Sexualität

Berufen zur Liebe

Podcasts, Blog und Vorträge: Eine Online-Plattform macht die Theologie des Leibes für ein breites Publikum zugänglich.
Online-Plattform "Theologie des Leibes" bringt die Lehren von Papst Johannes Paul II.
Foto: IMAGO/Vasily Pindyurin (www.imago-images.de) | Mit digitalen Formaten bringt die Online-Plattform "Theologie des Leibes" die Lehren von Papst Johannes Paul II. in die deutsche Öffentlichkeit.

 „Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Wie kann ich glücklich werden? Was ist meine Berufung?“ Diese Fragen brennen früher oder später im Herzen jedes Menschen. In einer Zeit, in der das gegenseitige Einvernehmen als einzige Norm für sexuelle Beziehungen übrig geblieben ist, erleben viele Menschen ihre Sexualität als Scheitern. Eine neue deutschsprachige Online-Plattform zur Theologie des Leibes möchte hier Abhilfe schaffen. „Die Theologie des Leibes beantwortet die Grundfragen des Lebens und bietet damit viele Antworten für eine Zeit, die gerade in Bezug auf Sexualität sehr herausfordernd ist“, erklärt Johannes Wieczorek. Der Dreißigjährige ist Mit-Gründer der Plattform und spricht mit der „Tagespost“ über das Projekt.

Der Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit


Johannes Wieczorek und seine drei Mit-Initiatorinnen haben sich beim zweijährigen Studiengang zur Theologie des Leibes an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz kennengelernt. Der Studiengang setzt sich nicht nur theologisch mit der christlichen Anthropologie auseinander, sondern ermuntert die Absolventen auch zur Vermittlung der Theologie des Leibes. Bereits während ihres Studiums hat die Gruppe eine Vortragsreihe ausgearbeitet und konnte sie letztes Jahr in die Praxis umsetzen: „Bei einer geistlichen Gemeinschaft in der Nähe von München konnten wir einen ersten Testlauf starten und hielten sechs aufeinanderfolgende Vorträge an sechs Abenden, vor jeweils 30 bis 60 Leuten“, erzählt Wieczorek.

Im Mai dieses Jahres ging ergänzend die Website theologiedesleibes.de online. Hier findet der Besucher regelmäßig neue Blogeinträge und Podcasts. Der Instagram-Account liefert wöchentlich kleine Impulse zur christlichen Sicht auf die Sexualität und verwendet dazu Zitate von Papst Johannes Paul II., Enzykliken und Konzilstexte, den Katechismus und Texte katholischer Theologen und Heiliger. 

„Ich bin dazu berufen, mein Gegenüber ebenso anzunehmen und zu lieben wie Gott.“

„Verliebt sein: Mehr als eine körperliche Reaktion?“ heißt eine der Podcast-Folgen, in der Wieczorek und seine Kollegin Theresa R. verschiedene Antwortmöglichkeiten ausleuchten und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse zum Geschehen auf der körperlich-hormonalen Ebene, persönliche Erfahrungen und ihr Wissen zur Theologie des Leibes einbringen. Zum Unterschied von Verliebtsein und Liebe erklärt Theresa, dass die äußere Anziehung dazu bestimmt ist, „in die Erkenntnis der inneren Schönheit der Person“ überzugehen. Echte Liebe entwickle sich, wenn man den Blick von sich selbst auf den anderen hinlenke, das Wohlgefallen und Begehren sich zum Wohlwollen wandle.

In Anlehnung an Johannes Paul II. ergänzt Wieczorek, dass das Begehren dem Aufeinander-Hingeordnetsein von Mann und Frau entspringe: „Der Mensch sehnt sich nach Gemeinschaft.“ Das Begehren werde dann missbraucht, wenn man den Anderen für das Ausleben der eigenen Triebe verwende, ohne den Wert der anderen Person wahrzunehmen. Dagegen helfe das Bewusstsein, dass der andere ein von Gott geschaffener und geliebter Mensch sei: „Ich bin dazu berufen, ihn ebenso anzunehmen und zu lieben wie Gott“, erklärt Wieczorek. Der Podcast der Initiative wird besonders intensiv von Personen von Mitte 20 bis Mitte 30 genutzt.

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Kampf gegen Vorurteile


Wieczorek und seine Mitstreiter möchten die Orientierungshilfen, die die Theologie Papst Johannes Pauls. II zur menschlichen Sexualität zu bieten hat, einem breiten Publikum erschließen. „Das ist gerade in Deutschland nicht immer einfach, denn hier herrschen nach wie vor viele Vorurteile gegenüber der Theologie des Leibes“, so der junge Mann. Dabei widerlege diese Theologie klar und deutlich das Klischee der kirchlichen Leibfeindlichkeit. Die Vorurteile seien teils fest verankert und inhaltlich schwer zu greifen. „Das liegt auch daran, dass die Menschen, die sie vertreten, sich oft gar nicht ausführlich mit der Theologie des Leibes beschäftigt haben“, ist Wieczorek überzeugt. Trotzdem oder gerade deshalb sieht er in der Theologie des Leibes einen Ansatz für die Neuevangelisierung: „Die Theologie des Leibes ist eine wunderbare Möglichkeit, junge Menschen anzusprechen, denn die Themen Liebe und Sexualität betreffen jeden. Die  Worte von Johannes Paul sprechen nicht nur zum Verstand, sondern bringen etwas zum Vorschein, was die innerste Sehnsucht im menschlichen Herzen ist: Die Sehnsucht Liebe zu empfangen und Liebe zu schenken.“

Hier geht's zur Website.

Infos zu kommenden Vorträgen: 
info@theologiedesleibes.de

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Franziska Harter Hochschule Heiligenkreuz Johannes Paul Johannes Paul II. Katechismus

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