Trumau /Österreich

„Schola Thomas Morus“: Glaubens- und Herzensbildung

Die „Schola Thomas Morus“ in Trumau richtet Bildung auf der Grundlage christlicher Anthropologie aus.

Schola Thomas Morus
Die Schola Thomas Morus im niederösterreichischen Trumau. Foto: scholathomasmorus.at

„Wir sind eine Schule in der Mitte der Kirche.“ Was Schulleiter Christiaan Alting von Geusau über die „Schola Thomas Morus“ im niederösterreichischen Trumau sagt, klingt sympathisch. Im siebten Jahr ihres Bestehens blüht und gedeiht die „STM“. Ihr Wahlspruch „fides, ratio, fortitudo“ greift Wesenszüge ihres Namenspatrons auf: Der heilige Thomas Morus (1448–1535), der für seine Treue zu Papst und Kirche von König Heinrich VIII. enthauptet wurde, war eine der gebildetsten und visionärsten Gestalten seiner Zeit, der sich nicht scheute, groß zu denken, wovon auch sein prägender Roman „Utopia“ Zeugnis ablegt.

Persönlichkeitsformung als Fundament

In Zeiten, wo ein präziser Bildungsbegriff zugunsten einer vagen Kompetenzorientierung weitgehend verschwunden ist, sieht die Schola Thomas Morus Persönlichkeitsformung als wesentliches Fundament ihrer Pädagogik. „Bildung ist, das sichtbar zu machen, was als Keim verborgen liegt“, wird Thomas Morus im Schulfolder zitiert. Entsprechend möchte die „STM“ junge Christen formen, „die als gereifte und gut entwickelte Persönlichkeiten Zeugen sein können“, führt Schulleiter Christiaan Alting von Geusau aus. Der Kern sei dabei die Vermittlung und Stärkung der Tugenden, das selbstständige Denken und Begreifen sowie die Förderung eines lebendigen katholischen Glaubens im Schulalltag.

„Wir sind eine Schule im Aufbau, wir sind auf dem Weg.“
Christiaan Alting von Geusau

Getragen wird die Schule vom „Trägerverein STM – Schola Thomas Morus“, der mit dem langjährigen Direktor des renommierten Wiener Schottengymnasiums, Friedrich Wally, einen Experten als Berater für pädagogische Angelegenheiten gewinnen konnte. Die Unabhängigkeit der Schola Thomas Morus von staatlichen, politischen und kirchlichen Organisationen, die sich ausschließlich über Spenden und Schulgeld finanziert, bringt eine große Freiheit, die sich im inhaltlichen Konzept faszinierend niederschlägt.

„Septem artes liberales“

So verfolgt die „STM“ ihr Ziel einer christlich-humanistischen Bildung durch eine Kombination von österreichischem Gymnasiallehrplan und einem eigenen Thomas-Morus-Lehrplan. Besondere Schwerpunkte sind: „Glaubensbildung als Herzensbildung“, Erziehung in den Tugenden, Schulung im selbstständigen Denken, Begreifen und Lernen. Besonders klar wird der Rückgriff auf die „septem artes liberales“, wenn Rhetorik, Grammatik, Logik und Analysefähigkeit ausdrücklich als Elemente des täglichen Unterrichts bezeichnet werden. In den Bereichen Sprachen, Literatur, Darstellende Kunst, Musik, Theater und Leadership legt die „STM“ besonderen Wert auf die Förderung individueller Begabungen. Ein eigener Pavillon für Naturwissenschaften und Biologie befördert das Anliegen der Erforschung und Erkenntnis der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeiten.

Das klassische Curriculum schlägt sich vor allem darin nieder, dass die Schüler bereits in der ersten Klasse des Gymnasiums, also in der fünften Schulstufe, Englisch und Latein lernen. Latein zieht sich also – ebenso wie Geschichte – durch alle acht Jahre der gymnasialen Karriere. Eine weitere Besonderheit ist Literatur als eigenes Fach, ebenfalls von der ersten bis zur achten Klasse des Gymnasiums. Die Literaturprofessorin Christine Wiesmüller, die das Fach von Anfang an mitentwickelt hat, sieht die Literatur als Lehrmeisterin für und über den Menschen. „Sprachkunstwerke können eine Schule des Denkens sein. Die Analysefähigkeit, die hier entwickelt wird, soll helfen, jede Art komplexer Texte und Situationen zu durchschauen“, so Wiesmüller.

