Würzburg

Theologie der Liebe

Die spanische Philosophin Sara Gallardo González hat die Bedeutung der Theologie Joseph Ratzingers für die Gegenwart unterstrichen.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.
Eine Bronzebüste von Papst Benedikt XVI. vom Bildhauer Johann Brunner. Foto: Maria Irl (KNA)

Im Interview mit der „Tagespost“ sagte Sara Gallardo González, Mitglied im Neuen Schülerkreis des Papstes und Dozentin an der Katholischen Universität von Avila, Ratzinger korrigiere die heute verbreitete falsche Vorstellung, als ob alles im eigenen Leben von den eigenen Entscheidungen abhinge. Gott werde dabei kaum gebraucht.

Genderideologie Ausdruck der Beliebigkeitsidee

Als Beispiel verwies Frau Gallardo auf die Genderideologie. Diese fördere die Idee, dass Ehe und Familie von unserer Entscheidung abhängige Größen seien, die man beliebig gestalten könne. Dagegen betone Ratzinger die persönliche Dimension der Erziehung und der Bildung des Menschen.

Kritik an Maria 2.0

Kritisch äußerte sich die Philosophin über die Forderung der Initiative Maria 2.0 nach Reformen für Frauen in der Kirche. Diese Forderungen seien vor dem Hintergrund dialektischer Gegensätze und aus der Perspektive der Macht zu interpretieren.

Wörtlich erklärte Gallardo: "Aber die Logik der Liebe, die das Geheimnis der Kirche auslegt, ist weit davon entfernt. Die Proexistenz Christi ist die Perspektive, in der alle Charismen in der Kirche, auch das Weiheamt, auszudeuten sind. Es geht um den Dienst der Liebe. Auch wenn solche Initiativen vorgeben, im Namen aller katholischen Frauen zu sprechen, spiegeln sie meine Erfahrung als Katholikin nicht wider. Ich würde mir mehr Aufmerksamkeit für Andersdenkende wünschen. Gerade die marxistische Gleichmacherei führt zur Intoleranz gegenüber anderen. Ich liebe diese Kirche, die heilig und sündhaft zugleich ist, die mir den Glauben vermittelt hat, mich tagtäglich mit dem Leib Christi ernährt und mich von meinen Sünden losspricht, die der Welt dient und sich auch unter so vielen Verfolgungen für sie hingibt. Überzeugender als Maria 2.0 verkörpern Frauen wie die Mutter Jesu, Mutter Teresa von Kalkutta oder Edith Stein den Glanz und die Schönheit des Einflusses der Frauen auf dieser Welt."

„Allein die Heiligen können die Welt dauerhaft zum Besseren verändern“: Die Philosophin Sara Gallardo González lehrt an ... Foto: Privat

Die Gabe der Frau in der Kirche

Ratzinger sei besonders empfindsam für die Gabe der Frau in der Kirche, denn seine Theologie dürfe als eine Theologie der Liebe ausgedeutet werden. Die unbedingte Liebe zur Kirche und die innere Notwendigkeit, dass die Beziehung zu Gott das ganze Leben umfasst, sei ein Merkmal des Werkes von Joseph Ratzinger.

DT/reg

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