Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderkatechese

Ein Apostel erzählt von den drei österlichen Tagen

Bestimmt weißt du schon, was die Bibel über Jesu Tod und Auferstehung erzählt. Heute hören wir hier die Ereignisse aus der Sicht des Apostels Petrus, der alles miterlebt hat.
Ostern: Erkennst du die Gegenstände, Personen und Worte
Foto: Sally-Jo Durney | Erkennst du die Gegenstände, Personen und Worte, die hier dargestellt sind? Jedes Bild lässt sich einem der drei im Text beschriebenen Tage zuordnen. Finde die passenden Begriffe und markiere sie farbig!

Liebe Kinder, mit dem Gründonnerstag treten wir ein in das große „Triduum Sacrum“, in die drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn. Petrus wird euch erzählen, was er erlebt hat. Könnt ihr die Symbole auf dem Bild den passenden Tagen zuordnen?

Was geschah am Gründonnerstag?

Ich bin Petrus, einer der zwölf Jünger und ich möchte euch berichten, was in diesen Tagen geschehen ist. An dem Ort, den Jesus bestimmt hatte, bereiteten Johannes und ich alles für das Paschamahl vor. Als wir alle zusammensaßen, sagte Jesus, dass er sich sehr danach gesehnt habe, dieses Paschamahl vor seinem Leiden mit uns zu essen. Seine Worte bewegten mich tief. Jesus sagte zu uns, dass das Brot, das er uns reichte, sein eigener Leib und der Wein sein eigenes Blut sind.

Wenn ihr die Heilige Eucharistie feiert, feiert ihr das gleiche Abendmahl, das Jesus damals mit uns Jüngern gefeiert hat. So wie wir damals vor seinem Tod das erste Mal seinen Leib im Brot und sein Blut im Wein empfangen haben, empfangt auch ihr jedes Mal unseren Herrn, wenn ihr zur Kommunion geht. Er wollte auf diese Weise für immer bei uns Menschen sein, bis zur Vollendung der Welt.

Mit Kindern durch das Kirchenjahr

Plötzlich stand unser Meister auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Wir alle starrten uns ganz verwundert an. Was hatte Jesus vor? Er schüttete Wasser in eine Schüssel und begann zu tun, was nur Sklaven taten. Er wusch unsere Füße. Mein Kopf wurde rot und mein Herz begann zu rasen. Nicht er sollte mir die Füße waschen, sondern ich ihm. Doch als ich an der Reihe war, schaute mich Jesus mit einem liebevollen Blick an und sagte: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“ Daraufhin bat ich ihn, mir auch meine Hände und mein Haupt zu waschen, denn ich wollte doch zu ihm gehören.

Lesen Sie auch:

Doch Jesus sagte, das sei nicht nötig. Wie wenig hatte ich doch noch verstanden. Ich versprach Jesus in meinem Hochmut sogar, für ihn mein Leben hinzugeben. Doch er wusste bereits, wie schwach ich sein würde. Wisst ihr, was erstaunlich ist? Jesus hatte niemals auch nur einen Hauch von Verurteilung in seiner Stimme. Vielmehr hörte ich ein trauriges Mitgefühl für mich, als er mir sagte, ich würde ihn drei Mal verleugnen.

Wie ihr wisst, liebe Kinder, hat Judas Jesus dann verraten. Niemand von uns hätte es für möglich gehalten. Doch er hat es wirklich getan, hat unser Mahl verlassen und ist in die dunkle Nacht gestürzt. Im Dunkeln sind wir dann mit Jesus zum Ölberg gegangen. Alle von uns beteuerten Jesus, dass wir ihm treu bleiben würden. Doch er wusste es besser. Im Garten Gethsemane forderte uns Jesus auf, zu wachen und zu beten, doch wir schliefen ein. Unvorstellbar, was in Jesus vorgegangen sein muss, denn er wusste, was auf ihn zukommt, und jetzt weiß ich: Er hat das Kreuz aus freiem Willen angenommen.

Etwas Atemberaubendes geschah, als die riesige Schar von Männern kam, um Jesus gefangen zu nehmen. Jesus fragte sie: „Wen sucht ihr?“ und sie antworteten: „Jesus von Nazareth.“ Jesus antwortete mit den Worten: „Ich bin“ (Joh 18,5), den gleichen Worten, mit denen sich Gott Mose im brennenden Dornenbusch offenbarte. Uns stockte der Atem. Den unaussprechlichen Namen Gottes sprach er aus. Allen zeigte er damit erneut, dass er es selbst war: der lebendige Gott. Alle Männer fielen daraufhin zu Boden. Jesus hätte flüchten können. Stattdessen befahl er den Männern, uns Jünger gehen zu lassen und ließ sich von ihnen mit einem Strick fesseln.

