Köln

Soziale Handlungskompetenz

Im Sommer 2021 soll in Köln eine Stiftungsschule an den Start gehen, die vom Geist des Gesellenvaters Adolph Kolping geprägt ist.

Judith Topp, Kanzlerin der Kolping-Stiftungshochschule
Als Managerin in der Startphase und spätere Kanzlerin der Kolping-Stiftungshochschule ist Judith Topp seit Anfang September dabei. Foto: Privat

Mit „Kolping“ verbindet man den vom dem Kerpener Priester in der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Gesellenverein. Sein Augenmerk lag auf der Unterstützung und Begleitung der Wandergesellen, deren Lebensverhältnisse sich, auch in Folge der Industrialisierung, dramatisch veränderten. Vor diesem Hintergrund käme man kaum auf den Gedanken, dass das Kolpingwerk Deutschland, gemeinsam mit einigen Kolping-Bildungsunternehmen, jetzt den akademischen Nachwuchs unter seine Fittiche nehmen möchte.

Allerdings war Bildung bereits ein zentrales Thema für den seligen „Gesellenvater“. Bilden bedeutete für ihn „gestalten, formen, ausprägen, und je schärfer und vollkommener das geschieht, umso richtiger und wirklicher schreitet die Bildung vorwärts“. In diesem Sinne passt die Planung der Kolping-Stiftungshochschule, die im Sommer 2021 an den Start gehen wird, zur „Kolping-DNA“. Die Stiftungshochschule ist mehr als nur ein neues Geschäftsfeld. „Sie lebt vielmehr den Kolping-Geist“, erklärt der Paderborner Wolfgang Gelhard, einer der Geschäftsführer der Gründungsgesellschaft gegenüber der „Tagespost“. „Wo Kolping draufsteht, wird auch Kolping drin sein“, weiß Gelhard.

Eine letzte Lücke der akademischen Bildung wird geschlossen

Die neue Einrichtung stehe in diesem Sinne unter dem Leitwort „Bildung mit Wert“. In der von der Digitalisierung geprägten Wissensgesellschaft liege die Herausforderung für Bildungsdienstleister darin, allen Zielgruppen die Möglichkeit der Bildungsteilhabe zu ermöglichen. Die Kolping-Bildungsunternehmen bilden, so der Geschäftsführer, seit Jahren weit mehr als nur den Bereich der klassischen Benachteiligtenfördung ab. „Wir denken in Bildungsketten, angefangen bei Angeboten des Elementarbereichs über die Schule, das Übergangsmanagement in den Beruf, die berufliche Weiterbildung bis hin zur Seniorenbildung.“ Die Stiftungshochschule schließe nun eine letzte Lücke, die der akademischen Bildung.

Für den Start der Hochschule sei man gut aufgestellt. „Wir haben innovative Ansätze mit hohem Online-Anteil entwickelt, der zeit- und ortsflexibles Lernen ermöglicht.“ Durch das dichte Netz an Kolping-Einrichtungen deutschlandweit hätten die Studierenden eine sofortige Einbindung in die berufliche Praxis, könnten Netzwerke knüpfen und die Inhalte ihres Studiums mit den Erfordernissen des beruflichen Alltags abgleichen. Zudem werde man die seit Jahrzehnten erprobten Kolping-Qualitätsstandards in diesen Bereich integrieren.

„Nun geht es darum, der Hochschule – basierend auf den christlichen Werten Adolph Kolpings – ein eigenes Profil zu geben, Studiengänge für den Bereich Gesundheit und Soziales zu entwickeln [...]“
Judith Topp, Kanzlerin der Hochschule

Als Managerin in der Startphase und spätere Kanzlerin der Hochschule ist Judith Topp seit Anfang September dabei. Die Volkswirtin und Journalistin war in den letzten sieben Jahren bereits mit der konzeptionellen Entwicklung im Hochschulbereich befasst. Nachdem am 30. September der endgültige Startschuss für die zukünftige Kolping-Stiftungshochschule erfolgte, freut sie sich, dass die Gesellschafter ihr das Vertrauen ausgesprochen haben, den Aufbau zu gestalten. „Nun geht es darum, der Hochschule – basierend auf den christlichen Werten Adolph Kolpings – ein eigenes Profil zu geben, Studiengänge für den Bereich Gesundheit und Soziales zu entwickeln und die staatliche Anerkennung durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW zu bekommen“, beschreibt Topp die aktuellen Aufgaben, die zu erledigen sind, damit der Start im Sommer 2021 gelingt.

Judith Topp reizt die Aufgabe bei Kolping. „Die Kolping-Bildungsunternehmen gehören mit ihren insgesamt 5 100 Mitarbeitenden und mehr als 140 000 Teilnehmenden pro Jahr, die in über 190 dezentralen Einrichtungen organisiert sind, schließlich zu den größten freien Trägern der beruflichen Bildung in Deutschland.“

Der Mensch steht im Mittelpunkt, mit all seinen individuellen Lebenssituationen

Jetzt werde das Portfolio durch den Sektor der akademischen Weiterbildung ergänzt. „Allen Angeboten der Kolping-Bildungsunternehmen ist eines gemein: Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ Diese Maxime gelte, so Topp, auch für die Stiftungshochschule; sie sei die Basis all ihrer Überlegungen. „Die Studierenden sollen eine praxisorientierte und branchennahe Hochschule erleben, mit flexiblen Studiengängen in Voll- und Teilzeit, in Präsenz und Fernlehre, die ihnen die Chance gibt, ihre individuelle Lebenssituation mit einem Studium zu vereinbaren.“ Für Topp ist es eine große Herausforderung, eine neue Hochschule mit diesem Grundgedanken zu entwickeln und von Beginn an maßgeblich prägen zu können.

Die Kolping-Bildungsunternehmen wissen sich schon jetzt in den Fachbereichen Gesundheit und Soziales gut aufgestellt. Deshalb wird die Kolping-Stiftungshochschule zunächst Studienangebote in diesem Sektor anbieten. „Damit folgen wir auch dem politischen Willen, Ausbildungen in der Gesundheits- und Sozialbranche weiter zu akademisieren und reagieren auf den wachsenden Bedarf an akademisch ausgebildeten Fachkräften in diesen Bereichen“, beschreibt die Managerin.

Entwicklung praxisorientierter Studienangebote

Geplant sind zunächst die Bachelor-Programme „Soziale Arbeit“, „Frühkindliche Bildung“, „Pflege“ und „Pflegepädagogik & Gesundheitspsychologie“. Die Aufgabe von Judith Topp wird es sein, „die umfangreiche Expertise aus dem Kolping-Netzwerk, zu dem verschiedene Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Inklusions- und Integrationseinrichtungen und Pflegedienste gehören, unmittelbar in die Entwicklung der praxisorientierten Studienangebote einfließen zu lassen“.

Die Studiengänge der Kolping-Stiftungshochschule wollen der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden in hohem Maße Rechnung tragen. „Bildung ist für Kolping mehr als die bloße Verwertbarkeit von Wissen. Sie bedeutet für Kolping, den Menschen unter Einbeziehung seines familiären und sozialen Umfelds auf seinem Bildungsweg zu begleiten und ihm fachliche, soziale und Handlungskompetenz zu vermitteln“, weiß Topp.