Mütter

Mamas Mut machen

Mütter stärken und inspirieren, voneinander lernen, Gemeinschaft bilden: So sah das gelungene Rezept des zweiten katholischen Mamakongresses aus.
Happy mother playing with son lying on autumn leaves in park model released, Symbolfoto, ONAF00218
Foto: IMAGO/Oksana Nazarchuk (www.imago-images.de) | Happy mother playing with son lying on autumn leaves in park model released, Symbolfoto, ONAF00218

Mit einer Fülle an Inhalten und einer beeindruckenden Kombination aus Kompetenz und Erfahrung ist am Freitag der zweite katholische Mamakongress zu Ende gegangen. Nach einem erfolgreichen viertätigen Auftakt letztes Jahr bot der Onlinekongress dieses Jahr eine Woche lang ein intensives Programm aus Vorträgen, Workshops und Austauschgruppen. Mütter lernen von Müttern, so könnte man das reiche Angebot kurz und knapp charakterisieren. In rund vierzig Beiträgen sprachen Experten aus Wissenschaft und Praxis – die meisten davon selbst Mamas – über gesellschaftliche Problemstellungen rund um das Mutterdasein, Eheleben, Kindererziehung, Muttersein im Alltag, Glaube in Ehe und Familie. Das Ziel: Mütter zu stärken und zu ermutigen.

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Workshops im Zoom

In kurzen Zeugnissen erzählten junge und erfahrene Mütter über ihre persönlichen Freuden und Mühen, wissend, dass unzählige andere Mütter ihre Erfahrungen teilen. Dabei kamen auch Tabuthemen zu Wort, Fragen und Schwierigkeiten, die viele Mütter aus ihrem eigenen Leben kennen, mit denen sie sich aber oft alleine fühlen: Frustrationen und Leistungsdenken, das Gefühl, manchmal überfordert zu sein, Einsamkeit mitten im alltäglichen Trubel, Verzicht auf viele Dinge um der Kinder willen, die Schwierigkeit, ein geregeltes Gebetsleben aufrechtzuerhalten. Über die Woche hinweg entstand ein buntes Mosaik an geteilten Erfahrungen, praktischen Tipps, Anregungen und Inspiration. 

Dazu dienten besonders die abendlichen Workshops, zu denen sich manchmal bis zu achtzig Frauen in einer Zoomkonferenz zusammenfanden und beispielsweise Ideen zur Gestaltung eines gemeinsamen Abendgebets in der Familie austauschten. „Was ich in den Live-Workshops ganz stark gespürt habe, war die große Sehnsucht der Mütter nach Austausch mit gleichgesinnten Mamis“, erzählt Tatjana Schnegg gegenüber der „Tagespost“. Die fünffache Mutter ist Mitherausgeberin des Müttermagazins „Sonne im Haus“ und Mitorganisatorin des Mamakongresses. Getragen wurde der Kongress von der Initiatorin Christina Walch, „Sonne im Haus“ und der Initiative Christliche Familie. Über ein Online-Forum konnten und können die Teilnehmerinnen weiterhin Mütter in ihrer Umgebung finden und sich vernetzten. Die Organisatorinnen haben bereits während des Kongresses einige Fotos von Müttern erhalten, die sich gemeinsam zum Frühstücken getroffen und dabei einen der Vorträge angehört haben. „Es ist total spannend, was sich da gerade bewegt“, so Schnegg. 

Freude ausstrahlen

Ihr persönliches Highlight waren die verschiedenen Plädoyers für die Mutterschaft am ersten Kongresstag. Hier sprachen unter anderem die Publizistin Birgit Kelle und der Psychiater Christian Spaemann über das mutige Mamasein in der heutigen Gesellschaft. Wenn schon die Gesellschaft den Wert der Mutter so wenig anerkenne, sei es umso wichtiger und schöner, selbst als Mutter vom eigenen Wert überzeugt zu sein. „Wenn ich als Mutter Freude ausstrahle, dann kann das ansteckend für Außenstehende wirken“, so Schnegg.

