Ehepaare

„Traust du mir etwas zu?“

Beziehungen leben von Vertrauen. Mit 6 Fragen führt Pfarrer Martin J. Emge Ehepaare zu einem vertrauensvolleren Umgang.
Paar Arm in Arm am Strand
Foto: sinanmuslu via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Vertrauen ist die Grundlage für gesunde Beziehungen. Pfarrer Emge hilft Paaren mit 6 Fragen zu einem tieferen Vertrauen zueinander zu gelangen.

 In vielen gesellschaftlichen Lebensbereichen fällt es heute zunehmend schwerer zu vertrauen. Politiker verlieren durch private und politische Fehltritte Vertrauen, im Internet werden Kaufverhalten und Daten des Einzelnen vermarktet und die allgegenwärtige Werbung manipuliert äußerst geschickt, indem sie durch geänderte Verpackungsgrößen in die Irre führt.

Auch in der Paarbeziehung, der Erziehungsverantwortung für Kinder und der Gottesbeziehung bildet Vertrauen einen zentralen Wert, erläutert Pfarrer Martin J. Emge von der Bamberger Schönstattgemeinschaft: „Kann ich dir vertrauen? Können Ihre Kinder Ihnen vertrauen? Wie viel Vertrauen schenken Sie?“ Kern der Vertrauenspädagogik sei das Vertrauen auf das Gute im Menschen, das Vertrauen darauf, dass Gott den Menschen gut geschaffen hat und jeder eine Aufgabe, eine Lebensaufgabe, eine Berufung hat, so der in der Ehe- und Familienpastoral engagierte Priester. Das gelte sowohl für das Verhältnis zum Kind als auch für den Partner. Jeder Mensch entwickele sich weiter, und letztlich gehe es darum, den verborgenen Schatz jedes Menschen zu heben.

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Ehepartner haben den Auftrag, aufeinander zu achten, ob sich bisher nicht verwirklichte Träume des Partners zu einem späteren Zeitpunkt entfalten könnten, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder nach der beruflichen Phase, rät der Pfarrer. 
Wenn sich bei einem Kind ein musikalisches Talent zeigt, sollten es die Eltern von den ersten Flötentönen unbedingt weiterführen, etwa zum Vorspiel eines Weihnachtslieds. „Echte Väterlichkeit und echte Mütterlichkeit drängt dazu, die Kinder groß zu machen, stark und stabil.“ Aufmerksame Eltern bringen das Können und die Fähigkeiten ihres Kindes zur Reife, indem sie ihm etwas zutrauen. Dabei müssten sich Eltern bewusst sein, dass das Kind sie an Kraft oder Talenten einmal überflügeln könne, so der Pfarrer: „Freuen Sie sich, dass das Kind auf Ihren Schultern steht! Nur schwache Persönlichkeiten machen andere klein. Lassen Sie Originale wachsen!“

Vertrauen will vorgelebt werden

In der Pubertät, wo Jugendliche an die Grenzen gehen und vieles ausprobieren, sollten Eltern trotz Enttäuschung und Verwirrung ihre Kinder „Dummheiten machen lassen“. Bei den Klassikern Alkohol und Rauchen sollten sie klar auf die Gefahren hinweisen und dann die Kinder laufen lassen. „Kinder machen das Gegenteil von dem, was die Eltern wollen, das ist der Normalfall. Schließlich wollen sie keine Abziehbilder der Eltern sein! Sie brauchen 15 bis 20 Jahre, um sich abzunabeln, aber sie behalten alles, was lebenstauglich ist. Auch die Werte“, versichert Pfarrer Emge. Vertrauen bedeute vor allem Vorleistung: „Wer Vertrauen erzielen will, muss Vertrauen vorleben. Wer will, dass der Partner ihm traut, muss ihm vertrauen.“  Wenn ein Ehepartner zum Beispiel erst spät den Führerschein macht und anfangs beim Fahren unsicher ist, kommt es entscheidend auf die Reaktion des anderen an.

Heißt es dann bei jeder Gelegenheit „Ich fahre lieber selbst“, wird der Fahranfänger bald aufgeben. Aneinander und miteinander wachsen aber gehe anders: „Vertrauen und Vertrauenspädagogik glaubt an das Gute im anderen, ist nicht von Angst oder Misstrauen geleitet, hat nicht vor, den anderen klein zu machen, sondern groß, lebt einseitig Vertrauen vor.“  
Pfarrer Emge lädt Ehepaare ein, je nach persönlicher Situation im Paargespräch eine der drei Säulen Selbstvertrauen, Partnervertrauen und Vertrauen in das Kind / die Kinder näher zu betrachten. Die Anregungen zum Partnervertrauen sollten erst einzeln beantwortet werden, bevor sie mit dem Partner geteilt werden.

  1. Dass ich mich auf meinen Partner verlassen kann, habe ich gemerkt als…
  2. Ein schönes Vertrauenserlebnis mit meinem Partner, an das ich mich gerne erinnere: …
  3. Wenn ich in einem mir wichtigen Anliegen unsicher bin, kann ich meinen Partner um seine Meinung fragen. Dass mir das hilft, habe ich in dieser Situation erlebt:…
  4. Unser Vertrauen zueinander ist tragfähig und stabil. Das habe ich gemerkt, als…
  5. Mein Partner gibt mir das Gefühl der Sicherheit. Das ist mir vor allem wichtig bei…
  6. Unser Partnervertrauen könnte noch mehr wachsen, wenn wir in den nächsten acht Wochen...

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Cornelia Huber Pfarrer und Pastoren

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