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„Hosanna“ und „Kreuzige ihn!“

Am Palmsonntag feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem, wo er freudig begrüßt wird. Aber warum reitet Jesus eigentlich auf dem Rücken eines Esels in die Stadt?
Palmsonntag: Jesus ritt mit einem Esel nach Jerusalem ein
Foto: Sally Jo Durney | Jesus ritt mit einem Esel nach Jerusalem ein: Ein Zeichen der Demut.

Hosanna! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna!“ Bestimmt kommt dir dieser Vers bekannt vor. Er wird nämlich jeden Sonntag in der Heiligen Messe gesungen, und zwar in dem Heilig-Lied (Sanctus), bevor wir uns zur Wandlung hinknien. Mit dem Hosanna-Ruf heißen wir Jesus willkommen, der gleich in die Gestalten von Brot und Wein auf dem Altar einziehen wird.  

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Das erinnert an die Geschichte vom Palmsonntag, als Jesus von einer jubelnden Volksmenge begleitet in Jerusalem einzog und königlich empfangen wurde. „Hosanna dem Sohne Davids, Hosanna dem König von Israel“ riefen damals die Menschen laut, und wir stimmen jeden Sonntag in diesen Jubelruf mit ein.

Mit Kindern durch das Kirchenjahr

Am Palmsonntag wird die Szene sogar nachgespielt: Wir versammeln uns schon draußen vor der Kirche, wo wir dieses Evangelium hören, um dann Jesus in die Kirche hineinzubegleiten. Und wie die Leute damals Palmzweige schwenkten, so tragen wir bunte Weidenbüschel zur Prozession. In der Kirche jedoch dreht sich die Stimmung sehr bald. War die Feier im Freien noch fröhlich, so wird es im Wortgottesdienst ernst, denn wir bekommen die lange Lesung der Leidensgeschichte Jesu zu hören: Im Passionsbericht erfahren wir, was ihm fünf Tage später, am Karfreitag, bevorsteht. Jesus steht angeklagt und gefesselt vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus. Die Menschenmenge verlangt schreiend: „Kreuzige ihn!“ Wie kann das sein? Auf Begeisterung folgt Hass. Jubel schlägt in Trauer um. Erst „Hosanna“ und dann „Ans Kreuz mit ihm!“

Ein König, der auf einem Esel kommt

Mit farbenfrohen Palmbuschen begleiten wir den König Jesus in die Kirche; dort aber hören wir, dass er wie ein Verbrecher behandelt und mit Dornen gekrönt wird! Und wir fragen uns, ob Jesus gescheitert ist. Was wird aus dem „Reich Gottes“, das er angekündigt hat? Was aus seiner Herrschaft, die die Menge jubelnd erwartet hat? Für viele war die Verurteilung Jesu und sein Leiden der Beweis dafür, dass er versagt hat. Für die Jünger war sein Tod am Kreuz ein entsetzliches Erlebnis und eine bittere Enttäuschung. Niemand konnte sich vorstellen, dass Gott es zulassen würde, dass sein Messias von Heiden ans Kreuz geschlagen und zu Tode gefoltert wird. Jeder hätte das Gegenteil erwartet: dass der Christus die Römer besiegt und sich als König von Israel auf den Thron Davids setzt.

Am Palmsonntag feiern wir beides: Jesus als König und als Knecht! Selbst die Jünger haben noch nicht begriffen, wie beides zusammengeht. Vielleicht waren sie sogar enttäuscht, dass Jesus nicht hoch zu Ross, sondern auf einem jungen Esel in Jerusalem einziehen wollte. Dabei war dies schon fünfhundert Jahre vorher von einem Propheten namens Sacharja geweissagt worden: „Juble und jauchze, Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und reitet demütig auf einem Esel – ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.“

Der Esel ist nämlich das Gegenteil vom Streitross: Er steht für Frieden und Demut, nicht für Krieg und Gewalt. Und so fährt Sacharja fort: „Ausmerzen werde ich die Streitwagen, abschaffen die Rosse aus Jerusalem, vernichten die Kriegsbogen.“ Denn dieser König „wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht bis an die Enden der Erde“ (Sach 9, 9-10). Eigentlich hätten alle Israeliten wissen können, dass der Messias nicht als Kriegsherr kommen wird.

Gehorsamer Schüler

Bevor in der Kirche die Passionsgeschichte gelesen wird, erfahren wir in zwei Lesungen, dass Gott seine Herrschaft ganz anders durchsetzt, als Menschen es sich ausmalen können. Der Prophet Jesaja bezeichnet den Messias als „Knecht Gottes“ und vergleicht ihn mit einem Schüler (Jes 50, 4): „Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Schülers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie ein Schüler hört.“ Der Messias lässt sich also von Gott aufwecken, wie ein Schüler von seinem Papa. Und wie ein Schüler übernimmt er die Aufgabe, zuzuhören und zu (ge)horchen.

Und er soll lernen, müde Mitschüler aufzurichten und ihnen Mut zu machen. Aber das kommt offenbar nicht bei allen gut an. Wer auf Gott hört, muss Anfeindungen erdulden: „Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Aber Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden“ (Jes 50, 5-6). Ein Messias, der sich nicht gegen Schikanen wehrt? Wer könnte sich so etwas ausdenken?

Die zweite Lesung stammt von einem Mann, der die Schüler von Jesus drangsaliert hat, bis ihn der Auferstandene selber zur Rede gestellt hat: Paulus. Als ihm Jesus erschien, musste er sich eingestehen, dass man mit Gewalt niemanden zum Glauben bewegen kann. Überwältigt von der Liebe Christi hat er verstanden, dass Gott seine Macht in Demut und Gehorsam offenbart. Später schreibt er (Phil 2, 6-11): „Der Messias Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er wurde wie ein Sklave. Sein Leben war das eines Menschen. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Deshalb hat Ihn Gott über alle erhöht und Ihm den höchsten Namen verliehen, damit alle ... ihr Knie beugen und bekennen: Jesus Christus ist der Herr.“

Gott und Mensch

Jesus ist der Sohn Gottes und er kam von Gott – allerdings nicht als Avenger oder Titan mit Superkräften, sondern als ganz normaler Mensch, geboren von einer Frau. Er hat von vornherein auf alles verzichtet, was ihn über die Natur seiner Mitmenschen erheben würde. Obwohl in ihm Gott selber gegenwärtig war, wollte er niemanden überwältigen, sondern rang geduldig werbend um Vertrauen und Liebe der Menschen – allein durch sein demütiges Vorbild als gehorsamer Menschensohn und Gottesknecht.

Das alles wäre freilich umsonst und sinnlos gewesen, wenn sein Tod am Kreuz das Ende gewesen wäre. Aber dadurch, dass Jesus den Tod besiegt hat und auferstanden ist, kann sich jeder sicher sein, dass es Sinn hat, so zu leben wie er. In der Passionsgeschichte wird Jesus fünfmal „König der Juden“ genannt, und einmal „König von Israel“. Alle Getauften, die an ihn glauben, wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern Gottes Liebe. Alle, die Christus, dem Messias, folgen, und wie Gottesknechte und Friedensfürsten leben, dürfen sich an Ostern selber als und Königskinder feiern lassen.

Florian Kopp
Foto: Privat | Florian Kopp ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern in der Nähe von Landsberg am Lech.

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