiten und finden den wunden Punkt, mit der wir ihr den Garaus machen können.

Ein Beispiel?

Schnegg: Zum Beispiel wünschen wir Mütter uns oft mehr Gelassenheit, wissen aber nicht, wie wir gelassener werden könnten. Im Kapitel „Gelassenheit erlernen“ geht es genau darum. Im persönlichen Coaching-Teil findet sich hier die Anregung, das persönliche Tagesgeschäft den momentanen individuellen Möglichkeiten anzupassen, sprich, weniger „Baustellen“ zu beginnen. Das genaue Maß ist wiederum abhängig vom Alter der Kinder. Weniger, dafür ordentlicher und strukturierter. Nicht mehr als drei Projekte pro Tag. Je kleiner die Kinder, desto weniger sollen wir uns vornehmen. Seien wir gnädig mit uns selbst!

Weitere Kapitel behandeln zum Beispiel die Themen gesunde Selbstliebe erlernen, starke Entscheidungen treffen, eine bewusste Sprache sprechen und den Umgang mit Stimmungsschwankungen lernen.

Wie kann das Buch verwendet werden?

Fletschberger: Zu Beginn gibt es eine Anleitung, wie mit dem Buch gearbeitet werden kann. Im Kapitel „Grundlagen richtiger Selbsterziehung“ wird eine Hinführung zum Thema Selbsterziehung geboten. Das erachten wir als sehr wichtig, da es unbedingt notwendig ist, dieses Thema mit der richtigen Grundhaltung anzupacken. Ansonsten besteht die Gefahr aufzugeben, bevor man richtig angefangen hat und in ein Streben nach Perfektion abzudriften Man soll sich als Mama nicht unter Druck setzen. Generell kann das Buch alleine in der Selbstreflexion und im persönlichen Coaching verwendet werden oder aber in einer Mütterrunde gemeinsam mit Freundinnen. Wir bieten auch sogenannte „Ansporn-Seminare“ an, bei denen wir gemeinsam mit den Teilnehmern diverse Kapitel aus dem Buch durcharbeiten und dann in den Austausch gehen. Erfahrungen auszutauschen und Schätze zu teilen ist so wertvoll!

Warum brauchen Mütter „Coaching“? Geht Muttersein nicht auch ohne?

Fletschberger: Ich glaube, „brauchen“ ist das falsche Wort. Muttersein geht natürlich auch ohne Selbsterziehung und ohne persönliches Coaching. Letztlich kommt es auch immer auf das Rüstzeug an, das man von seiner eigenen Mutter mitgekommen hat oder darauf, welche guten, positiven Vorbilder man hatte.

Die Grundidee für unser Müttermagazin „SONNE IM HAUS“ entstand unter anderem auch daraus, dass mir einige alte Mütterbücher in die Hände gefallen sind. Und in diesen Büchern ging es immer auch um Selbsterziehung. Muttersein ist alles andere als leicht.

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So vieles erwarten wir selbst von uns, so vieles wird von uns erwartet, dass man oft ganz mürbe, ganz klein und verzagt werden könnte. Vieles gelingt uns nicht und anderes wiederum könnten wir durchaus schaffen. Fakt ist jedoch: Wenn ich als Mutter beginne, an mir zu arbeiten, dient das nicht nur mir, sondern auch meiner Familie. Es trägt zu unser aller Wohl bei. Selbsterziehung meint ja sinngemäß ein Wachsen in den Tugenden. Und das braucht bzw. will doch jede christliche Mutter: Himmelfähig werden! Schwächen überwinden, Stärken herausfinden und sie im Familienalltag aufleuchten lassen.

Je mehr wir Mütter in unsere Berufung hineinfinden, je aufrichtiger wir danach streben, unsere Sendung gut zu leben, desto heiler wird unsere Familie. Durch Selbsterziehung können wir Stolpersteine aus dem Weg räumen und diverse „Talwanderungen“ (sprich leidvolle Erfahrungen, schwierige Herausforderungen) erleichtern und manchmal sogar abkürzen.

Welche Rolle spielt Gott bei der Selbsterziehung?

Fletschberger: Damit Selbsterziehung nicht als Last empfunden wird – und das kann leicht passieren, weil es als mühsame Arbeit an einem selbst wahrgenommen wird – ist es wichtig, mit der richtigen Haltung und Grundeinstellung das ganze Thema anzupacken. Hier kommt Gott ins Spiel. Die Arbeit an den Tugenden gelingt am besten, wenn wir uns immer wieder bewusst unter den liebenden Blick Gottes stellen. Das ist ganz wichtig! Ohne diese Haltung driftet Selbsterziehung nämlich in ein Streben nach Perfektion ab. Das ist ungesund, unmenschlich und letztlich unfruchtbar. An Gottes Hand und unter seinem liebenden, barmherzigen Blick finden wir zur richtigen Haltung und zum richtigen Handeln. Nur so werden unsere Bestrebungen, unsere Mühen und unsere eingesetzten Kräfte eine reine, edle Frucht hervorbringen.

Selbsterziehung soll nicht in permanente Selbstbeobachtung abdriften. Deshalb sollen wir es uns angewöhnen, bei der Reflexion über uns ins Gespräch mit Gott zu gehen. Stellen wir uns unter seinen liebenden Blick. Sein Blick heilt uns und macht uns rein. Sein Blick begrenzt uns nicht, er lässt uns vielmehr Grenzen überwinden! Er liebt uns: Vor aller Leistung und trotz aller Schwächen. Dadurch geraten wir nicht in eine Sackgasse. Durch seinen Blick auf uns befreien wir uns von unserem eigenen falschen Blick und vom Blick der anderen auf uns. Das hilft uns auch, Stolpersteine wie Perfektionismus und Frust wegen fehlender Anerkennung zu überwinden. Seien wir uns unserer eigenen Grenzen bewusst und glauben wir gleichzeitig an Gottes grenzenlose Macht. Der heilige Franz von Sales hat uns einen guten Leitspruch mit auf den Weg gegeben: „Hab Geduld in allen Dingen, aber besonders mit dir selbst.“

Ist das Muttersein in Corona schwerer geworden?

Schnegg: Ja, in einer Krise zu leben ist schwer – für uns und für unsere Kinder noch mehr. Die Herausforderung ist doppelt: Als Mama reißt es dir selber den Boden unter den Füßen weg und du sollst gleichzeitig deinen Kindern Halt und Sicherheit vermitteln. Zwei Dinge haben mir und uns als Familie in dieser Zeit geholfen: Wir haben uns bemüht, trotz und mit Quarantäne, Homeoffice und Homeschooling eine Struktur im Alltag zu bewahren. Unsere Gesprächskultur war mir ebenfalls wichtig. Als Familie haben wir verschiedenste Ereignisse gemeinsam reflektiert. Dabei haben mein Mann und ich sensibel darauf geachtet, welche Gespräche vor den Kindern geführt wurden und welche besser nicht.

Manuela Fletschberger (Mutter von vier Kindern) und Tatjana Schnegg (Mutter von fünf Kindern) leben mit ihren Familien im Salzburger Land in Österreich. Seit 2016 geben sie das Müttermagazin „SONNE IM HAUS“ heraus. Die beiden Familienassistentinnen geben online „Ansporn-Seminare“ auf Grundlage des Buchs „Selbsterziehung für Mütter“. Anmeldung und Möglichkeit zum Erwerb des Buchs: www.sonneimhaus.com.

 

 

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