Mamakongress 2022
Foto: Screenshot | In der Schlussrunde des Mamakongresses tauschten fünf der Organisatorinnen ihre Eindrücke von der Veranstaltung aus.

Mit Julia Wanitschek gehörte auch eine protestantische Pastorenfrau zu den Referenten. Wanitschek ist Mitgründerin des Podcasts inBindung über bindungsorientierte Erziehung im christlichen Kontext. Auf dem Kongress sprach sie über den Umgang mit dem kindlichen und jugendlichen Gegenwillen. Je besser die Kind-Eltern-Bindung sei, desto besser könne das Kind reifen und einen gesunden Charakter entwickeln. „Wir wurden von Gott als Bindungswesen geschaffen“, so die junge zweifache Mutter. „Als solche wollen wir, gerade wenn wir klein sind, unseren Bindungs- und Bezugspersonen folgen und dadurch Nähe und Bindung herstellen – ein positiver Kreislauf.“ Trotzdem sei der Gegenwille eine völlig gesunde und natürliche Reaktion im Laufe des kindlichen Reifungsprozesses, beginnend mit der „Trotzphase“. Um seinen Nutzen zu wissen, mache es für Eltern einfacher, diese Phasen auszuhalten, so Wanitschek, die ihren Zuhörerinnen verschiedene Tipps für einen klugen Umgang mit dem kindlichen Gegenwillen mit auf den Weg gab. „Beziehung muss immer wichtiger als der Machtkampf sein“, ist die Gymnasiallehrerin überzeugt.

Zeitmanagement ist wichtig

Maria Büchsenmeister ist seit 30 Jahren verheiratet und Mutter von zwölf Kindern zwischen 29 und sieben Jahren. Auf dem Mamakongress hielt sie einen Vortrag über das Mama-Sein im Alltag. „Weniges verändert unser ganzes Wesen so sehr, wie Mama zu sein, weniges gibt unserem Leben einen solchen Sinn“, so die ausgebildete Familientrainerin. Das eigene Muttersein aber nicht nur als Berufung, sondern auch als Beruf zu sehen, helfe dabei, auch die schwereren Aspekte und eigene Fehler gelassen anzugehen. Für Mütter, die sich manchmal überfordert fühlen, könne dieser Gedanke eine Ermutigung sein, denn: „Wenn Mamasein auch ein Beruf ist, kann man es lernen!“ Ein Trick dabei sei, das Wissen und die Kompetenzen, die man sich in der eigenen Ausbildung und Berufstätigkeit angeeignet habe, auch in den Familienalltag einfließen zu lassen. Für die Familientrainerin ist ein gelungenes Zeitmanagement zentral. Sie regt dazu an, sich von Woche zu Woche einen Zeitplan zu machen, das Wichtige zuerst unterzubringen und weniger wichtige Dinge mutig zu streichen.

Susanne van der Velden, Oberärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiterin der FertilityCare-Klinik in Kleve behandelt Paare, die unter unerfülltem Kinderwunsch leiden oder mehrere Fehlgeburten hinter sich haben. In ihrem Vortrag erklärte sie einige der Maßnahmen, die die Forschung mittlerweile zur Verfügung stellt, um die Fruchtbarkeit eines Paares zu verbessern und die natürliche Konzeption eines Kindes zu ermöglichen. 