Schulgebäude mit eigener Kapelle

Beeindruckend ist auch der Rückgriff auf das Schultheater als jahrhundertealtes Mittel katholischer Formation: Auf der Website der Schule begeistert ein Video über die Aufführung „Das Geheimnis des heiligen Thomas Morus“. Die Reife und Güte, mit der die 14-Jährigen fast 90 Minuten Bühnengeschehen bestreiten, ist vielleicht eine noch bessere Empfehlung für die „STM“ als ein Verweis auf eine maximale Klassenstärke von 15 Kindern, die natürlich hohe Unterrichtsintensität und individuelle Begleitung ermöglicht.

Das Schulgebäude besitzt eine eigene Kapelle. Morgengebet, Angelus und wöchentliche Schulmesse rhythmisieren den Unterrichtsalltag. Schulleiter Geusau betont, wie wichtig der gelebte Glaube auch für das Lehrpersonal sei. Über die Lehrerinnen und Lehrer gebe es Bezug zu allen möglichen katholischen Gemeinschaften. Ein ambitioniertes weiteres Projekt im Kontext der „Schola Thomas Morus“ ist die geplante Lehrerakademie, welche die Pädagogen unter anderem in Theologie, Philosophie und Leadership ausrüsten möchte.

65 Schüler tragen Uniform

Aktuell besuchen 65 Kinder die „Schola Thomas Morus“. 120 Schüler sind mittelfristig, bei acht vollen Klassen, das Ziel. Neben allen inhaltlichen und konzeptionellen Vorzügen hat auch die „Grünlage“ der Schule viel für sich: Man hat den Eindruck eines kleinen Campus', der mittlerweile auch eine moderne Außensportanlage aufweist. Die Tatsache, dass nach wenigen Jahren bereits Schüler aus dem gesamten Großraum Wien die Schule besuchen, ist ein Indikator der Lebens- und Lernqualität, die hier geboten wird.

Schuluniform als „Zeichen der Ordnung, des Respekts und der Zugehörigkeit“, ist an der „STM“ verpflichtend, auch hier ist der Anspruch hoch: Mädchen tragen ausschließlich Röcke, bei größeren Jungen ist auch bei der Alltagsuniform Krawatte vorgeschrieben; bereits die Alltagsvariante hat ein Stilniveau, das jenes der Festtagsvarianten in den wenigen Privatschulen mit Uniform um Längen hinter sich lässt. Allerdings wirken die strahlenden Gesichter der Schülerinnen und Schüler nicht so, als ob die konservative Kleiderordnung sie stören würde. Entfaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es an ihrer Schule anderswo genug.

„Die Gefängniszellen sind jetzt die Lehrerzimmer!“
Franziska (12)

Fragt man Schüler, was sie an der „STM“ mögen, so lobt Clemens (17) die Lehrer: Sie seien cool und man könne mit den meisten von ihnen viel Spaß haben. Johanna (16) stimmt zu und unterstreicht die Offenheit für Glaubensgespräche und die religiösen Angebote an der „STM“, außerdem schätze sie den Literaturunterricht sehr. Franziska (12) mag das 2017 renovierte Schulgebäude besonders, das früher ein Gerichtsgebäude war: „Die Gefängniszellen sind jetzt die Lehrerzimmer!“

Nächstes Schuljahr wird besonders spannend für die Schola Thomas Morus: 2021 treten nämlich die ersten „STM“-Schüler zur österreichischen „Zentralmatura“, der Reifeprüfung, an, die sie extern, an einem öffentlichen Gymnasium in Niederösterreich, ablegen müssen. „Wir sind eine Schule im Aufbau, wir sind auf dem Weg“, betont Direktor Geusau. Nicht nur die frischen roten Türen des prächtigen Gebäudes aus dem 17. Jahrhunderts wirken einladend. Anziehend ist auch die innere Substanz der Schola Thomas Morus: das Wagnis, in turbulenten Zeiten einen Bildungsauftrag an klaren und die gesamte Persönlichkeit umfassenden Zielen auszurichten, denen die christliche Anthropologie zugrunde liegt.

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