Karfreitag: Der Tag, an dem unser Herr starb

Wir alle flohen. Keiner von uns blieb bei Jesus, um für ihn zu kämpfen. Dreimal habe ich ihn sogar verleugnet, ich habe gesagt, ich würde ihn nicht kennen. Ich weinte so bitterlich, als ich mich erinnerte, dass Jesus mir das vorausgesagt hatte. Wie tief war ich doch gefallen. Wie konnte ich der Fels sein, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte? (Mt 16,18)

Und dann begann der große Leidensweg unseres Herrn. Jesus wurde behandelt wie der schwerste Verbrecher, den es jemals auf dieser Erde gegeben hat. Er hatte niemals gesündigt, doch alle Sünden dieser Welt trug er ans Kreuz. Auch deine und meine. Für uns Jünger war es grauenvoll, alles mitanzusehen: Wie er mit Dornen gekrönt wurde, verlacht, seiner Kleider beraubt, geschlagen, bespuckt und misshandelt wurde. Am meisten von uns allen litt seine Mutter Maria. Wir konnten nichts tun, nur zuschauen, wie er das schwere Kreuz durch die Stadt auf den Berg Golgotha trug.

Wir waren hilflos. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wie Jesus gelitten hat. Doch selbst im größten Leiden war kein Hass in seinem Gesicht erkennbar. Auch jetzt hörte er nicht auf zu lieben. Drei Mal stürzte Jesus unter der schweren Last des Kreuzes. Immer wieder stand er auf. Mit Nägeln wurde er ans Kreuz geschlagen, inmitten von zwei Schwerverbrechern. Es brach eine große Finsternis über uns aus. Und dann, einige Stunden später, war es soweit: Jesus sagte: „Es ist vollbracht“, und starb. Auch in mir war alles tiefdunkel. Ich sah nur Jesus dort am Kreuz hängen und konnte nicht glauben, dass das wirklich geschehen war. War jetzt alles aus?

Zwei Tage später saßen Johannes und ich ganz niedergeschlagen zusammen und redeten über alles, was geschehen war. Plötzlich kam Maria von Magdala ganz außer Atem zu uns gerannt. „Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ (Joh 20,2) Wir warfen uns verwunderte Blicke zu und fragten uns, wer in der Lage gewesen sein sollte, so einen schweren Stein wegzurollen. Außerdem war das Grab doch gut bewacht gewesen.

Der strahlende Ostersonntag

Also liefen wir los, um uns ein eigenes Bild davon zu machen. Johannes rannte so schnell, dass ich gar nicht hinterher kam. Er liebte Jesus so sehr, das war auch hier wieder zu spüren. Doch vor dem Grab blieb er stehen, weshalb ich als erster hinein ging. Ich sah die Leinenbinden und das Schweißtuch, das auf Jesu Kopf gelegen hatte. Auch Johannes trat hinzu. Ein überwältigendes Gefühl überkam mich. Was wir sahen, genügte uns, zu glauben, dass Jesus auferstanden war. Wir kamen völlig verwandelt wieder zu den anderen Jüngern zurück, auch wenn wir alles noch nicht ganz begreifen konnten.

Wenig später kam Maria von Magdala mit der freudigen Botschaft, dass sie den Herrn gesehen hat. Die anderen Frauen berichteten, wie ein Engel ihnen den Auferstandenen verkündet hatte. Unsere Trauer wandelte sich in Freude. Am Abend passierte es dann. Wir hatten unsere Türen fest verschlossen, da wir große Angst vor den Juden hatten. Ganz unerwartet trat auf einmal Jesus selbst in unsere Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19) Jetzt wusste ich, die Geschichte war nicht zu Ende, vielmehr war das erst der Anfang. Weil ich Jesus, den Auferstandenen, getroffen habe, kann ich auch seinen Auftrag annehmen, Fels zu sein. Jesus hat mich trotz meines Versagens berufen, auf mich seine Kirche zu bauen. Ist das nicht unfassbar? Gott beruft nicht die Fähigen, sondern befähigt die Berufenen. Seinem Auftrag möchte ich ganz demütig und doch mutig zustimmen. Seine Auferstehung gibt mir dazu die Kraft. Halleluja, Jesus lebt!

Theresa Rhee
Foto: privat | Theresa Rhee ist Vollzeitmama von zwei kleinen Söhnen. Sie hat Theologie studiert und zuletzt als Religionslehrerin gearbeitet.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Theresa Rhee Apostel Bibel Gründonnerstag Jesus Christus Trauer

Weitere Artikel

Kirche

Über den Teufel wird in Kirchenkreisen nur ungern gesprochen. Doch wo der christliche Glaube schwindet, wächst das Grauen.
13.04.2024, 11 Uhr
Regina Einig