 

Abschluss im Video

 

Die erste Missionarin

Der Gründer der internationalen Youcat-Foundation und der Initiative „Neuer Anfang“ Bernhard Meuser sprach über die Rolle der Mutter als erster Missionarin ihrer Kinder. Besser als jeder andere könne eine Mutter in ihrem Kind etwas grundlegen, wovon es noch auf seinem Sterbebett zehre: „Keiner könnte deinem Kind sagen, was du ihm sagen kannst! Du bist die Mitte zwischen Gott und deinem Kind. Gott vertraut so sehr in dich wie dein Kind“, beschrieb er die wunderbare Aufgabe, den eigenen Kindern den Glauben zu vermitteln. Mit Jesus, dem „Meister der bedingungslosen Liebe“ verbinde die Mutter, dass sie sich niemals von der Liebe zu ihren Kindern abbringen lasse. „Verkünde das Evangelium – notfalls mit Worten“, zitiert er Papst Franziskus, um auch solchen Müttern Mut zu machen, die unsicher sind, wie sie diese große Aufgabe angehen sollen. „Wenn du betest, werden deine Kinder beten. Wenn du gerne in die Kirche gehst, werden sie das auch“, so Meuser, der selbst Vater von drei erwachsenen Kindern ist. 

Wie Glaubensvermittlung in der Familie ganz praktisch aussehen kann, darüber sprach Magdalena Rauter. Das liturgische Leben der Kirche ist für die dreifache Mutter ein Schatz, aus dem das Familienleben das ganze Jahr hindurch schöpfen kann. „Es gibt dem Jahr einen natürlichen Rhythmus, durch den der Glaube und die Kultur des kirchlichen Lebens ganz selbstverständlich in den Alltag einfließen“, so Rauter. Mithilfe eines einfachen liturgischen Kalenders könne man den Überblick behalten und planen. Dabei könne man das ganze Kirchenjahr hindurch auf bestehende Traditionen zurückgreifen, dürfe aber auch mit den eigenen Kindern kreativ werden. „Kinder lieben es, wenn etwas besonders und anders ist. Das kann etwas ganz Einfaches sein, zum Beispiel ein besonderer Nachtisch.“ An zahlreichen Beispielen zeigte die studierte Betriebswirtin und Vollzeitmama auf, wie verschiedene Familientypen – Familien, die gerne wandern, basteln, backen oder Besuch empfangen – das liturgische Leben in ihren Alltag integrieren können. „Jede Mutter hat unterschiedlich Zeit und Talent dazu. Ich möchte dazu ermutigen, es einfach einmal zu versuchen!“

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Eine Quelle der Kraft

Glaube ist jedoch nicht nur etwas, das es an die Kinder zu vermitteln gilt, sondern auch wichtigste Quelle der Kraft und Inspiration für das eigene Dasein als Frau und Mutter, wie in vielen Beiträgen deutlich wurde. Der emeritierte Weihbischof des Schweizer Bistums Chur, Marian Eleganti, bot eine Betrachtung über die Mutterschaft Mariens an, von der Erwartung und der Empfängnis des Messias bis hin zu ihrem Tod. So wie die Muttergottes bereits vor der Empfängnis des Heilands ihr Herz ganz in Gott begründet habe, so müsse die Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott dem Kinderwunsch vorausgehen. „Nur dann erwarten wir unser Glück nicht von den Dingen, nur dann können wir auch das Unerwartete annehmen und uns der Führung Gottes überlassen“, so der Benediktiner.


„Ich war sehr bewegt zu sehen, wie die Inhalte der einzelnen Videos ineinandergreifen“, erzählt Tatjana Schnegg. „Wir haben den Referenten ja nicht vorgegeben, was genau sie sagen sollten. Der Heilige Geist war einfach da und hat das Programm mitgetragen“. Über 1600 Teilnehmerinnen haben während der Woche an dem hochprofessionell und mit viel Sinn für das Detail ausgerichteten Kongress teilgenommen. Im Jahresabo stehen die Vorträge aber auch während des gesamten kommenden Jahres zum Anhören bereit. Das Team der Organisatorinnen steht indes bereits in den Startlöchern, um den Kongress 2023 in Angriff zu nehmen.


Bis zum 2. Dezember ist das Jahresabo noch für 30€ zu erhalten. Danach kostet es 60€.
dermamakongress.com

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