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Das innere Kind will spielen

Familientaugliche Brettspiele für Kinder jeden Alters: Das sind die besten Neuerscheinungen in der Welt von Karten, Würfel und Meeple.
Familientaugliche Brettspiele für Kinder jeden Alters
Foto: IMAGO/imageBROKER/Oleksandr Latkun (www.imago-images.de)

Wie in jeder Saison neue Anziehsachen und tausende von Büchern auf den Markt kommen, so entwickeln die Verlage auch regelmäßig neue Brettspiele, deren Regeln von Jahr zu Jahr ausgeklügelter werden. Trotz der Fülle des Angebots sind nur wenige wirklich familientauglich. Unter den zahlreichen Neuerscheinungen haben wir die schönsten und interessantesten herausgesucht.

Fortlaufende Geschichte spielen

Seit etwa zehn Jahren gibt es Gesellschaftsspiele, die nicht nach einer Partie zu Ende sind, sondern über mehrere Runden hinweg eine Geschichte erzählen. Bei vielen dieser Legacy-Games werden nach und nach weitere Materialien oder neue Regeln freigeschaltet, unbekannte Gegenden erkundet, es tauchen zusätzliche Figuren oder Gegenstände auf, von Mal zu Mal werden die Aufgaben anspruchsvoller – kurz: Der Reiz liegt in der fortwährenden, aber immer anderen Herausforderung. In dieser Zeitung wurden bereits Serien wie „Pandemie Legacy“ (ZMan), „Andor“ und „Robin Hood“ für Jugendliche (beide Kosmos), „Fabelsaft“ (2F spiele) für Kinder sowie „Dorfromantik“ (Pegasus) oder „My City“ (Kosmos) für Familien vorgestellt (DT vom 23.02.23 und vom 30.11.23)

Das letztgenannte Legacy-Spiel hat mit „My Island“ (Kosmos) nun einen Nachfolger gefunden, bei dem man ein Tableau mit unterschiedlichen Landschaften füllen muss. Welche Kombinationen Punkte geben und was es alles zu berücksichtigen gilt, variiert von Partie zu Partie. Während in den ersten Runden eine neue Insel lediglich ausgekundschaftet werden soll, zunächst der Stand und dann der Dschungel, tauchen bald schon Gefahren auf, Gebäude werden errichtet, es werden Entdeckungen gemacht und unbekannte Gegenden erforscht. „My Island“ wartet mit 24 Challenges auf, die immer mehr das Geheimnis eines abgelegenen Ortes enthüllen.

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Ebenfalls mit dem Meer hat „Wildtales“ (Frosted Games) zu tun. Lediglich 25 Karten plus zwei Stickerbögen sind alles, was man für dieses Legacy-Spiel braucht. Auf geniale Weise eröffnen die Vorder- und Rückseiten verschiedene Möglichkeiten, durch Drehen und Wenden zeigen sie unterschiedliche Rohstoffe und je nach dem Ort, wo man sie ablegt, haben die Karten eine andere Bedeutung. Bei „Wildtales“ macht man als Pirat zusammen mit einem Mitspieler die Karibik unsicher und muss knifflige Aufgaben lösen, indem man sich durch ein Kampagnen-Buch kämpft, welches allerdings nur per Smartphone oder iPad zur Verfügung steht. Nach anfangs recht einfachen Abenteuern wird das Spiel jedoch bald so schwer, dass man entweder außergewöhnliche strategische Fähigkeiten oder eine gehörige Portion Glück braucht.

Wesentlich einfacher spielt sich „Käpt´n Pepe, Schatz Ahoi“ (Haba), das erste waschechte Legacy-Game für jüngere Kinder. Auch hier geht es um Seeräuber, die eine Geschichte erleben, allerdings können bis zu fünf Personen mitmachen und statt Strategie ist vor allem räumliches Vorstellungsvermögen, Antizipation von Bewegungen sowie Teamgeist gefragt. Auf einem Pappschiff muss die Mannschaft unter Zeitdruck immer wieder neu zu den immer wieder anders verteilten Rudern finden. Zusatzaufgaben, nervende Gespenster, störende Krabben und andere Überraschungen verlangen starke Nerven und ein stressfreies Miteinander.

Gemütlich spielen am Feierabend

Zwei weitere Spiele, welche sich auch mit kleinen Kindern spielen lassen, sind „Gigi Gaga“ sowie „Rauf und runter“ (beide von Zoch). Das erstgenannte ist ein Kartenspiel, in dem man mit Hühnern unterschiedlichen Wertes Würmer ersteigern muss. Die Regeln sind einfach zu verstehen und da bei jeder Auktion stets Glück dabei ist, haben gerade junge Spieler viel Freude damit. Ein bisschen schwieriger sind die Regeln von „Rauf und runter“. Hier geht es ebenfalls um Hühner; mithilfe von Würfeln müssen sie eine Leiter erklimmen. Bei dem Flatterspaß geht es darum, die richtige Beschleunigung abzuschätzen.

„Kuhfstein“ (Schmidt Spiele) ist ein Legespiel, bei dem man Landschaftsplättchen so setzen muss, dass sie nach vorgegebenen Mustern beweidet werden können. Als Bergbauer in den Alpen platziert man Wälder und Felder, Wiesen, Seen und Höfe, pflanzt Bäume und verteilt seine immer größer werdende Kuhherde. Das pfiffige Familienspiel mit Heimatbezug, welches Konzentration und taktisches Denken erfordert, ist leicht zu lernen und bleibt auch nach mehreren Runden spannend. Um Tiere geht es auch bei „Showdown“ (Haba), genauer gesagt um Mäuse, welche in die Rolle von Revolverhelden des Wilden Westens schlüpfen. Durch einen ausgeklügelten Kartenmechanismus kann jeder Spieler bei seinem Zug verschiedene Aktionen ausführen, nämlich die Bank ausrauben, eine Rauferei beginnen, in der Stadt umherstreunen, Erträge in einer Sparbüchse sichern oder den Sheriff auf seine Mitspieler hetzen. Bei dem atmosphärisch dichten Spiel gilt es nicht nur, auf den eigenen Vorteil zu achten, vielmehr geht es darum, etwas zu riskieren und abzuwägen, ob die eigene Sicherheit wichtiger ist als die Möglichkeit, einen Gegner um ein paar Geldstücke zu erleichtern. Je mehr Spieler mitmachen, desto behutsamer gilt es zu überlegen, mit wem man paktiert und welcher Revolverheld einem gefährlich werden kann. „Showdown“ macht den Wilden Westen zu einem mitreißenden Abenteuer für Jung und Alt.

Abenteuer für Groß und Klein

Eine ähnlich dichte Stimmung vermittelt „Drachenhüter“ (Kosmos) von dem Spieleautor und Illustrator Michael Menzel. Wie der Name bereits sagt, muss man auf Ungeheuer aufpassen. Davon gibt es vier verschiedene Sorten. Wie viele Drachen einer Art man bei sich ablegen darf, darüber gibt ein Buch Auskunft, das sich jedes Mal verändert, wenn man eines der Tierchen nachzieht. Die Art und Weise, wie man dieses Buch manipulieren kann und vor allem, wie man zu Punkten kommt, macht „Drachenhüter“ zu einem ebenso faszinierenden wie schnellen Familienspiel der Extraklasse.

„Der Herr der Ringe – gemeinsam zum Schicksalsberg“ (Kosmos) ist ein Familienspiel zum gleichnamigen Roman von J.R.R. Tolkien. Kooperativ führen die Spieler die Ringgemeinschaft zum Schicksalsberg, wobei sie fünf verschiedene Gebiete mit jeweils unterschiedlichen Begegnungen durchlaufen. „Raccoon Tycoon“ (Piatnik) ist ein liebevoll gestaltetes Handelsspiel, bei dem nicht ausgefeilte Mechanismen, sondern das Geldverdienen im Vordergrund stehen. Wer die Produktion ankurbelt, kann die Marktwerte bestimmter Güter erhöhen und Waren nehmen. Sobald man diese verkauft, sinkt der Aktienwert. Alternativ lassen sich Bauwerke errichten, welche die Wertschöpfung vereinfachen. Der Erwerb von Anteilen und Gebieten bringt schließlich jene Siegpunkte, mit denen man eine Partie gewinnt. „Raccoon Tycoon“ ist ein leicht zu lernendes Spiel, welches durch Änderung der Siegbedingungen zu einem abendfüllenden Zockergame werden kann.

Alle hier vorgestellten Spiele zeichnen sich durch überschaubare Regeln aus, für die meist erklärende YouTube-Videos existieren. Hervorzuheben sind die Clips der Verlage Haba und Kosmos, denn sie nehmen die Spieler mit einer dramaturgisch gelungenen Inszenierung mit in die Hintergrundgeschichte. Auf niederschwellige Weise wird der Einstieg für jeden erleichtert.

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